Rettet die Kitze! – Aktion auf Bauer Hintzes Wiese

Phantasievoll und nützlich: Von den Kindern gebastelte Scheuchen. Foto: wsw

Werder (Havel), 8. Juni 2017 – So viel hatten die Schülerinnen und Schüler der Karl-Hagemeister-Schule und der Schule am Plessower See bereits über die Gefahren gelernt, die den Rehkitzen bei der Mahd drohen. So haben sie auf ihren Schulhöfen am mobilen „Lernort Natur“ anschaulich gehört und erlebt, wie und wo die Tiere leben und warum sie geschützt werden müssen. Wir haben hier darüber berichtet. Die Rehe setzen ihre Kitze in das hohe Gras, während sie auf Futtersuche gehen. Die Kitze haben in diesem Alter noch keinen Fluchtreflex. So würden sie bei der Mahd verletzt oder getötet. Das gilt natürlich auch für andere Tiere in den Wiesen. Schon im vergangenen und auch in diesem Jahr engagiert sich die Werderaner Jägerin Silke Byl in verschiedenen Aktion dafür, diese Tiere zu retten. Ganz einfach, indem sie nach Absprache mit den Bauern mit möglichst vielen Menschen vor der Mahd an den Wiesen Lärm macht, Scheuchen aufstellt oder eben mit Schülergruppen die Wiesen abschreitet. Damit werden die Rehe animiert, ihre Kitze aus den Wiesen zu führen. Die Gefahr ist gebannt.

Gestern war es nun endlich soweit: Schülerinnen und Schüler der beiden Schulen waren in den Wiesen. Die Schirmherrin der Aktion, Saskia Ludwig, begrüßte die Kinder in Kemnitz an der Bushaltestelle. „Ich finde das Engagement der Schülerinnen und Schüler für den Naturschutz großartig“, lobte die Bundestagskandidatin.

Saskia Ludwig mit den Schülerinnen und Schülern. Foto: wsw
Saskia Ludwig und die Initiatorin der Aktion, Silke Byl. Foto: wsw

Mit dem regiobus Potsdam-Mittelmark und dem freundlichen Busfahrer Herrn Petrov, der die Kinder über die Bushaltestelle hinaus bis fast an den Wiesenrand fuhr, ging es in die Natur. Bauer Marco Hintze – ein Bauer aus Krielow erwartete die Truppe bereits und erklärte den Kindern, warum die Aktion auch aus der Sicht der Bauern so wichtig ist: „Es geht ja nicht nur um das Leben und die Gesundheit der kleinen Tiere. Das Heu wäre außerdem unbrauchbar, wenn es einen ‚Unfall‘ mit Tieren gibt“. Hintze ist engagierter Chef eines Landwirtschaftsbetriebes, der sich der artgerechten Haltung verschrieben hat. Die erklärte er den Kindern natürlich auch: „Unsere Tiere werden ausschließlich direkt und regional vermarktet. Das heißt, wir nehmen so lange Bestellungen an, bis die komplette Verwertung eines Rindes gesichert ist. Erst dann wird es geschlachtet. Das Fleisch ist so lecker, weil unsere Tiere von April bis November auf saftigen Weiden stehen. Im Winter sind die Rinder im Stall – als Gruppe. Medikamente gibt es übrigens nicht und zu fressen gibt es ausschließlich Futtermittel aus eigenem Anbau und eigener Produktion. Jetzt wisst Ihr das auch –  ein bisschen Werbung in eigener Sache darf sein“, beendet Hintze seinen kleinen Vortrag.

Busfahrer Petrov. Foto: wsw
Bauer Marco Hintze. Foto: wsw

Motiviert ging es in die Wiese, die Bauer Hintze demnächst mähen möchte. In einer langen Schlange, ein Flatterband haltend und mit kleinen Schritten ging es los. Und es dauerte keine 20 Minuten – da war sicher, dass es auf dieser Wiese keine Rehkitze gab. Vielleicht wurde die Ricken schon durch die zuvor angebrachten Scheuchen animiert, ihre Kitze in Sicherheit zu bringen. Die Scheuchen wurden phantasievoll auch von den Kindern gebastelt und sogar mit Namen versehen. Auch die nächste kleine Wiese war frei – Bauer Hintze kann seinen Job machen. Die Kinder – glücklich und zufrieden von dieser willkommenen Abwechslung vom Schulalltag bekamen von Jägerin Silke Byl noch ein kleines Frühstück am Feldrand und dann ging es zurück nach Hause. (low)


Eine gelungene Aktion – die mit Erwachsenen und Kindern fortgeführt wird. Wer in den nächsten Tagen mithelfen möchte, Kitze zu retten, meldet sich bei Silke Byl per E-Mail: silke.byl@gmail.com oder unter 0152 04363306. 

Wer kommt mit mir mit? - Alle wollen mit … Foto: wsw
Immer schon am Band bleiben. Foto: wsw
Mit kleinen Schritten in die Wiese. Foto: wsw