Vor dem Pressen werden die Äpfel zerkleinert.

Werder (Havel), 23. August 2016 – Angelika Thierschmann hat kaum Zeit, den Kopf zu heben – aber sie lächelt. In der Lohnmosterei Thierschmann in der Plötziner Chaussee 1a läuft die Produktion auf Hochtouren. Fast alle Familienmitglieder sind beschäftigt, die Handgriffe sitzen, hier arbeitet ein eingespieltes Team. Im Hintergrund läuft ein Radio, es duftet nach Apfel.

„Wir sind die einzige Mosterei, die auch die Sommeräpfel verarbeitet“, erklärt Angelika Thierschmann den Andrang, noch bevor die eigentliche Apfelernte in unserer Gegend beginnt. Die aber soll in diesem Jahr eine ganz besonders gute werden, wie von den Obstbauern vorhergesagt wird. Die gesunde Frucht wird hier im Land Brandenburg auf über 800 Hektar Apfelanlagen geerntet. Auch in Werder (Havel) und dem Umland gedeihen viele Äpfel, was für Thierschmanns eine Menge Arbeit bedeutet. Denn auch viele Privatleute lassen hier ihre Ernte zu leckerem Saft verarbeiten.

„Die Mindestabnahme sind 60 Kilogramm“, erklärt Angelika Thierschmann. Aus 100 Kilogramm Äpfel werden dann rund 70 Liter Saft. Und Tochter Tamara, Werders Blütenkönigin 2015/16, ergänzt: „Man sollte unbedingt vorher anrufen und einen Termin vereinbaren“.
Ihr Tipp: „Erst ernten, wenn man einen Termin hat, dann sind die Äpfel schön frisch. Momentan sollte man sich auf ein bis zwei Wochen Wartezeit einrichten“. Denn der Saft ist immer nur so gut wie die Äpfel, aus denen er gepresst wird. Bei Thierschmanns gibt es 100 Prozent Natur – weder Zucker, irgendwelche Chemie, Konzentrate oder Wasser werden hinzugefügt. Wer also in seinem heimischen Garten ohne Chemie arbeitet, erhält ebenso chemiefreien Saft.

So viel Arbeit gibt es hier in der Plötziner Chaussee 1a, dass die mobile Mosterei kaum noch auf Tour geht. „Wir haben einen Termin am Wildgehege Glauer Tal, den machen wir seit vielen Jahren und auch wieder in diesem September“, erzählt Angelika, während ihre flinken Hände weiter arbeiten. „Als wir dort das erste Mal waren, um die Äpfel von den Baumpaten dort zu pressen, gab es uns und ein Zelt. Inzwischen ist das ein richtiges Volksfest geworden – mit vielen Ständen, vielen Gästen und verschiedensten Angeboten. Ein Schäfer kommt auch immer, der bekommt für seine Schafe den Trester“. Eine schöne Tradition, mit der sie nicht brechen möchte, auch wenn der Aufwand für die Fahrt und den Aufbau recht hoch ist.

Zur neuen Saison gibt es einen neuen kleinen Hofladen – dort stellt Angelika Thierschmann voller Stolz an einer Schaufensterpuppe das schöne Königinnen-Kleid ihrer Tochter Tamara aus. Zudem gibt es dort unter anderem verschiedene Säfte aus der eigenen Produktion, hausgemachte Obstweine, Honig von der Imkerin Simone Harder, Fruchtaufstriche von Claudia Jessen, das Werderaner Kinderbuch „Die Abenteuer von Moppel und Mücke“ von Christine Pohl und auch die praktischen Saftständer für die „Bag in Box“-Systemverpackungen.

Die Säfte gibt es nämlich in Flaschen oder den beliebten fünf oder zehn Liter fassenden „Bag in Box“-Verpackungen. In diesen Pappboxen lagern die mit Saft gefüllten Innenbeutel, Bags genannt. Daraus kann man den Saft tropffrei „zapfen“, ein Hahn ist gleich dran. Durch die spezielle Bauweise kommt keine Luft in den Beutel, so ist der Saft lange haltbar. Das praktische und ökologische an diesem System: Die Box ist mehrfach verwendbar. Beim nächsten Mal kauft man einfach nur noch die Bags. Und wenn man einen Saftständer hat, dann holt man wirklich auch noch den letzten leckeren Tropfen Saft aus dem Innenbeutel.

Den Duft der Äpfel nimmt Angelika Thierschmann in der Produktionshalle kaum noch wahr. „Wenn die Saison beginnt und ich den ersten Tag in der Mosterei bin, dann rieche ich das noch. Aber schon nach ein, zwei Stunden ist das vorbei“, lächelt sie. Und hat schon wieder die nächste Runde an der Presse vor sich. Die wird mit Starkstrom betrieben, der Heizkessel für das Erhitzen wird mit Flüssiggas auf die nötige und dann konstante Temperatur gebracht.

Denn nur mit Hitze können die Säfte keimfrei und somit lange haltbar gemacht werden. Bei der Pasteurisierung werden die Rohstoffe kurz und schonend auf mindestens 78 Grad Celsius erhitzt. Dabei bleiben der leckere Geschmack und auch die wertvollen Inhaltsstoffe erhalten, die Bakterien jedoch überleben das nicht, auch Gärungsprozesse können nicht beginnen. Ohne Pause kommt der heiße Most in saubere Flaschen. Derart keimfrei bleibt der Saft dann lange haltbar.

Wer übrigens keine eigenen Äpfel oder andere Früchte wie beispielsweise Erdbeeren, Quitten, Birnen oder Kirschen hat, muss natürlich nicht auf Saft verzichten – im neuen Hofladen gibt es Saft von Früchten, die Thierschmanns ausschließlich bei Obstbauern aus der Region kaufen und dann für den Verkauf auf dem Hof traditionell pressen. Alle Informationen und Preislisten gibt es auf der Internetseite der Lohnmosterei Thierschmann.

Wer sich mit seinen Äpfeln in der Lohnmosterei Thierschmann anmelden möchte, kann das unter 0177 4027251 oder 033207 784087 machen. In diesen Tagen kann es dann passieren, dass man mit unserer ehemaligen Baumblütenkönigin Tamara Thierschmann spricht. Die hilft hier und da ein Stündchen im Betrieb beim Telefondienst aus. Es ist einfach viel zu tun in der Apfelsaison in der der Lohnmosterei Thierschmann!