Schmierereien an der Strengbrücke

Nicht einzigartig, nicht innovativ, nicht künstlerisch wertvoll und schon gar nicht ästhetisch. Die Graffiti an der Strenggrabenbrücke sind schlicht Schmierereien.

In der jüngsten Stadtverordnetenversammlung ging es in einer Stellungnahme des Werderaner Tiefbauamtes auch um die Bitte, sich um die Entfernung der Graffiti an der Strenggrabenbrücke an der B1 zu kümmern. Wie Werders Fachbereichsleiter Ralf Schwarzer mitteilte, liegt die Zuständigkeit für die Brücke jedoch beim Landesbetrieb für Straßenwesen Brandenburg.

Und nicht nur der Anblick der wenig kunstvollen Schmierereien ist ärgerlich. Wie Dr. Cornelia Mitschka, Sprecherin des Landesbetriebes Straßenwesen Brandenburg, gegenüber wirsindwerder.de bestätigte, erschweren die Graffiti an Bauwerken auch die regelmäßig durchzuführenden Bauwerksbesichtigungen und -prüfungen, „weil z. B. Risse, Abplatzungen, Farbveränderungen etc. nicht mehr so leicht erkannt werden können. Aus diesem Grund sind auch ‚künstlerisch gestaltete‘ Graffiti aus der Sicht des Baulastträgers wenig sinnvoll.“

Auch eine regelmäßige Beseitigung, so die Sprecherin weiter, ist wegen der großen Anzahl von Bauwerken in der Baulast des Landesbetriebes für Straßenwesen aus Kostengründen schlichtweg nicht möglich. „Rund dreißig Prozent sind mit Graffiti beschmiert, innerstädtisch oft noch mehr“. Allerdings würden Graffiti mit fremdenfeindlichen, faschistischen oder sexistischen Inhalten nach einer innerbetrieblichen Regelung schnellstmöglich beseitigt.

Leider gibt es für eine künstlerische Gestaltung – ähnlich wie die an einigen Trafostationen – kein Geld. Denn der Bund als Baulastträger der Bundesstraße 1 hat für derartige Projekte keine Finanzierung vorgesehen. „Die der Straßenbauverwaltung zugeteilten finanziellen Mittel sind zweckgebunden zu verwenden“, informiert Frau Mitschka.
„Zwar kam es in der Vergangenheit tatsächlich zu einem vergleichbaren Projekt (BAB-Brücke Ludwigsfelde), jedoch wurde hier seitens des Bundes nur ausnahmsweise zugestimmt, mit der Auflage, dass dem Baulastträger Bund keinerlei Kosten entstehen dürfen sowie die Pflege und Reinigung der Wandflächen der Kommune obliegen.“

Ist der Kampf gegen die Graffiti-Schmierereien ist also einer gegen die sprichwörtlichen Windmühlen? Laut Städte- und Gemeindebund werden mit Farben aus der Sprühdose Schäden von alljährlich deutschlandweit zwischen 200 und 400 Millionen Euro angerichtet. Frank Schmidt, Bereichsleiter des Landesbetriebes Straßenwesen in Michendorf, ist pessimistisch: „Dieser Kampf ist aussichtslos und nicht zu gewinnen“. Eine immer wiederkehrende Beseitigung ist auch nach seiner Ansicht kaum finanzierbar. „Sogar die Vorwegweiser an der B1 sind betroffen“.
Alle Sprayer sollten aber wissen, dass illegale Graffiti ein teures Vergnügen sein können. Der oder die Sprayer machen sich nicht nur strafbar, sondern verantworten schnell einen Schaden von mehreren Tausend Euro – wenn sie erwischt werden.

Weiterführende Informationen:
Innerhalb des Programms „Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes“ ist ein Faltblatt erschienen. Interessierte können es hier downloaden.
Das Faltblatt informiert Eltern und Erziehungsverantwortliche über das Phänomen illegaler Graffiti. Es beschreibt die Motivation von Sprayern, die möglichen zivilrechtlichen und strafrechtlichen Folgen des illegalen Sprayens sowie verschiedene Merkmale, an denen sich Sprayer oftmals erkennen lassen. Darüber hinaus enthält es Hinweise, wie Eltern ihren Kindern gegenüber auftreten sollten, wenn sie ein solches strafbares Verhalten ihres Kindes bemerken oder befürchten.