Tagung im Obstgarten von Potsdam und Berlin

Andrang bei der Apfelschau beim Publikumstag des Obstbausymposiums im Schützenhaus. Foto: hkx/Stadt Werder (Havel)

Werder (Havel), 5. November 2017 – Erfolgreich ist am Wochenende das Obstbausymposium im Schützenhaus veranstaltet worden. Rund 140 Besucher besuchten die Fachtagung und den Publikumstag.

Bürgermeisterin Manuela Saß sprach an beiden Tagen zu den Gästen. Sie sieht die Zukunft des Obstbaus in Werder (Havel) trotz vieler Probleme optimistisch. Es gebe es gute Gründe, positiv nach vorn zu schauen, auch wenn es Schwierigkeiten mit dem Klimawandel, beim Nachwuchs und mit dem Zustand des Brauchwasserwerks gibt. Der Bedarf an regionalem Obst und Gemüse sei groß. Es gebe Aktivitäten bei der Nachwuchsförderung und Signale aus den Obsthöfen, dass die Obstbaufläche in Werder in den nächsten Jahren wieder zunimmt.

„Die jüngste Erhebung der Stadt unter den Obstbauern hat gezeigt, dass insgesamt kein Rückgang der Anbauflächen mehr zu erwarten ist.“ Im Gegenteil solle die gesamte Obstbaufläche von etwa 350 auf 450 Hektar anwachsen, so die Bürgermeisterin. Dazu würden große Unternehmen wie die Havelfrucht GmbH ebenso beitragen wie die vielen kleinen traditionellen Obsthöfe. „Mein Eindruck ist, dass aus einer alten Distanz zwischen großen und kleine Strukturen zunehmend eine vertraute Nähe wird“, sagte Manuela Saß. Beide Seiten könnten davon profitieren.

Nicht zuletzt könnte die Stadt so ihren Ruf als Obstgarten von Berlin und Potsdam bewahren und eine wirkliche Blütenstadt bleiben. Die Stadt tue dafür ihrerseits was sie kann, werbe bei Messeauftritten und in Publikationen für den Obstbau, stehe in engem Kontakt zum Werderschen Obst- und Gartenbauverein und bringe sich seit Jahren massiv in die Versorgung der Plantagen mit dem unentbehrlichen Brauchwasser ein.

Manuela Saß rief das Land dazu auf, den Obstbauern angesichts der diesjährigen massiven Ernteausfälle schnell und unkompliziert zu helfen. Dr. Carolin Schilde, Staatssekretärin des Ministeriums für ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft, kündigte als Gast des Symposiums eine Richtlinie zur Unterstützung der Obstbaubetriebe an. Unternehmen, die mehr als 30 Prozent Ertragsausfälle nachweisen könnten, würden vom Land unterstützt werden. Allerdings sei man an die Regularien der EU gebunden. „Ohne Papier geht es nicht“, so Dr. Schilde.

Der Fachtag des Symposiums ist am Freitag im Schützenhaus von etwa 80 Obstbauern und Gärtnern besucht worden, die sich in verschiedenen Vorträgen und an Ständen zu Markttrends, neuen Apfelsorten, Möglichkeiten der Digitalisierung und der Vermarktung informieren konnten. In einem Beitrag von Thomas Bröcker, dem Vorsitzenden der Fachgruppe Obstbau im Gartenbauverband Berlin-Brandenburg, ging es um die Lage der Brandenburger Obstbauern.

Er sieht zwar nach schwierigen Nachwendejahren einen Trend zur Konsolidierung der Branche. Doch nur Betriebe, die hohe Hektarerträge – bei Äpfeln 45 Tonnen Tafelware pro Hektar – erwirtschaften, könnten sich in den kommenden Jahren am Markt behaupten. Thomas Bröcker wünscht sich ein befristetes Obstbauprogramm des Landes zur Stabilisierung kleinerer Unternehmen, mit dem Neupflanzungen, Beratungsleistungen und Investitionen in die Frostschutzberegnung gefördert werden.

Zum Publikumstag des Symposiums mit etwa 60 Gästen ging es um Themen wie die Werderaner Obstbaugeschichte, Obstsorten im Wandel der Zeiten und Pflanzenschutz. In einem Beitrag zum „Geheimnis gut gemachter Obstweine“ forderte Stefan Schmidt, Leiter des Weingutes Schloss Rattey, die kleinen Obstweinhersteller auf, sich im Wettbewerb gegen Großkeltereien Nischen zu suchen und auf Qualität zu setzen.

Er gab Tipps, wie sich durch den Einsatz zum Beispiel von Fruchtkonzentraten, Milchsäure oder Holzfässern Effekte erzielen und Qualitäten verbessern lassen. Gute Obstweine würden sich durch eine Balance von Zucker und Säure auszeichnen, so Stefan Schmidt. Werder (Havel) sieht er als guten Standort für ein deutsches Kompetenzzentrum für Obstwein. (red)