Tiere im heißen Auto

Hunde im Auto - bei Hitze geht das einfach nicht, dass man den vierbeinigen Liebling warten lässt.

Werder (Havel), 12. Mai 2018 – Wir alle lieben Wärme und sommerliche Temperaturen, aber jährlich gibt es diese Fälle von Hunden, die im heißen Auto sitzen – darf man die Scheibe einschlagen, um den Hund zu retten? „Ich finde es mehr als traurig, dass wir jährlich neu betonen müssen, dass das natürlich ein ganz schlimmes Verhalten ist, Tiere im heißen Auto zu lassen“, sagt Tierärztin Dr. Inga Vetrella. Ob nur „ganz kurz, um schnell etwas einzukaufen“ oder weil der Halter denkt, mit einem spaltweit geöffneten Fenster „wird schon nichts passieren“ – die Mahnung der Tierärztin aus den Havelauen gilt: „Bitte lassen Sie keine Tiere im Auto. Als Mensch unterschätzt man schnell die Gefahr, die sogar schon bei 20 Grad Celsius bestehen kann“.

Denn Hunde haben nur wenige Schweißdrüsen und müssen sich hauptsächlich über Hecheln abkühlen. Beim Hecheln verbrauchen sie wiederum Energie und Wasser. Wenn sich das Auto zu einem Backofen von 50 bis 70 Grad Celsius aufheizt, können sie ihre Körpertemperatur nicht mehr regulieren.

„Hunde können dabei irreparable Organschäden davontragen oder sogar einen Herzstillstand erleiden“, kennt die Ärztin die Folgen. „Sogar, wenn Hunde vermeintlich gerettet wurden, können sie noch an den Folgen der Qual aufgrund der Hitze sterben“.
„Auch wenn man das Fenster einen Spalt weit offen lässt, funktioniert die Luftzirkulation nicht ausreichend, um die Temperatur im Auto zu regeln“, warnt sie vor einem weit verbreiteten Trugschluss. „Und obwohl wir Menschen im Gegensatz zu den Hunden über die Haut eine wunderbare Möglichkeit haben, zu schwitzen, wäre das auch für uns schwer und ein Hitzeschlag möglich“. Deshalb käme es immer wieder zu diesen schwerwiegenden Fehleinschätzungen der Menschen.

Darf man aber die Scheibe einschlagen, um ein Tier zu retten? „Da gibt es rechtliche Vorgaben, die man unbedingt beachten sollte“, so Vetrella. Wenn man ein offensichtlich wartendes, von der Hitze gequältes Tier in einem in der heißen Sonne parkenden Auto sieht, sollte man schnell handeln. Zuerst sollte man zügig nachsehen oder rufen, ob der Halter des Autos womöglich in der Nähe des Autos ist – vielleicht im Geschäft gegenüber. In Supermärkten oder Baumärkten kann man die Autonummer ausrufen lassen. Wenn sich niemand meldet, sollte man auf jeden Fall die Polizei anrufen. Die kann das Fahrzeug in einer Notsituation zwangsweise öffnen.

Kann man auf das Eintreffen der Polizei nicht mehr warten – weil es dem Tier offensichtlich sehr schlecht geht, oder das Tier vielleicht schon in einem sehr kritischen Zustand oder gar bewusstlos ist, sollte man handeln. „Ratsam ist es immer, einen weiteren Passanten als Zeugen heranzurufen“, rät die Tierärztin. Auch Fotos oder ein Video können vor Gericht helfen, die Notsituation (Gefahr im Verzug) nachzuweisen, falls der Tierhalter wegen der Sachbeschädigung an seinem Auto klagt. „Es gibt ganz typische Hinweise auf einen Notfall“, zählt Dr. Vetrella auf: „Nicht nur starkes Hecheln weisen darauf hin, Hunde können apathisch oder bewusstlos werden, taumeln, erbrechen, Durchfall oder Krämpfe bekommen“.

Ist die Scheibe eingeschlagen, um die von Gerichten oft als fahrlässige Tierquälerei eingestufte Situation zu beenden, sollte man dem Tier, falls es nicht bewusstlos ist, Wasser anbieten – nicht zu kalt, rät die Tierärztin. Ein schattiger Platz ist wichtig, ein paar feuchte Tücher, stabile Seitenlage bei Bewusstlosigkeit. Dabei ist abzusichern, dass die Zunge heraushängt. Dann unbedingt zum Tierarzt bringen! „Auch wenn es so aussieht, als ob der Hund sich erholt hat, muss das Tier zum Arzt gebracht werden! Die lebensbedrohliche Störung des Kreislaufsystems kann Spätfolgen haben. Das können nur Tierärzte abklären und behandeln“.

Neben dem Hitzschlag, den die Tiere in einem überhitzten Auto erleiden können, gibt es aber auch die Möglichkeit des Sonnenstichs. Der kann sogar beim Gassi gehen passieren, weiß Dr. Vetrella. Bei hohen Außentemperaturen sollte man den Spaziergang dann lieber in die frühen Morgen- oder späten Abendstunden verlegen. Auch aufgeheizter Belag von Straßen könne zu Verletzungen an den Pfoten führen. (wsw)