Vortrag: „700 Jahre sind nicht genug“

In Werder gefunden: eisenzeitlicher Gürtelhaken und Halsring-Fragmente. Abb.: BLDAM

Werder (Havel), 11. Mai 2017 – Die Stadt Werder (Havel) feiert in diesem Jahr den 700. Jahrestag der Ersterwähnung, doch die heutige Gemarkung ist schon von Jägern und Sammlern während der Mittelsteinzeit (ca. 8500 – 5000 v. Chr.) genutzt worden, wie der Fund einer Pfeilspitze aus Geweih belegt. Aus der Jungsteinzeit (ca. 5000 – 2200 v. Chr.) sind eine ganze Reihe von Fundstellen bekannt, die auf eine dichte Besiedlung und Sesshaftigkeit verweisen: Feuersteinabschläge, eine durchbohrte Felsgesteinaxt oder ein Feuersteinmeißel. Auch aus der Bronzezeit, der vorrömischen Eisenzeit, der slawischen Epoche und der Zeit davor haben die Archäologen immer wieder Belege für menschliches Wirken gefunden.

Das 700. Stadtjubiläum nimmt die Archäologische Gesellschaft in Berlin und Brandenburg e. V. nun zum Anlass, ihre Jahrestagung am 12. und 13. Mai im Schützenhaus in Werder, Uferstraße 10, zu veranstalten. Im Abendvortrag am 12. Mai um 19 Uhr wird es ausschließlich um die archäologische Sicht auf die Blütenstadt gehen. Überschrift des Vortrags von Jens Henker und Thomas Kersting ist: „700 Jahre sind nicht genug“. Funde aus der Umgebung Werders werden am Veranstaltungsort ausgestellt. Der Eintritt zu diesem Abend ist frei.

Am 13. Mai werden aktuelle Funde und Forschungen aus den Ländern Berlin und Brandenburg vorgestellt. Dazu sind auch alle interessierten Bürger und Nicht- Mitglieder eingeladen. Für die Teilnahme ist ein Tagungsbeitrag von 15 Euro zu entrichten. Themen verschiedener Vorträge sind unter anderem das älteste Gräberfeld Brandenburgs in Groß Fredenwalde, Forschungen zur frühen Eisenverhüttung auf dem Teltow, Nachbau und Nutzung eines slawischen Einbaumes aus Ziesar und neue brandenburgische Münzschatzfunde.

Eine Exkursion am 14. Mai beinhaltet eine Stadtführung und die anschließende Busexkursion, an der ebenfalls Interessierte teilnehmen können. Die Teilnahme kostet 15 Euro.


Nähere Informationen zur Tagung gibt es auf der Internetseite der Archäologischen Gesellschaft unter http://www.agibb.de/veranstaltungen/jahrestagung/

Neuerscheinung

Zudem wird bei dieser Tagung eine Neuerscheinung präsentiert: „Feuerstein Fibel Fluchttunnel – Archäologie in Berlin und Brandenburg seit der Wende“.
Die Archäologie in Berlin und Brandenburg erfuhr nach 1989 – wie überall in Ostdeutschland – einschneidende Veränderungen. Mit der Einführung der neuen Denkmalschutzgesetze und besonders dem Verursacherprinzip stieg die Zahl der denkmalpflegerisch bedingten Ausgrabungen stark an. In der gleichen Zeit begann auch die Ausweitung der archäologisch zu betreuenden Epochen bis in die Gegenwart – ein Prozess, der überregional unterschiedlich abläuft.

Zum 25jährigen Jubiläum der Archäologischen Gesellschaft in Berlin und Brandenburg veröffentlichen die beiden Landesdenkmalämter in der Reihe „Denkmalpflege in Berlin und Brandenburg“ die Beiträge von zwei Tagungen, die den Stand der archäologischen Forschung zwischen Elbe und Oder zusammenfassen. Dementsprechend bietet die Publikation 25 Jahre nach der Wende ein zeitliches Spektrum von rund 130.000 Jahren. Funde aus der Altsteinzeit und Befunde an der innerdeutschen Grenze bilden den Rahmen der Darstellung.