Werders kleine „Hegemeisterlein“

Und was fressen die Wildschweine? - Die Schülerinnen und Schüler der fünften Klasse der Schule am Plessower See wissen viel, haben aber auch viele Fragen und machen eifrig mit. Foto: wsw

Werder (Havel), 10. Mai 2017 – Auf den Schulhöfen der Schule am Plessower See und der Karl-Hagemeister-Schule gab es gestern am Mobil „Lernort Natur“ des Brandenburgischen Landesjagdverbandes (LJVB) für wissbegierige Fünftklässler einen kleinen Einblick in das Leben der Tiere im heimischen Wald. Diese Aktion, initiiert von der Werderaner Jägerin Silke Byl, soll die Kinder unter anderem auf die Gefahren aufmerksam machen, die den Rehkitzen bei der bevorstehenden Mahd auf den Wiesen drohen. Unter der Schirmherrschaft der Bundestagskandidatin Saskia Ludwig und in Zusammenarbeit mit den Bauern in der Umgebung wird es in den nächsten Wochen zu weiteren Aktionen kommen, bei denen die Rettung der Kitze durch gebastelte Scheuchen und durch Abgehen der Wiesen im Vordergrund stehen.

So klein ist ein Rehkitz - Jäger André René Richter und Jägerin Silke Byl gehen mit den Kindern auf eine kleine Entdeckungsreise. Foto: wsw

Hannah, Zipporah, Samir, Joel und all’ die anderen Kinder der fünften Klasse der Schule am Plessower See sind konzentriert bei der Sache. Schon als das Mobil des Landesjagdverbandes Brandenburg auf den Schulhof rollt, ist die Begeisterung über den bevorstehenden „Extra-Biologieunterricht“ groß. Da wird mit angepackt, wenn es darum geht, die Verlängerungsschnur zu entrollen und gemeinsam über den Hof bis zur Steckdose zu bringen oder die Koffer und Kisten des Jägers zu tragen, die die vielen interessanten Exponate enthalten, die gleich zum Einsatz kommen sollen.

Ausgestopfte Tiere, Schautafeln, Tierstimmen vom Band oder Exponate zum Anfassen – der „Lernort Natur-Bus“ ist gut ausgestattet. Doch am wichtigsten sind hier bei den wissbegierigen Kindern die Jägerin Silke Byl und der Jäger André René Richter. Denn auf ihre Fähigkeiten, das Wissen kindgerecht und interessant aufzubereiten und zu vermitteln, kommt es an. Und das ist kein Problem hier auf den Schulhöfen der Schule am Plessower See oder beim nachfolgenden Standort an der Hagemeister-Schule. Geduldig, anschaulich, lebendig und phantasievoll berichten die Jäger von den Tieren des Waldes, erklären die Heimat der Tiere, was und wie sie fressen, und haben auf alle Fragen der Kinder eine Antwort.

Wonach riecht das denn? - Nach Maggi oder Liebstöckel - denn so riechen Wildschweine. Foto: wsw

„So konzentriert und geduldig sind die Kinder nicht immer“, ist auch die Biologielehrerin der Schule am Plessower See, Stefanie Kokel, begeistert. Die Kinder erfahren unter anderem, dass so ein kleines Rehkitz sogar kleiner als ein Hase ist, sind begeistert von der Duftprobe des Wildschweines, die Jäger Richter jedem unter die Nase hält. „Das riecht nach Maggi“, weiß eine Schülerin gleich Bescheid und hat sogar recht. Tatsächlich hat der Jäger bei seiner Duftprobe aber mit ein wenig Liebstöckel-Gewürz nachgeholfen. Auch sonst wissen die Kinder viel – da haben die Eltern und Lehrer schon gut vorgearbeitet und macht es den Jägern an diesem Tag leichter, die Kinder einzubeziehen. Und so kommt interessantes neu erworbenes Wissen dazu – für richtige Antworten gibt es kleine Aufkleber und am Ende für jede der Gruppen – mehr als sechs oder sieben Kindern sollten es am Mobil jeweils nicht sein – einen Button. Den stecken sich die Kinder stolz an Jacke oder Anorak – sie haben nachgewiesen, dass sie hier und heute einiges gelernt haben.

