Ratgeber (3): Kaninchen

Kaninchen
So süß! Man möchte die kleinen Fellchen sofort streicheln. Foto: pixabay

Sooooo süß! Ja, Kaninchen sind superniedlich. Die kleinen kuschligen Fellchen möchte man sofort streicheln. Und gerade jetzt in der Osterzeit gibt es wieder einige Menschen, die denken, Kaninchen wären total anspruchslos und pflegeleicht und bestimmt lustige Spielgefährten für die Kinder. Das ist leider in vielen Fällen nicht so, denn eine artgerechte Haltung muss gewährleistet sein. Wenn dies möglich ist, und die Eltern kleineren Kindern beibringen, dass es sich nicht um Plüschtiere, sondern um fühlende Lebewesen handelt, dann ist gegen die Haltung nichts einzuwenden. Das bestätigt auch unsere Tierärztin Dr. Inga Vetrella-Paare. Die Fachtierärztin für Klein- und Heimtiere ist davon überzeugt, dass Kinder mit elterlicher Unterstützung die notwendigen Aufgaben meistern können. „Es spricht also nichts dagegen, dass ein Kind diese wunderbaren Tiere hält“, sagt sie. Dabei erleben und erlernen Kinder dann Verantwortungsbewusstsein und Sorgfalt im Umgang mit Lebewesen.

Mindestens zwei Kaninchen halten

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Kaninchen sollten nicht allein gehalten werden. Sie sind sehr sozial. Foto: pixabay

Durch ihre seitlichen Augen haben Kaninchen einen guten Rundblick, ihr räumliches Sehen ist allerdings nicht so gut. Dafür sehen sie in der Dämmerung besser als Menschen, und sie können sehr gut hören und riechen. Nicht alle Kaninchen lassen sich gern hochheben und umhertragen. Sie strampeln dann, möglicherweise kratzen sie auch. Wenn ein Kaninchen hochgehoben werden muss, sollte man einen Tragegriff anwenden, bei dem man mit beiden Händen Rumpf, Hinterbeine und den Brustkorb abstützt. Ebenso lassen sich nicht alle Kaninchen gern streicheln, aber sie zeigen dann durch Wegschieben der Hand, dass sie genug haben. Besonders wenn sie neu in der Familie sind, sollte man ihnen die Zeit geben, sich an die neue Umgebung zu gewöhnen. Bevor sich das Tier vertrauensvoll nähert, können übrigens Wochen vergehen. Um das Kennenlernen zu erleichtern, kann man sich zu dem Tier auf den Boden setzen und Leckerli oder eine Möhre zum Knabbern anbieten.
„Am Abend und am frühen Morgen sind Kaninchen munterer als am Tag!“, klärt Dr. Vetrella-Paare über eine Besonderheit auf, die die Halter vor der Anschaffung wissen müssen. Zudem ist es wichtig, dass man nicht nur ein einziges Kaninchen hält. „Kaninchen sind soziale Tiere, sie müssen mindestens zu Zweit gehalten werden“. Und auch die gemeinsame Haltung von Meerschweinchen und Kaninchen sei möglich: „Aber dann muss jedes Tier jeweils einen Partner der selben Spezies haben“. Während Meerschweinchen vier bis acht Jahre alt werden, können Kaninchen sogar sieben bis 12 Jahre leben. Auch das sollte bei der Anschaffung bedacht werden. „Wenn man weibliche und männliche Tiere zusammen hält, ist es empfehlenswert, eines davon kastrieren zu lassen, um nicht unkontrolliert Nachkommen zu bekommen. Manchmal werden weibliche Kaninchen im Alter aufgrund von zystischen (blasigen) Veränderungen der Gebärmutter aggressiv. In diesen Falle sollte man das weibliche Tier kastrieren“, klärt Vetrella-Paare auf und ergänzt: „Wenn man männliche nicht kastrierte Tiere zusammen hält, führt das zu ständigen Rangordnungskämpfen“. Wer schon mal Kaninchen beobachtet hat, staunte vielleicht, dass die Tiere ihren eigenen Kot fressen. Dafür gibt es eine Erklärung: „Im Blinddarm erfolgt der Aufschluss der Rohfasern der Nahrung.  Um diesen besonders vitaminreichen Nahrungsbrei auszunutzen, fressen die Kaninchen den Blinddarmstuhl.“ Hätten Sie’s gewusst?

Kaninchen brauchen Auslauf

Kaninchen sind sehr saubere Tiere – die in der Regel sogar aufs „Kaninchenklo“ gehen. Die Fellpflege ist relativ einfach: Ab und zu sollte man bei langhaarigen Tieren kontrollieren, dass es keine verfilzten Haarstellen gibt. Ansonsten reicht es, wenn man sie ab und zu bürstet.  Zweimal im Jahr wechseln Kaninchen ihr Fell. Die Futtergefäße, die Heuraufe und die Tränke müssen  regelmäßig und gründlich gereinigt werden, ebenso das Gehege oder der Käfig. Das Kaninchenklo sollte mit kaninchenverträglicher Streu ausgestattet sein. Hier ist Hygiene für die Tiere besonders wichtig, eine tägliche Reinigung sollte selbstverständlich sein.

