Von Fleiß, Mut und der Wichtigkeit der Familie – 65 Jahre Fleischerei Joppe

Familienbetrieb mit Tradition: Senior-Chef Horst Joppe, Enkel Felix, Tochter Stephanie und Geschäftsführer Andreas Joppe.

Werder (Havel), 1. Februar 2017 – Den 65. Jahrestag des Bestehens ihrer Fleischerei feiert die Familie Joppe am heutigen Dienstag. Viel Aufhebens wird um das Jubiläum nicht gemacht, im Alltag geht es wie jeden Tag mit Fleiß an die Arbeit. Das Unternehmen, das von Johannes Joppe und seiner Frau Hildegard 1952 in Glindow mit der Eröffnung in der Dr. Külz-Straße begründet wurde, zählt heute 80 Mitarbeiter. Geleitet wird es von Geschäftsführer Fleischermeister Andreas Joppe und seinem Vater Horst Joppe. Auch Andreas’ Frau, sein Sohn Felix und seine Schwester Stephanie arbeiten im Familienunternehmen mit.

Fleischermeister Johannes Joppe mit seinem Meisterbrief aus dem Jahre 1936 kam aus einem DDR-HO-Geschäft mit seiner Frau aus Eberswalde nach Glindow.  Schon zuvor war in diesem Haus in der Dr. Külz-Straße die Fleischerei Möller. Sohn Horst wurde in Eberswalde geboren und kam dann in Glindow zu Schule. Schon als Kind half er mit, wie das eben so ist in Familienbetrieben.

„Damals wurden die Schweine nach einem bestimmten Schlüssel von der Einkaufs- und Liefergenossenschaft Potsdam-Land verteilt“. Wer die Zeit erlebt habe, wisse ja noch, dass es nicht immer alles gab. „Meine Mutter stand im Laden, mein Vater arbeitete hinten“, erinnert sich Horst Joppe. Ab Mitte der 50 Jahre wurde eine weitere Verkäuferin gebraucht. „Selbst schlachten durften wir nur bis Ende der 50er Jahre“, danach wurde für die Weiterverarbeitung nur noch angeliefert. Er erinnert sich gut an die Schlachthöfe damals in der DDR: „Das ist mit denen von heute überhaupt nicht mehr zu vergleichen. Die Schlachthöfe heute arbeiten top, haben sehr hohe Standards und liefern Qualität“.

Weder Horst Joppe noch Sohn Andreas wollten Fleischer werden – aber die familiäre Tradition war stärker. Beide wurden „zu ihrem Glück gezwungen“, und beide haben es nicht bereut. Horst Joppe, der in Potsdam das Handwerk erlernte und 1970 seinen Meisterbrief bekam, konnte die väterliche Firma 1972 dann nur mit einem Trick übernehmen. Weil ihm in der DDR die Gewerbegenehmigung zuerst verweigert wurde, trat er in die Liberal-Demokratische Partei Deutschlands (LDPD) ein. Dann klappte es auch mit dem Gewerbeschein. „Von da an ging es bergauf“, lautet sein knappes Resümee. Seine Frau hatte da ihre Arbeit als Kindergärtnerin in der Zollschule Plessow bereits aufgegeben, die Kinder kamen und wuchsen auch in der Fleischerei auf. „So gleichen sich die Geschichten“, lächelt Joppe mit Blick auf seinen Sohn Andreas. „Stimmt“, sagt der und erinnert sich: „Wenn man schon in der Kindheit geholfen hat, einfach weiß, wie alles läuft, dann entschließt man sich doch dazu“. Als kleiner Junge stapfte er einmal verbotenerweise mit Gummistiefel in eine Kiste mit Topfwurst. Die aber war frisch gekocht und sollte abkühlen.

Am 01. Februar  1952 gründete Johannes Joppe die Fleischerei und legte den Grundstein für eine Familienerfolgsgeschicht
Joppe (2)

Auch Stephanie erinnert sich: „Man kommt aus der Schule, will irgendwo hin, wo die Freunde sind, dann kommt der Vater mit Gummischürze ins Zimmer: Die Würste müssen verpackt werden. Kommste runter, ja?“ Während Vater Andreas in Falkensee das Fleischerhandwerk erlernte und seinen Meister 1993 machte, erlernte sie den Beruf einer Reiseverkehrskauffrau. Inzwischen mit administrativen Aufgaben betraut und als Personalchefin fühlt sie sich im Familienbetrieb aber wohl. Felix Joppe hat Bürokaufmann gelernt und ist im Vertrieb und in der Bestellannahme tätig. Horst Joppe könnte eigentlich im Ruhestand sein, aber er „arbeitet noch aus Spaß an der Freude“, wie er sagt.

Mit handwerklichem und unternehmerischen Geschick und ohne auf die Uhr zu schauen, entwickelte sich das Geschäft. Bis zur Wende. „Dann wollten alle nur noch die ‚bunte Wurst‘. Eine ganz schlimme Zeit“, sagt Horst Joppe. Doch Joppes ließen sich nicht entmutigen. Aus dem Wagen heraus verkauften sie auf dem Strengfeld in Werder Wurst und Fleisch. Und während von den Hiesigen viele zum Einkaufen in den Westen fuhren, staunten die Berliner auf dem Markt über die Qualität bei Joppe: „Oh, alles selbst gemacht, alles im Naturdarm? Lecker!“.

Die Produktion wurde am 1. April 2010 in die neu erbauten Hallen im Gewerbegebiet Schwielowsee verlagert. Dort gab es nicht nur mehr Platz für neue Maschinen und bessere Technik; auch ein modernisiertes Logo mit dem Schriftzug und dem Namenszusatz „Havellandfleischerei“ machten klar, dass die Firma zukunftsfähig ist. Die Schweinehälften kommen zur Verarbeitung aus Perleberg, das Rind aus Teterow.

„Fleiß, Fleiß und nochmal Fleiß“ hat den Betrieb zu dem gemacht, was er ist: Ein traditionsreiches Familienunternehmen mit einem ausgezeichneten Ruf. Die Qualität tadellos, der Geschmack so, wie ihn die Kundschaft mag. „Wir haben natürlich unsere Rezepte, unsere Gewürzmischungen“, sagt Andreas. Die werden überliefert und wenn nötig, verbessert. „Inzwischen mahlen wir beispielsweise den Pfeffer selbst“. Konnten schon zu DDR-Zeiten Qualitätswettbewerbe gewonnen werden, gab es auch nach der Wende wichtige und erinnernswerte Auszeichnungen. Handwerkliche Qualität und Frische, die man in Supermärkten einfach nicht findet. Die erste Filiale wurde 1997 eröffnet, inzwischen gibt es neun Filialen, vier Verkaufswagen sind unterwegs, es gibt einen Partyservice und Mittagstisch. (low)

Wir wünschen Guten Appetit und viel Erfolg für die nächsten 65 Jahre!

Der Umzug in die neue Produktion nach einem Jahr Bauzeit im Jahr 2010
Joppe (1)

Und was kommt bei Joppes am liebsten auf den Tisch?

Horst Joppe: Rouladen, die „echten“

Andreas: Schnitzel

Stephanie: ein schönes Rindersteak

Felix: Rinderfilet