Schädling bedroht Sonnenblumen in Werder (Havel)

Nicht leicht zu erkennen: Die erwachsenen Fliegen sind höchstens sechs Millimeter groß. Ihr Körper ist rötlich-braun bis orange. Foto: LELF Brandenburg

Werder (Havel), 20. Oktober 2016 – In einem Gartenbaubetrieb in Werder (Havel) ist die Sonnenblumenfruchtfliege nachgewiesen worden. Dieser Schädling kann in der Landwirtschaft große Schäden anrichten – hat aber auch Auswirkungen auf die Sonnenblumen, die in privaten Gärten stehen. Denn es davon auszugehen, dass dieser Schädling im ganzen Stadtgebiet auftreten kann. 

Das Landesamt für Ländliche Entwicklung (LELF) in Brandenburg und die Stadt Werder (Havel) warnen in einer Pressemitteilung vor diesem Schädling. Bei einer landesweiten Erhebung ist in einem Gartenbaubetrieb in Werder (Havel) die Sonnenblumenfruchtfliege nachgewiesen worden. Das LELF geht davon aus, dass dieser Quarantäne-Schädling im ganzen Stadtgebiet auftreten kann. In einer Risikoanalyse des Julius-Kühn-Instituts wird von Ertragsausfällen von nahezu 40 Prozent im landwirtschaftlichen Sonnenblumenanbau berichtet.

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In der Brandenburger Landwirtschaft spielt die Sonnenblume eine nicht zu unterschätzende Rolle, wie es aus dem LELF heißt: Auf etwa 10.000 Hektar werden Sonnenblumen angebaut, das ist die Hälfe der gesamten deutschen Anbaufläche. Außerdem findet man die Sonnenblume in vielen gärtnerischen Betrieben als Schnittblume, auf Feldern zur Selbstpflücke, als Zierpflanze in Haus- und Kleingärten oder in Parkanlagen. Von der Sonnenblumenfruchtfliege ist zudem auch Topinambur betroffen.

Wo die Sonnenblumenfruchtfliege auftritt, sollten jetzt im Herbst im Landwirtschaftsbereich die Pflanzenteile zerkleinert und flach in den Boden eingearbeitet, also geschlegelt und gemulcht werden. Kahlfröste können dazu führen, dass die Puppen absterben. Ab März empfiehlt das LELF zu pflügen. Durch die wendende Bodenbearbeitung werden die Puppen in eine Tiefe von mehr als 20 Zentimeter gebracht. Die junge Fliege muss die Bodenschicht bis zur Oberfläche durchwandern, dabei werden die noch zarten Flügel zerstört und eine Besiedlung der Sonnenblumen unmöglich gemacht.

Für den Zierpflanzenanbau sowie für Haus- und Kleingärten lautet die erste Wahl, die Pflanzenreste zu verbrennen oder in die Mülltonne zu entsorgen. Alternativ zum Verbrennen wird wie in der Landwirtschaft empfohlen, den Boden erst im Frühjahr umzugraben und Wurzelreste dann mindestens 20 Zentimeter tief zu verbuddeln oder entsprechend tief zu kompostieren. Weder Sonnenblumenpflanzen noch das Substrat der Pflanzen dürfen in befallsfreie Gebiete verbracht werden.

Wie erkennt man den Schädling?

Der Befall durch Sonnenblumenfruchtfliegen ist nicht ganz einfach zu erkennen. Die erwachsenen Fliegen sind höchstens sechs Millimeter groß. Ihr Körper ist rötlich-braun bis orange. Die Larven, typische Fliegenmaden, sind in ihrem letzten Stadium gelblich-weiß und bis zu sieben Millimeter lang. Ausbohrlöcher am äußeren Stängel müssen nicht durch „Strauzia longipennis“ verursacht sein. Ob es einen Befall gibt, kann eher mit einem Schnitt durch den Stängel überprüft werden: Gibt es Bohrlöcher oder Fraßgänge im Stängel, handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um Fraßgänge der Larve der Sonnenblumenfruchtfliege, die auch das komplette Mark zerstören kann.

Am besten aber erkennt man den Befall durch im Gartenmarkt erhältliche Gelbtafeln, die im Juni-Juli aufgehängt werden sollten. Damit kann nicht nur der Schädling nachgewiesen werden, bei kleinen Flächen taugt die Methode auch zu Schädlingsbekämpfung: Die Fliegen werden an den Fallen gefangen und sterben.

Vor einigen Jahren war in Berlin erstmals die Sonnenblumenfruchtfliege, die aus Nordamerika eingeschleppt wurde, in einem Privatgarten nachgewiesen worden. Daraufhin wurde ein landesweites Monitoring in Brandenburg durch das LELF initiiert, bei dem der Quarantäne-Schädling zunächst auf einem Feld in Teltow-Fläming nachgewiesen wurde. Das Monitoring wurde seitdem fortgesetzt.

Befall muss gemeldet werden

In diesem Jahr trat die Sonnenblumenfruchtfliege bei den bis September andauernden Erhebungen außer in Werder (Havel) unter anderem in Potsdam, im Raum Zossen, in Baruth, Mittenwalde und Netzen bei Kloster Lehnin auf. Meldungen über das Auftreten in anderen Gebieten sind an den Pflanzenschutzdienst des Landes in Frankfurt (Oder), Tel. (033 702) 211 3692 oder E-Mail an pflanzengesundheitsdienst@lelf.brandenburg.de, zu richten. (red)