Schätze von Hagemeister

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Werder (Havel), 19. März 2018 – Noch bis zum kommenden Sonntag sind im Café Hagemeister auf zwei Etagen 19 bemerkenswerte Bilder des berühmten Werderschen Malers Karl Hagemeister zu sehen. Die Ausstellung, die die beiden Inhaberinnen Liane Schulz und Tochter Julia Belß mit Unterstützung von Dr. Hendrikje Warmt innerhalb weniger Wochen organisiert haben, ist beachtlich. Hendrikje Warmt ist Hagemeister-Kennerin, Kunsthistorikerin und Autorin des vielbeachteten Werksverzeichnisses des Künstlers. Bewundert werden können zu den Öffnungszeiten des Cafés in der Baderstraße sogar Werke, die noch nie öffentlich gezeigt wurden und nach den Aufrufen in der Presse und wirsindwerder.de von den Besitzern ins Café gebracht wurden.

Liane Schulz und Julia Belß servieren seit der Eröffnung ihres gastlichen Ortes ihre selbstgebackenen Kuchen und Kaffeespezialitäten unter ihrem eigenen großformatigen Hagemeister-Gemälde. Die Erinnerung an den Wegbereiter der modernen Landschaftsmalerei wach zu halten war ist die Intention der engagierten Frauen. „Unser Café ist eine dauerhafte Reminiszenz an Hagemeister“. Eine Ausstellung ist freilich Neuland für sie – und überaus gelungen! Große Aufmerksamkeit und viele Gäste, darunter viele Kunstexperten und -sammler, hatte die Eröffnung am vergangenen Wochenende, bei der Jutta Götzmann, die Direktorin des Potsdam Museums, eine Ausstellung des Künstlers 2020 in der Landeshauptstadt ankündigte. Bürgermeisterin Manuela Saß lobte die Pläne und erklärte ihre Bereitschaft, die Schirmherrschaft zu übernehmen. „Eine schöne Möglichkeit der beiden Städte, nachbarschaftlich gut zusammen zu arbeiten und Hagemeister einem noch größeren Publikum näher zu bringen“.

Hagemeister – übrigens Ehrenbürger der Stadt Werder (Havel), der Zeit seines Lebens bescheiden und im Einklang mit der Natur lebte, hätte auf jeden Fall seine Freude an dieser Ausstellung gehabt, vermutete Hendrikje Warmt in ihren einführenden Worten im „Hagemeister“. Der Maler hätte sicher gern unter seinen Bildern einen Kaffee getrunken – er sei nämlich ein großer Freund eines starken Kaffees gewesen.
„Hagemeister hat Interesse verdient, sein Vermächtnis ist nicht hoch genug einzuschätzen“, betonte sie und verweist auf den hervorragenden Querschnitt seines Schaffens bei dieser Ausstellung. „Öl, Pastell und Kreide – und es sind alles Originale“, bestätigt sie die Echtheit der Werke und bezeichnet sich selbst scherzhaft als „Hagemeister-Polizistin“. Schließlich gäbe es immer mehr Fälschungen des inzwischen viel beachteten Impressionisten, von dem es heißt, er hätte seinerzeit auch schon mal mit seinen Bildern bezahlt.

Die Natur und das immer wechselnde Licht liebte er über alles, nach seinen Vorbildern, den französischen Landschaftsmalern, hat er die Natur unverfälscht dargestellt, in einem dauernden Selbstfindungsprozess versucht, seine eigene Formsprache zu finden. „Er rang ein Leben lang um Farbe und Form“, so Warmt, deren Werksverzeichnis leider nicht mehr zu haben ist, eine Neuauflage wäre schon allein deshalb wünschenswert, weil sie immer weiter forscht und viele Ergänzungen zu den bislang knapp 600 verzeichneten Werke habe. Hagemeister hätte, so berichtet sie, hätte gern sitzend im Kahn vom Wasser aus gemalt. Eine frühkindliche Prägung, sein Vater hat den jungen Karl immer mit auf die Havel und auf den Schwielowsee zum Fischen mitgenommen. Karl Hagemeister war zwar Sohn eines Obstzüchters, er wollte jedoch nie „Obstmucker“ werden, sondern Lehrer oder Maler. Der Maler Hagemeister erwies sich später aber auch als guter Jäger. Unterwegs war er zu allen Jahreszeiten – kein Wetter hielt ihn vom Malen in der Natur ab.

Vermutet wird, dass sich an Wohnzimmerwänden, auf Dachböden oder Kellern in unserer Region noch viele Werke des fleißigen Malers befinden – für das Werksverzeichnis wären sie eine Bereicherung. Auch ein Hagemeister-Nachkomme, der in Werder im Geburtshaus des Malers wohnt – Hagemeister hatte keine Kinder – besuchte die Vernissage. Wolfgang Müller hat auch zu der Ausstellung beitragen – er erbte einige Werke des berühmten Verwandten.

In unserer Stadt gibt es noch einen weiteren Hagemeister zu sehen. In der Sparkasse hängt eine Dauerleihgabe der Stadt Werder (Havel).
Wie Walter Kassin am Rande der Vernissage berichtete, hing es in seinem Büro in der Stadtverwaltung in der Eisenbahnstraße. „Irgendwann kurz nach der Wende kam eine ältere Dame zu mir – wie sich herausstellte, eine Familienangehörige des Hauses Luck. Sie schaute sich um und sagte mit Blick auf ein großes Bild: „Das hängt ja noch an der gleichen Stelle“ und wollte von mir wissen, ob denn das Haus gut gesichert sei.“

Nicht wissend, um was für ein wertvolles Werk es sich handelt, sollte das Bild damals sogar schon mal für 100 Mark verkauft werden, erinnert sich Kassin. Das hatte zum Glück die damalige Kulturchefin Gabriele Görrissen mit den klaren Worten „Das Bild bleibt im Haus!“ verhindert. Nach dem Besuch der Dame ließ der damalige Bürgermeister Werner Große eine Holzkiste zimmern, um das Werk gut zu verstauen. In der Sparkasse hängt der Hagemeister jedenfalls sicher. (wsw)