Spende für die Tee- und Wärmestube

Werder (Havel), 17. November 2016 – Auch in diesem Jahr verzichtet Werders Bürgermeisterin Manuela Saß darauf, Weihnachtskarten zu versenden. Die Ersparnisse spendete sie erneut der Tee- und Wärmestube. Überglücklich nahm die Leiterin Martina Müller den Scheck in Höhe von 250 Euro entgegen. Bei ihrem vorweihnachtlichem Besuch erfuhr die Bürgermeisterin auch vom defekten Wäschetrockner der Einrichtung in der Eisenbahnstraße 1. Spontan entschloss sie sich, auch noch einen neuen Wärmepumpen-Wäschetrockner zu schenken.

„In den nächsten Tagen wird hier der Weihnachtsmann vorbei kommen und den Trockner bringen“, sagte sie. Der Trockner läuft seit drei Jahren im Dauerbetrieb, sagt die Leiterin und langjährige sozialpädagogische Mitarbeiterin Martina Müller. Die Bedürftigen der Blütenstadt können hier auch ihre Wäsche waschen und trocken. Denn die Tee- und Wärmestube wird nicht nur ihrem Namen gerecht. Martina Müller, die seit dem Start vor 16 Jahren dabei ist, berichtet über ihre tägliche Arbeit, zu der auch zwei mal in der Woche die Ausgabe von Lebensmitteln der Tafel gehört. Die Discounter hier in Werder seien sehr großzügig, sagt sie und bedankt sich für die regelmäßigen Spenden. Aber auch bei ihren Mitarbeitern: „Ohne unsere teilweise langjährigen ehrenamtlichen Mitarbeiter könnten wir das alles nicht schaffen“.

Die Leiterin der Tee- und Wärmestube in Werder und zwei ihrer fleißigen Helferinnen.
Die Leiterin der Tee- und Wärmestube in Werder und zwei ihrer fleißigen Helferinnen.

Willkommen sind hier alle: Wohnungslose, von Obdachlosigkeit bedrohte oder aus der Haft entlassene Menschen, Arbeitslose oder Menschen in materieller Not oder mit persönlichen Problemen. Die können hier duschen, gegen einen kleinen Obolus Frühstück und Mittag essen, Kontakte knüpfen, Zeitungen oder Bücher lesen, fernsehen, Musik hören und den Computer benutzen. „Zur Tafelausgabe kommen Bedürftige nicht nur aus Werder sondern aus dem Umland bis kurz vor Brandenburg.

Die sozialpädagogischen Angebote sind niedrigschwellig aber erfolgreich, das geht bei der Hilfe zur Selbsthilfe los und endet noch lange nicht bei den Hilfen bei Ämterkontakten, dem Ausfüllen von Anträgen oder der Hilfestellung bei der Wohnungs- und Arbeitsplatzsuche. „Wichtig ist auch, immer offen zu sein und einfach mal zuzuhören. Viele Menschen kommen  mit ihren Sorgen und Nöten schon seit Jahren her, man kennt sich, man kennt die Probleme“, weiß Martina Müller. Da geht viel über das Zwischenmenschliche. Das kann Martina Müller, die ein großes Herz und dazu die fachliche Kompetenz hat. Es kommen regelmäßig auch viele Kinder her. „Und mit denen backen wir am 14. Dezember Weihnachtsplätzchen“, kündigt sie ein lustiges Treiben in der neuen Küche der Tee- und Wärmestube an.

Die Plätzchen werden dann bei der Weihnachtsfeier am 23. Dezember vernascht. „Das wird hier an unserem neuen Standort die erste Weihnachtsfeier sein“, freut sich Martina Müller. Gerade vor vier Wochen war die letzte Bauabnahme nach den zwei Jahre dauernden Umbauten in dem ehemaligen Obst- und Gemüselager auf dem Hof zwischen „NKD“ – da, wo früher „Pomona“ war und der ehemaligen „Ponybar“, wo jetzt die Apotheke drin ist. Auch Asylbewerber, so Martina Müller, kämen jetzt hierher und würden von allen freundlich aufgenommen. Sprachbarrieren würden schnell besonders von den Kindern überwunden.

Anlässlich der Scheckübergabe durch die Bürgermeisterin gab es in der Tee- und Wärmestube selbstgebackenen Apfelkuchen der neuen Mitarbeiterin Frau Abel.
Anlässlich der Scheckübergabe durch die Bürgermeisterin gab es in der Tee- und Wärmestube selbstgebackenen Apfelkuchen der neuen Mitarbeiterin Frau Abel.

Seit der Eröffnung im April 2014 hat sich in dem Zufluchtsort viel verändert. Eine neue Küche wurde eingebaut und auch die Ausgabe der Tafel ist jetzt noch praktischer geworden. Zur Erinnerung: Nachdem das Diakonische Werk Potsdam, ehemaliger Träger der Einrichtung, 2013 Insolvenz anmelden musste, war die Zukunft der Tee- und Wärmestube erst einmal ungewiss. Bis dahin hatte die Einrichtung ihren Standort nach dem Haus in Glindow in der Brandenburger Straße in Werder, aber auch dort musste sie raus.

Das Klinikum „Ernst von Bergmann“ beziehungsweise deren Ernst von Bergmann Sozial gGmbH hat die soziale Einrichtung aus der Insolvenzmasse der Diakonie übernommen und sichert jetzt in erfreulich guter Partnerschaft  die Angebote. Als dann endlich die Räumlichkeiten in der Eisenbahnstraße gefunden waren, musste saniert werden. Aber nun ist alles fertig. Theresa Decker, stellvertretende Pressesprecherin aus der Abteilung Marketing und Öffentlichkeitsarbeit des Ernst von Bergmann Klinikums betonte, dass es seit der vielleicht ungewöhnlich anmutenden Übernahme der Tee- und Wärmstube für ein Krankenhaus aber bereits sehr gute Synergien auch mit dem ebenfalls zum Bergmann gehörenden „Treffpunkt“ in Werder gäbe. „Die direkte Betreuung und die Zusammenarbeit ist sehr gut“, so Decker. Und Martina Müller ergänzt, dass sie sich besonders über die kurzen Wege freue, wenn sie mal einen Notfall hat, den es schnell medizinisch zu versorgen gilt.

„Wir sind mit der großartigen Unterstützung durch die Stadt überglücklich. Das Beste daran: In Notfällen kann ich die Bürgermeisterin anrufen und mir wird schnell und unbürokratisch geholfen!“ Auch die Zusammenarbeit mit der Ernst von Bergmann Sozial gGmbH und dem privaten Vermieter der Räumlichkeiten sei richtig gut. So entstand hier ein Zufluchtsort mit ganz besonderem Charme und großer Gemütlichkeit. Jeder sei willkommen, sich das mal anzuschauen und dabei auch gleich mögliche Hemmschwellen abzubauen. Auch viele Handwerker und privaten Spender sorgten dafür, so Martina Müller weiter, dass die Arbeit mit großer Kontinuität erfolgen könne. Aber immer weiter sind neue Spender willkommen. „Die Werderaner sind ein besonderes Völkchen“, schätzt sie mit einem Lächeln ein. „Aber man muss sie einfach nur ansprechen, dann helfen sie bereitwillig“.

„Ich bin froh, dass die Tee- und Wärmestube ihren Standort mitten im Herzen der Stadt erfolgreich etabliert hat. Seit 16 Jahren wird hier mit viel Liebe und Engagement soziale Arbeit geleistet. Dafür möchten wir uns bedanken“, sagt Manuela Saß zum Abschied. (low)