Ratgeber Tiere (5): Zahnpflege & Hitze

Werder (Havel), 21. Juli 2016 – Wenn der Hund furchtbar aus dem Maul riecht, ist es schon fast zu spät. Denn dann wurde aus anfänglichen Verfärbungen Zahnbelag und daraus entwickelt sich Zahnstein.
Zahnbelag – Plaque – ist die Ablagerung auf den Zähnen, die aus Futterresten, Speichel und Bakterien besteht. Wird dieser Zahnbelag, der noch recht weich ist, nicht konsequent und regelmäßig entfernt, entsteht daraus sehr schnell Zahnstein. Den kann man nicht mehr so einfach wegputzen. Und ist er erstmal da, kommt aufgrund der rauen Beschaffenheit immer neuer harter Belag dazu.
Das ist nicht nur wenig hübsch, wegen der Keime darin können Zahnfleischerkrankungen, Entzündungen oder sogar ganz andere Krankheiten entstehen.

Es gibt Hunde, die besonders von Zahnstein betroffen sind, wie Dr. Inga Vetrella-Paare, Tierärztin mit Praxissitz in den Havelauen, bestätigt: „Kleine Hunderassen sind häufiger als große Hunde von starkem Zahnstein betroffen.“

Sie gibt zu bedenken: „Zum einen ist es für den Besitzer unangenehm, wenn das Haustier starken Mundgeruch hat, zum anderen können sich unter dem Zahnstein vereiterte Zähne verstecken, die natürlich Schmerzen verursachen. Außerdem können die Keime aus der Maulhöhle auch Erkrankungen an den Herzklappen verursachen“.

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Wie erkennt man Zahnschmerzen beim Hund, fragten wir die Fachtierärztin für Klein- und Heimtiere. „Manche Hunde ändern ihr Fressverhalten oder haben eine Wesensveränderung. Da jedes Tier anders ist, kann sich das relativ frühzeitig bemerkbar machen oder auch erst wenn das Problem weit fortgeschritten ist“.

Neben der kontinuierlichen Reinigung der Zähne zuhause ist eine professionelle Zahnreinigung nur beim Tierarzt möglich. Warum ist das wichtig? Dr. Inga Vetrella-Paare: „Das ist im Prinzip ähnlich wie bei uns Menschen: regelmäßige Zahnpflege sorgt dafür, dass es gar nicht erst zu schlimmen Erkrankungen kommt. Je früher man bestehenden Zahnstein entfernt, desto weniger nehmen die Zähne und das Zahnfleisch Schaden“.

„Dabei bekommt“, wie sie informiert, „der Hund eine Vollnarkose und die Zähne werden mittels Ultraschall gereinigt. Anschließend polieren wir die Zähne, um deren Oberfläche so glatt wie möglich zu halten damit sich nicht gleich wieder neuer Zahnstein festsetzen kann“.

Zahnpflege beim Hund

Schon bei der Fütterung achten bewusste Tierhalter bei ihrem Tier darauf, dass es die Zahngesundheit fördert. Wie Dr. Vetrella-Paare sagt: „gibt es Futtermittel, die Zahnstein vorbeugen“. Da gibt es Futter, der beim Kauen einen mechanischer Reinigungseffekt bringt. Außerdem kennen wir verschiedenste Kauprodukte aus Büffelhaut.

Können Hunde dieses Zähneputzen überhaupt erdulden? „Wenn man es den Hunden schon als Welpe beibringt, kann man durchaus regelmäßig Zähne putzen. Geeignete Zahnbürste und Zahnpasta gibt es auch für Hunde“

Und wenn man das Tier frühzeitig an die Prozedur gewöhnt, kann das Zähneputzen spielerischer und gesundheitsfördernder Bestandteil des Tagesablaufes werden. Es gibt Zahnpasta in  verschiedenen Geschmacksrichtungen, unter anderem Leber, Fisch oder Hühnchen!

