Von der Liebe und vom Widerstand in Werder in den 50er Jahren

In seinem Tatsachenbericht „Wir liebten nur einen Sommer“ erzählt Sigurd Blümcke aus seiner Jugend in Werder (Havel) und vom Widerstand junger Werderaner gegen SED-Parteiparolen und sowjetischer Besatzungsmacht in den fünziger Jahren.
Der inzwischen pensionierte Medizinprofessor war langjähriger Chefarzt der Pathologie des Berliner FU-Klinikums und hat in seinem Leben viele medizinische Abhandlungen verfasst. Seine teilweise furchtbaren Erlebnisse konnte er jedoch erst jetzt – nach mehr als einem halben Jahrhundert – aufschreiben. Für seinen Enkel und für alle, die sich dafür interessieren, wie sich Blümcke an den Krieg, die Nachkriegszeit und den Widerstand in Werder, in der Sowjetischen Besatzungszone beziehungsweise der DDR erinnert.

Blümcke war es auch, der mit seiner Frau und alten Mitstreitern vor einigen Jahren den Bau der Gedenkstätte auf dem Friedhof am Rathaus auf der Insel initiierte. 1950 begannen junge Leute aus Werder – Schüler, Lehrlinge, Studenten – sich zu wehren. Zu wehren dagegen, dass sich nach diesem schrecklichen Krieg und dem hoffnungsvollen Beginn mit der Vormachtstellung der SED und der Sowjets schon wieder eine Diktatur ausbildete. Sie sahen, wie es in Westdeutschland demokratisch aufwärts ging, wie dort der Wohlstand langsam aber stetig wuchs, sie wollten die Wiedervereinigung und freie Wahlen. Sie organisierten sich, druckten und verteilten Flugblätter. Doch die Stasi wurde schnell aufmerksam. Es kommt zu Verhaftungen – Blümcke erlebt wie zwei seiner Freunde das Weihnachtsfest 1950 im Stasiknast. Sieben Monate saß er in der Bauhofstraße, er wurde gefoltert – eine Anklage gab es nicht.

Zwei weitere Freunde konnten damals schon wie ein Jahr später auch Blümcke nach Westberlin flüchten. Doch die Stasi gab ebenso wie die jungen Widerständler in Werder nicht auf, es gab weitere Festnahmen. Und einige seiner Widerstandsfreunde wurden 1952 in Moskau erschossen: Johanna und Karl-Heinz Kuhfuß, Wilhelm Schwarz, Joachim Trübe, Günter Beggerow,  Heinz Unger und Inge Wolf. Die Urnen, die an der Heilig-Geist-Kirche 2008 beigesetzt wurden, enthalten Erde von der Stelle im russischen Donskoje, an der sich seinerzeit die Grube befand, in die die Asche der tapferen jungen Leute geworden wurde.

Seine spannende Geschichte ist ein Buch gegen das Vergessen, Blümcke stützt sich auf Tagebuchnotizen und Originaldokumente, auf selbst angefertigte Zeichnungen und viele alte Fotos sowie persönliche Erinnerungen und Interviews.

Am Mittwoch, dem 9. September, ist Sigurd Blümcke in der Werderaner Bibliothek in der Brandenburger Straße 1a zu Gast. Er liest aus seinem Buch, anschließend gibt es ein Gespräch. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr.
Der Eintritt ist frei. Die Gäste können das Buch kaufen und vom Autor signieren lassen.
Es wird darum gebeten, sich für die Veranstaltung unter 03327 42383 anzumelden. Das ist auch am Mittwoch bis 12 Uhr und dann wieder ab 15 Uhr möglich. Jedoch können auch ganz Kurzentschlossene ohne vorherige Anmeldung noch mit einem Platz bei der Lesung rechnen, wie Frau Mücke von der Bibliothek gegenüber wirsindwerder zusicherte.