Taktverdichtung RE1 – wohl nicht in naher Zukunft

Regionalexpress: Taktverdichtung? Längere Züge? Wohl nicht in naher Zukunft.

Werder (Havel), 17. Februar 2017 – Morgens und zur Feierabendzeit rappelvoll – die bekannte Situation für die Nutzer des Regionalexpress RE1 ab Bahnhof Werder (Havel). Froh sind die, die sich und vielleicht auch noch ihr Fahrrad in eine Ecke quetschen können. Sitzplätze für alle? Fehlanzeige.

Das soll sich ändern – wurde jedenfalls in der Potsdamer Stadtverordnetenversammlung von einem Mitarbeiter der Deutschen Bahn angekündigt. Allerdings gab es leider keine Informationen zum Zeitrahmen, in dem die Verbesserungen umgesetzt werden sollen.

Schon aufgrund der prognostizierten Nachfragesteigerungen auf dem RE1-Korridor bis zum Jahr 2030 sei zur Kapazitätserhöhung eine Prüfung des Aufwandes für zusätzliche oder längere Züge erforderlich. Auch das kündigte der Mitarbeiter der Deutschen Bahn an. In dieser Potsdamer Sitzung wurde laut Protokoll die so genannte Korridoruntersuchung „zur Kenntnis genommen“.

Freude in Werder (Havel)

Mit Freude haben nicht nur viele Werderaner, sondern auch die CDU-Fraktion der SVV Werder (Havel) diese Pläne der Deutschen Bahn zur Kenntnis genommen, die Kapazität des RE 1 zu vergrößern und den Takt zu verdichten. „Seit Jahren fordern wir eine solche Maßnahme als dringend notwendig. Die Verkehrsprobleme der wachsenden Bevölkerung und die Mobilitätsfolgen der erfreulich guten Wirtschaftslage lassen sich ohne ein besseres ÖPNV-Angebot nicht sinnvoll lösen. Der RE 1 spielt dabei die Hauptrolle“, so der stellvertretende Vorsitzende der CDU-Fraktion Peter Kreilinger.

„Mit einem taktverdichteten und zuverlässig Sitzplätze bietenden RE-1 kann ein Angebot entstehen, bei dem Bequemlichkeit und Schnelligkeit des ÖPNV besser sind als bei der Pkw-Nutzung. Der Weg attraktiver Angebote ist der Königsweg zu weniger Individualverkehr“, lobt auch der Fraktionsvorsitzende Hermann Bobka die Ziele.

„Wenn Landesregierung und Landeshauptstadt es ernst meinen mit ihren Bemühungen um bessere Verkehrsbedingungen im Potsdamer Umland, ist eine Verdichtung des RE1-Taktes zu den Hauptverkehrszeiten, insbesondere aber auch in den Abendstunden zwingend. Auch wer abends das Berliner Kulturleben nutzt, muss ohne lange Wartezeiten auf den Zug setzen können“, so Kreilinger. „Wer deutlich weniger Autos in der Zeppelinstraße will, muss die Menschen in den RE-1 bringen. Es ist eine Schande, dass man hier nicht schon längst gehandelt hat, denn kaum irgendwo sonst hat man eine so hervorragende Möglichkeit, eine gegenüber dem PKW wirklich attraktive Verkehrslösung anzubieten.“

Was ist eigentliche eine Korridoruntersuchung?

Die Korridoruntersuching wurde durch den Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) im Auftrag des Ministeriums für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg (MIL) als ÖPNV-Verkehrskonzept 2020/2030 auf den Weg gebracht, das gleichzeitig die Grundlage für den neuen Landesnahverkehrsplan 2018-2022 bilden soll. Die dafür erforderlichen Verkehrsdaten (z.B. Einwohner- und Pendlerzahlen) wurden ermittelt und zusammengetragen.

Die Korridoruntersuchung soll in diesem Jahr fortgeführt werden – mit den sich aus den bisherigen Untersuchungen ergebenden Prioritätensetzungen. „Aus den Untersuchungsergebnissen werden schließlich Handlungsoptionen hergeleitet, die mit den Verantwortlichen erörtert werden. Hierzu müssen u.a. auch weitere Gespräche mit dem Senat von Berlin und der Deutschen Bahn AG geführt werden“, heißt es in der Vorlage der Potsdamer Stadtverordneten.