Kann ich das mal streicheln? - Natürlich, alle Exponate im Mobil "Lernort Natur“ sind auch zum Anfassen geeignet. Foto: wsw

Lernort Natur

Seit über 20 Jahren bieten besonders geschulte, ehrenamtlich tätige Jäger mit der Initiative „Lernort Natur“ vielseitige Möglichkeiten, Natur hautnah zu erleben. Dabei wird das erlebnisorientierte Lernen in den Vordergrund gestellt. Kinder und Jugendliche gehen im Revier oder auf dem Schulhof unter Anleitung auf Entdeckungstour durch die Natur. Die Initiative hat sich zu einem anerkannten Bestandteil außerschulischer Bildungsarbeit entwickelt. Die UNESCO zeichnete „Lernort Natur“ in den Jahren 2008 und 2010 als „Offizielles Projekt der Weltdekade der Bildung für nachhaltige Entwicklung“ aus.

„Uns ist wichtig, dass die Kinder bei dieser Art von Naturpädagogik ihre Liebe zur Natur stärken“, sagt Silke Byl. Damit würde aus jedem Kind ein engagiertes „Hegemeisterlein“. Und abgeleitet von „Jägermeister“ lautet denn auch „Hegemeister“ der Name der Aktion hier in Werder (Havel).

In der ersten Juniwoche soll es mit Kindern auf die „Schulwiese“ bei Werder gehen. Bei dieser Expedition geht es darum, das neue Wissen anzuwenden. Die Kinder haben erfahren, dass die Rehe ihre Kitze in den Wiesen absetzen, weil sie sie dort sicher wähnen. Die kleinen Kitze haben noch keinen Fluchtreflex, sie werden von ihrer Mutter, die sich ja um Nahrung kümmern muss, dort versorgt. Wittert das Reh jedoch Gefahren, bringt sie ihr Kitz in Sicherheit. Das soll bei den Aktionen vor der Mahd genutzt werden.

„Um dann an den entscheidenden Tagen mit einer Gruppe losziehen zu können, um wirklich die Kitze zu retten, brauche ich Helfer“, ruft Silke Byl alle interessierten Werderaner und Werderanerinnen auf, sich bei ihr zu melden. Die Jägerin gründet dann eine WhatsApp-Gruppe, um zeitnah die Gruppenmitglieder informieren zu können, wann eine Aktion ansteht. „Wir treffen uns dann, gehen an die Wiesen, befestigen die von den Kindern gebastelten Scheuchen, verteilen für Rehe unangenehme Duftstoffe und machen ein bisschen Lärm“, erläutert Silke Byl. Solche Gruppen gibt es bundesweit und überall, auch in Werder, wurden damit erstaunlich gute Erfahrungen gemacht. Silke Byl ist sich sicher, damit sehr viele Rehkitze vor Verletzungen oder dem Tod retten zu können.

„Genießen Sie mit uns einen Abend auf den Wiesen und tun Sie dabei Gutes. Helfen Sie uns bei der Rettung von Rehkitzen“, bittet Silke Byl und weiß, dass man nicht viel dafür braucht. „Eine leichte Mülltüte, einen Stecken oder Stock von ungefähr ein bis zwei Meter Länge und etwas Klebeband. Unsere Anwesenheit an der Wiese und die kleinen mitgebrachten Hilfsmittel werden dafür sorgen, dass Rehkitze vor der Heuernte von ihren Müttern aus den Wiesen geführt werden.“

Eine ähnliche Aktion von Silke Byl im vergangenen Jahr war bereits sehr erfolgreich. Bundesweit machen sich engagierte Jägerinnen und Jäger gegen den so genannten „Mäh-Tod“ stark. Dabei wird dafür gesorgt, dass die Rehe ihre Kitze, die noch nicht über einen Fluchtreflex verfügen, vor der Mahd aus den Wiesen holen. Immer wieder kommt es dazu, dass Kitze von den Mähdreschern getötet oder schwer verletzt werden und dann verenden.

Die Bundestagskandidatin Saskia Ludwig und Jägerin Silke Byl auf dem Schulhof der Hagemeister-Schule. Foto: wsw

„Das ist Naturschutz pur“, ist Saskia Ludwig begeistert. Die Bundestagskandidatin setzt sich seit vielen Jahren dafür ein, engagiert sich für den Wald und gegen den unnötigen Bau von Windkrafträdern, insbesondere gegen die geplante Rodung von über 100 Hektar Wald nahe Bliesendorf. Sie sei Enkelin eines Jägers, berichtet die Politikerin, und sei nicht nur deshalb sensibilisiert für das Thema. Gern habe sie die Schirmherrschaft über das Projekt mit den „Hegemeistern“ übernommen und hofft, dass sich viele engagierte Werderaner und Werderanerinnen finden, die Silke Byl unterstützen.


Sie haben Interesse? Dann informieren Sie sich unter: Tel. 0152 04 363 306 oder schreiben eine E-Mail: silke.byl@gmail.com
Unter dem Stichwort „Rehkitze“ beantwortet Silke Byl gerne Ihre Fragen.