Vorsicht, verliebte Rehe!

Achtung, Autofahrer: Jetzt sind verliebte Rehe unterwegs.

Werder (Havel), 25. Juli 2016 – Neben Blitzerwarnungen finden sich jetzt in den sozialen Netzwerken wieder öfter Hinweise auf Tiere an der Fahrbahn. Ein Wildschweinrudel wurde gesichtet, Rehe stehen wie angenagelt mitten auf der Straße. Bei den Rehen hat das momentan und noch bis Mitte August einen guten Grund. Die Rehe sind verliebt und feiern Hochzeit.

Während der Paarungszeit bis Mitte August verändert sich das Verhalten der Rehe – übrigens die kleinste heimische Hirschart. In dieser Zeit sind sie deutlich aktiver. Dies gilt vor allem für das männliche Wild. Darauf sollten sich insbesondere die Autofahrer mit einer an die jeweiligen Gegebenheiten angepassten Fahrweise einstellen, bittet die Oberste Jagdbehörde des Landes Brandenburg um Aufmerksamkeit.

Besonders die männlichen Tiere sind jetzt aktiv.

Wildunfälle: Erhebliche Dunkelziffer

Brandenburg zählt bundesweit zur Spitze bei Wildunfällen, erfuhren wir vom Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft des Landes Brandenburg. So wurden beispielsweise im Jagdjahr 2012/2013 insgesamt 11 064 Stück Schalenwild in Wildunfälle verwickelt. Zum Schalenwild zählen die in Brandenburg vorkommenden Wildarten Rotwild, Damwild, Muffelwild, Rehwild und Schwarzwild.

Mit etwa 70 Prozent der Gesamtzahl ist das Rehwild die mit Abstand am häufigsten an Unfällen beteiligte Schalenwildart.
Über die jagdstatistisch erhobenen Daten hinaus dürfte es eine erhebliche Dunkelziffer von Wildunfällen geben, denn Wildunfälle ohne Schaden an Kraftfahrzeugen werden häufig nicht gemeldet. Zudem werden Wildunfälle von kleineren Wildtieren, zum Beispiel Hasen, Kaninchen oder Füchsen, nicht erfasst.
Bezogen auf das ganze Bundesgebiet geht der Deutsche Jagdverband (Interessenorganisation der Jäger) von jährlich mehr als einer Million im Straßenverkehr getöteter Wildtiere aus.

Abblenden, abbremsen und hupen

Rund 3 000 Verkehrsteilnehmer werden jährlich bei Unfällen mit Wildtieren verletzt, wie der ADAC ausgerechnet hat. Meist handelt es sich demnach nur um leichte Verletzungen, manchmal endet der Zusammenstoß für Fahrzeuginsassen aber auch tödlich.
Vor allem entlang von Wald- und Feldrändern sollten Autofahrer dann besonders vorsichtig fahren. Der ADAC weist darauf hin, dass dies nicht nur für Straßen gilt, wo das Verkehrsschild „Wildwechsel“ auf die potenzielle Gefahr hinweist. Allerdings ist hier das Risiko besonders hoch. Grundsätzlich muss zu jeder Tages- und Nachtzeit mit Wildwechsel gerechnet werden. Viele Tiere, zum Beispiel Rehe, sind jedoch vor allem in der Morgen- und Abenddämmerung besonders aktiv.

„Generell gilt bei Wild auf der Straße: abblenden, abbremsen und hupen. Bei grellem Scheinwerferlicht verharren die Tiere meist regungslos. Auch wenn das Tier die Fahrbahn verlassen hat, sollten Autofahrer nur langsam weiterfahren. Wildtiere leben oft in Gruppen, sodass plötzlich noch Nachzügler auftauchen können. Wenn sich die Kollision nicht vermeiden lässt empfiehlt sich ein kontrollierter Aufprall. Autofahrer sollten dann das Lenkrad gut festhalten, geradeaus fahren und dabei mit maximaler Kraft bremsen. Wer ausweicht, gefährdet den Gegenverkehr bzw. riskiert einen Unfall“ – so der ADAC.

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Vorbereitet sein

Verantwortungsvolle Kraftfahrer sollten also gerade jetzt auch aus wohlverstandenem Eigeninteresse dem Verkehrszeichen „Wildwechsel“ besondere Beachtung schenken. Dazu gehört, die Fahrgeschwindigkeit stets darauf auszurichten, kurzfristig bremsen zu müssen. Eine angepasste Fahrweise bietet erfahrungsgemäß die beste Voraussetzung, Wildunfälle zu vermeiden oder zumindest den Schadensumfang zu begrenzen, rät das Ministerium.
Zu den in dieser Zeit gebotenen Verhaltensregeln ist beim Fahren auf Bundes-, Landes- oder Kreisstraßen, vor allem außerhalb von Siedlungsbereichen, nicht nur während der Morgen- und Abendstunden, sondern ganztägig mit unverhofft über die Straße wechselndem Wild zu rechnen. Dies gilt sowohl für landwirtschaftliche Flächen, als auch für Waldflächen.

Ein positiver Nebeneffekt der Blattzeit besteht übrigens darin, dass aufmerksame Besucher von Feld und Wald jetzt gute Chancen haben, Rehe auch bei Tage beobachten zu können – wenn es Euch gelingt, Fotos zu machen, schickt sie uns doch einfach an info@wirsindwerder.de – wir würden uns freuen!