Das heißt allerdings, dass mit einer zügigen Umsetzung der Untersuchungsergebnisse wohl nicht zu rechnen ist. Denn wenn die Korridoruntersuchungen in diesem Jahr erst noch fortgeführt werden und dann die Prioritäten gesetzt werden – dann wird wohl noch einiges Wasser die Havel hinab fließen, bis es eine Taktverdichtung oder längere Züge geben wird.

Was sagen DB Regio und VBB?

Außerdem ergab eine Nachfrage von wirsindwerder.de bei der Deutschen Bahn Regio, dass nicht sie, sondern der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) sowohl für die Verlängerung der Züge als auch für die Taktverdichtung zuständig wäre. „Ja, wir haben von diesen Meldungen gehört und da erreichen uns in diesen Tage viele Anfragen. Da stimmt aber einiges nicht“, lautete die Antwort auf die Frage nach der Taktverdichtung des RE 1. „Das ist nicht Aufgabe der Deutschen Bahn, der VBB müsste zusätzliche Züge bestellen“, hieß es aus der Presseabteilung der DB Regio. Und einen sechsten Wagen anzuhängen sei allein schon deshalb nicht ohne Weiteres möglich, da zuvor die Bahnsteige verlängert werden müssten. Eine schnelle Umsetzung der Wünsche vieler Pendler dürfte sich damit in Luft auflösen.

Wie Elke Krokowski, Pressesprecherin des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB), informierte, läuft der seit Dezember 2011 bestehende Vertrag mit der DB im Dezember 2022 aus. „Der aktuelle Vertrag enthält bestimmte Leistungen, die derzeit erbracht werden. Aus unserer Sicht reichen die Kapazitäten im Moment aus, auch wenn es natürlich Spitzenzeiten gibt“.

Selbstverständlich werden Prognosen und Analysen der Nachfrage in die neuen Verträge aufgenommen, so Krokowski. Allerdings würden diese Verträge über einen Zeitrahmen von fünf Jahren entwickelt. Man sei also aktuell dabei, die Ausschreibung vorzubereiten. „Wir planen jetzt, was ab Dezember 2022 gebraucht wird“.  Und auch wenn die Prognosen und Hochrechnungen den Bedarf aufgrund von Zuzug oder erhöhtem Pendleraufkommen inzwischen überholt hätten, könnte man eine zeitnahe Umsetzung von Taktverdichtungsplänen nicht in Aussicht stellen. Aktuell gebe es jedenfalls nur begrenzte Möglichkeiten der Verdichtung. Zudem gebe es weitere Betriebe auf der Strecke, deren Takte beachtet werden müssten.

Eine Verlängerung der Wagen sei nicht nur schwierig umsetzbar, weil die meisten Bahnhöfe außerhalb Berlins einfach nicht lang genug seien, ebenso gebe es auch nur eine begrenzte Anzahl von Wagen, die nicht bereits in Betrieb sind.

Zweites Parkhaus und Tunnel-Problem

Überaus positiv zur Kenntnis nehmen dürften die Werderanerinnen und Werderaner aber, dass die CDU der Stadt die Pläne für ein zweites Parkhaus am Bahnhof vorantreiben will, wie Kreilinger informierte: „Die CDU Werder wird mit dem Vorantreiben der Pläne für ein zweites Parkhaus am Bahnhof Werder und dem erweiterten Busangebot in Werder sicherstellen, dass die Menschen bequem zum und vom Zug kommen“.

Außerdem betonte der CDU-Fraktionschef die Dringlichkeit, „dass die Landesregierung endlich ihre schuldhaft verzögernde Haltung beim Bahntunnel in Werder aufgibt. Der dringend notwendige engere Takt beim RE 1 verschärft das Problem an der Bahnschranke noch. Es hat schon den Charakter einer absichtlichen Schädigung, wie die Landesregierung bei diesem Thema die Interessen der Werderaner mit Füßen tritt“. (low)

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