Rotarier gedenken der Opfer des Stasi-Regimes

Werder (Havel), 9. November 2017 – An ein unvorstellbar düsteres Kapitel aus Werders Geschichte erinnerten die Mitglieder des Werderaner Rotary Clubs gestern mit einer Kranzniederlegung an der Gedenkstätte der Heilig Geist Kirche auf der Insel. „Es ist Teil unsere Geschichte und darf nicht in Vergessenheit geraten“, sind sich die Mitglieder einig. Denn geschwiegen werden musste lange genug – in der DDR-Zeit.

Die Rede ist von den sieben Jugendlichen, die Anfang der 50er Jahre in Moskau hingerichtet worden sind – per Genickschuss. Diese und weitere Lehrlinge und Studenten aus Werder und Umgebung dachten nach dem Krieg, dass es jetzt mit der Demokratie, mit der Freiheit und vor allem mit Gerechtigkeit losgeht. Doch statt dessen gab es vonseiten des Staates wieder die Forderung nach unbedingter politischer Linientreue und eine Diktatur, der sie sich nicht unterwerfen wollten. Aus einem anfangs spontanen Widerstand gegen die Einsetzung linientreuer Lehrer entwickelte sich gezielter Widerstand, beispielsweise gegen die bevorstehenden Wahlen. Die jungen Männer und Frauen verteilten Flugblätter, später arbeiteten einige von ihnen sogar mit „Spionen“ aus dem Westen zusammen, waren jung und teilweise naiv und handelten oft unbedacht. Zudem wurde ihre Gruppe von der Stasi unterwandert.

24 junge Leute aus Werder und Umgebung wurden von der Stasi verhaftet, ins Stasi-Gefängnis Potsdam gebracht. Später wurden die Häftlinge aufgeteilt. Ein Teil verblieb in Stasihaft, ein anderer Teil wurde an die Sowjets übergeben. Sieben junge Frauen und Männer im Alter zwischen 20 und 24 Jahren wurden vom Militärtribunal zum Tode wegen Spionage verurteilt und erschossen. Weitere junge Werderaner wurden zur Lagerhaft in Sibirien verurteilt, andere mussten ins Zuchthaus.

Die Werderaner SPD-Fraktionsvorsitzende Anja Spiegel hat mit ihrem Buch „Die Stasi kam im Morgengrauen“ den Leidensweg der Werderaner Gruppe aufgeschrieben. Das Buch erschien 2002.
Auch der in Damsdorf geborene Sigurd Blümcke  berichtet in seinem berührenden Tatsachenbericht „Wir liebten nur einen Sommer“  aus seiner Jugend in Werder (Havel) und von diesem Widerstand seiner Freunde gegen SED-Parteiparolen und sowjetische Besatzungsmacht in den fünziger Jahren. Wir haben hier darüber berichtet.
Ihm gelang damals die Flucht in den Westen, er konnte sich ein erfolgreiches Leben aufbauen. Doch seine Erlebnisse und Erinnerungen ließen ihn nicht los. Er schrieb sie nach mehr als einem halben Jahrhundert auf. Auch – um den nachfolgenden Generationen zu vermitteln, dass man diese Geschehnisse nie vergessen darf. (red)