Das Gehege oder der Käfig darf nicht der alleinige Lebensraum sein, die Tiere brauchen ausreichend Platz und viel Auslauf.  „Zwei Kaninchen brauchen mindestens drei bis vier Quadratmeter Platz“, weiß die Tierärztin. Eine Haltung in der Wohnung in entsprechenden Gehegen – am besten mit Möglichkeiten zum Verstecken – ist möglich, wenn die Tiere, die gern rennen und Haken schlagen, Auslauf bekommen. „Idealerweise sollte es eine Auslaufmöglichkeit geben – am besten im Garten. Kaninchen buddeln auch sehr gern!“
Kaninchen reagieren sensibel auf Lärm, ihr Gehege sollte in einer ruhigen Ecke stehen. Auch Zugluft ist nicht gut für die kuschligen Gesellen – Schnupfen oder andere Erkältungskrankheiten können die Folge sein. Und: Kaninchen knabbern sehr gern! Und werden – wenn man nicht aufpasst, ganz sicher Schränke, Tische, Kabel, Tapeten oder auch die Zimmerpflanzen anknabbern. Das ist nicht nur für den Halter ärgerlich, die Tiere können sich verletzen oder gar vergiften, beispielsweise an bestimmten Zimmerpflanzen. Wenn man aber den Tieren ausreichend Beschäftigung, Platz zum Rennen, Haken schlagen und Buddeln gibt, sind Kaninchen nicht aggressiv, sondern man wird mit putzigen, ausgeglichenen Tierchen belohnt.

Vielfältiges Futter

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Kaninchen lieben frisches Gemüse. Foto: pixabay

Kaninchen sind – obwohl sie gern knabbern – keine Nagetiere. Sie brauchen Heu (Raufutter), Frischfutter, Grünfutter, Blätter, Blüten, Stiele, Nagematerial und frisches Wasser. Brot übrigens ist kein Futter, Kaninchen brauchen überhaupt kein getreidehaltiges Futter. Heu muss permanent angeboten werden, weil die Kaninchen damit ihre Verdauung in Schwung halten.
Das Frischfutter (ca. 100 Gramm pro Kilogramm Kaninchengewicht) setzt sich aus etwas Obst und einem höheren Anteil Gemüse zusammen. Das kann Blumenkohl, Feldsalat, Gurke, Sellerie, Fenchel, Chicorée oder Brokkoli sein. Kein verantwortungsvoller Halter verfüttert angegammeltes Gemüse! Verwelktes Futter kann zu einer Aufgasung des Darms der Kaninchen führen. Ein Apfel oder anderes Obst ergänzt das Angebot beim Frischfutter. Zuviel Obst ist ungeeignet, der da steckt viel Zucker drin, eine mögliche Folge wäre Übergewicht. Grünfutter kommt von den Pflanzen, die auf Wiesen wachsen. Wer das selbst sammelt, sollte aufpassen, keine giftigen Pflanzen beizumischen. Zweige oder Äste als Nagematerial sorgt nicht nur für eine schöne Beschäftigung der Tiere, es wirkt gleichzeitig als Zahnpflege. Die Zähne wachsen ja beim Kaninchen ein Leben lang. Wer sich unsicher ist, was gefüttert werden darf und was nicht und zu den im Handel erhältlichen Fertigfuttermischungen sollte man sich zuvor beim Tierarzt beraten lassen, das gilt auch für gesunde Leckerli.

Kaninchen werden geimpft gegen RHD – die so genannte Chinaseuche, die allerdings auf Menschen nicht übertragbar ist. Für die Tiere ist RHD eine der gefährlichen Erkrankungen, die jeder Kaninchenhalter kennen sollte. „Beispielsweise auf Ausstellungen oder über Grünfutter kann die RHD übertragen werden“, informiert unsere Tierärztin über die Kaninchenkrankheit, bei der das Tier Fieber und Atembeschwerden bekommt. Sehr oft ist diese Krankheit tödlich. Ebenso die Myxomatose, die über Stechmücken übertragen wird. Dabei gibt es Schwellungen an der Ohrbais und pockenartige Knoten. Auch die Myxomatose endet meist mit dem Tod des Tieres.

Unser monatlicher Ratgeber wird präsentiert von der Tierarztpraxis in den Havelauen. Auf der Seite von Dr. Inga Vetrella-Paare finden Sie auch die anderen Tierratgeber zum Nachlesen.