Und mit der entsprechenden Hundezahnbürste gehts dann los. Aber bitte den Hund langsam und in kleinen Schritten daran gewöhnen. Beginnen sollte man damit, ein paar Tage lang einfach nur die Lefzen zu heben. Immer schön loben. Die Zähne anzufassen und mit dem Finger darüber zu streichen wäre der nächste Schritt. Wieder loben, wenn das Tier sich das ohne Knurren gefallen lässt. Da die Zahnpasta für die Tiere eine leckere Angelegenheit und verschlucken nicht schlimm ist, putzt man beim nächsten Mal die Hundezähne mit dem Finger und ein bisschen Zahnpasta. Wie beim Menschen bitte „von rot nach weiß“, denn gerade auch das Zahnfleisch muss mit gereinigt werden. Wenn der Hund sich daran gewöhnt hat, kommt die Hundezahnbürste ins Spiel. Das Tier dabei und danach immer loben, aber das müssen wir Ihnen nicht sagen. Wenn Sie das geschafft haben und konsequent durchführen – herzlichen Glückwunsch, toller Hund!

Hitzschlag beim Hund

Hunde sind sehr hitzeempfindlich, sie dürfen keinesfalls im Auto gelassen werden. „Auch bei offenen Fenstern und im Schatten steigt die Temperatur im Auto dramatisch“, warnt Vetrella-Paare.

„Sollte es trotzdem zum Hitzeschlag kommen, ist es wichtig, dass das Tier so schnell wie möglich gekühlt wird, am besten mit einem Wasserschlauch. Wichtig ist es, einem Tierarzt aufzusuchen“.

Warum sind Hunde so hitzeempfindlich, wollten wir wissen. „Tiere sind genauso hitzeempfindlich wie wir. Aber im Unterschied zu uns haben sie keine Schweißdrüsen. Das bedeutet, dass sie die Körpertemperatur nicht regulieren können. Die Körpertemperatur kann nur durch Hecheln reguliert werden.“

Die meisten Hunde lieben Wasser. Manche aber eben nicht, wie können die sich eine Abkühlung bei heißen Temperaturen holen? Auch hier kann man vorsichtig beginnen, den Hund mit einer Sprühflasche mit kühlem, aber nicht eiskaltem Wasser zu besprühen. Wenn er das mag, kann man auch zum Gartenschlauch greifen. So gibt es eine spielerische Abkühlung zwischendurch.

Sonnenstich

Wo kann der passieren – auch beim Gassigehen? „Ja, bei hohen Temperaturen kann es auch beim Gassigehen passieren, das der Hund einen Hitzeschlag bekommt. Es sollte immer drauf geachtet werden, dass man die Hunde in den kühleren Stunden ausführt. Auch die Belagtemperatur der Straße oder Gehweg kann zu Pfotenverletzungen führen, also bitte immer kontrollieren, dass der Boden (Asphalt) nicht zu heiß ist“.

Insektenstiche

„Es ist wichtig, den Hund davon abzuhalten, nach Insekten zu schnappen. Es kann nach einem Insektenstich zu allergische Reaktionen kommen. Die können von einer leichten Schwellung bis zum anaphylaktischen Schock gehen. Also ist es bei Veränderungen der Haut – da wo gestochen wurde – immer ratsam, einen Tierarzt aufzusuchen“. Ein anaphylaktischer Schock, den nur der Tierarzt feststellen kann, ist allergische Überreaktion des Immunsystems.

Wenn es sich um einen Bienenstich handelt, sollte der Stachel mit einer Pinzette entfernt werden. Hornissen, Hummeln oder Wespen hinterlassen keinen Stachel.

Bedenken sollte man angesichts der Gefährdung nach einem Stich, ob es ratsam ist, Fangspiele mit Leckerlis zu machen. Denn dann schnappt der Hund genau so freudig nach Insekten – die Gefahr ist groß, dass ein Stich im Rachen fatale Folgen haben kann.