Verleihung der Lenné-Medaille an die Stadt Werder (Havel)

Hans-Hermann Bentrup (l) und Christian Große bei der Übergabe. Foto: Stadt Werder

Werder (Havel), 7. Juli 2017 – Der Vorsitzende der Lenné-Akademie, Dr. Hans-Hermann Bentrup, hat das Engagement der Stadt Werder (Havel) für den Erhalt und die Pflege der Kulturlandschaft und des Stadtgrüns gewürdigt. „Grün begünstigt das Leben in einer Stadt und macht es attraktiver“, sagte Hans-Hermann Bentrup in einer Laudatio zur Verleihung der Lenné-Medaille. Werder (Havel) sei ein gutes Beispiel, dass dies auch in einem Interessenausgleich mit dem Obstbau und der Landwirtschaft funktionieren kann. Gartenbau und Stadtentwicklung seien eine Symbiose eingegangen. „Die Stadt hat ein Faible für ihre Gärtner, das spürt man überall.“ Die Stadt und Lenné-Akademie in Teltow gaben heute eine gemeinsame Pressemitteilung dazu heraus.

Die Lenné-Medaille wird durch die Lenné-Akademie an Personen, Einrichtungen oder Institutionen vergeben, die sich um die Grünentwicklung in der Tradition des berühmten preußischen Gartenkünstlers verdient gemacht haben. Lennés landschaftskünstlerisches Werk bildet einen wesentlichen Teil der Berlin-Potsdamer Kulturlandschaft, die von der Pfaueninsel bis nach Werder (Havel) reicht.  So bildet der Petzower Park den südlichsten Zipfel von Lennés „Verschönerungsplan für Potsdam und Umgebung“ von 1833. Lenné habe dafür eine Landschaft betrachtet, in der nicht viel los gewesen sei, so Hans-Hermann Bentrup. „Er konnte sich vorstellen, wie man sie verschönern kann. Auch in Werder wurde dieser Weg beschritten.“

Die Lenné-Medaille wurde der Stadt für „ihre vorbildliche Stadtentwicklung mit grüner Infrastruktur und für die Unterstützung ihrer Gartenbaubetriebe“ verliehen. Werders 1. Beigeordneter Christian Große bedankte sich für die Auszeichnung, die „das Werk von Vielen“ sei. Es sei Konsens der Stadtpolitik, den Charakter von Werder zu wahren und Natur, Erholung, Gartenbau und Landwirtschaft in Einklang bringen. Die Lenné-Medaille sei Ansporn, damit weiterzumachen. Nicht immer sei das einfach in einer Situation, in der der Speckgürtel nach außen drücke und Bauherren um die Maximalverwertung ihrer Flächen kämpfen.

Im neuen Stadtquartier Havelauen sei das Spannungsfeld zwischen Landschaft und Wohnen besonders vorbildhaft gelöst, mitten im Baugebiet sei ein Teil der Auenlandschaft belebt worden. Zudem werden in diesem Jahr die Bauarbeiten im Lindowschen Haus beginnen, das letzte Obstbauernhöft im Stadtzentrum soll der neue Bürgerservice mit Tourismusinformation werden. Die neue Anlage solle von Obstgehölzen flankiert werden und das Stadtzentrum mit den neuen Schuffelgärten, dem aufgerebten Galgenberg und der Bismarckhöhe verbinden, von der man einen Blick über die grüne Stadt an der Havel hat.

Werders bekannter Ortschronist Dr. Baldur Martin stellte die Entwicklung des Werderaner Stadtgrüns in den historischen Kontext. „Aus der Geschichte heraus versteht man, warum so viele Menschen Werder lieben“, sagte Baldur Martin. Lenné habe bei seinem Verschönerungsplan nicht in Werder aufgehört. Vielmehr seien die Obstgärten einbezogen worden, habe der Gartenbaumeister den Werderschen spezielle Obstbäume gespendet. Mit dem Schlosspark und der Kirche in Petzow, aber auch mit der Heilig-Geist-Kirche auf der Inselstadt seien prägnante Wegmarken in die Kulturlandschaft gesetzt worden.

Baldur Martin erläuterte, wie der Obstbau in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts expandierte und wie Werder ein beliebtes Ausflugsziel zunächst des preußischen Hofadels und schließlich aller Berliner und Potsdamer geworden sei. Um 1900 habe ein „kolossaler Siedlungsdruck“ begonnen. Die Werderschen aber hätten schnell begriffen, dass Kulturlandschaft und Stadtgrün Pfunde sind, mit denen sie wuchern können. So sei es bis heute geblieben.

Baldur Martin erinnerte an die Nachwendejahre, als Pläne im Raum standen, den Wachtelberg oder den Galgenberg zu bebauen und den grünen Bereich zwischen Hohem Weg und Eisenbahnstraße zu verdichten. „Zum Ärger der Grundstückseigentümer sagte unser damaliger Bürgermeister Werner Große: ,Das bleibt so.‘“ Die Werderaner würden auch heute ihren größten Schatz nie aufs Spiel setzen, so Baldur Martin.

Mitglieder der Lenné-Akademie machten sich nach der Preisverleihung zu einer Sommerexkursion durch die Stadt auf: Mit der Inselstadt, dem Lindowschen Haus, dem Galgenberg, der Bismarckhöhe und den Havelauen suchten sie Schauplätze auf, an denen sich die Erfolge der grünen Stadtentwicklung besonders gut nachvollziehen lassen. Zudem machten sie einen Abstecher zum Golfplatz Kemnitz, der seit Jahren eine enge Partnerschaft zur Lenné-Akademie pflegt.