Westbrandenburgisches Handwerk bleibt auf Kurs

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Potsdam, 12. April 2017 – Die Konjunktur im westbrandenburgischen Handwerk hat weiter an Fahrt gewonnen! Der Geschäftsklimaindex liegt aktuell mit 140 Punkten 7 Punkte über dem Vorjahreswert und ist damit der beste Wert der vergangenen elf Jahre.

In der aktuellen Frühjahrskonjunkturumfrage bewerten 93 Prozent der befragten Handwerksbetriebe ihre Geschäftslage mit gut oder befriedigend. Damit wurde mit einem Plus von 3 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum, Frühjahr 2016, ein neuerlicher Spitzenwert erreicht. In fast allen Branchen konnten die Ergebnisse des Vorjahres erreicht oder überboten werden. Ausnahmen bilden die Gesundheitshandwerke und das Bauhauptgewerbe.

Positives Bild überwiegt auch bei bisherigen Sorgenkindern

Die aktuell höchsten Werte kommen mit 96 Prozent vom Handwerk für den gewerblichen Bedarf und den Ausbaugewerken (95 Prozent). Deutlich zufriedener zeigen sich die Nahrungsmittelhandwerke (plus 15 Prozent) und das Kraftfahrzeughandwerk (plus 7 Prozent). Auch die personenbezogenen Dienstleistungen bewerten ihre Geschäftslage gegenüber dem Vorjahreswert noch einmal 4 Prozentpunkte besser. Im Bauhauptgewerbe zeigt sich die Zufriedenheit mit der Geschäftslage auf Vorjahresniveau (92 Prozent).

Eine deutliche Verschlechterung hingegen schlägt bei den Gesundheitshandwerken mit einem Anteil von 80 Prozent guter bzw. befriedigender Geschäftslage (minus 7,5 Prozent) zu Buche.

Generell liegt der Anteil der positiven Einschätzungen jedoch deutlich über den negativen. Der deutlichste Anstieg ist dabei bei den Betrieben des Nahrungsmittelhandwerks (Saldenwert: plus 38 Prozent) und denen des Kraftfahrzeuggewerbes (plus 25 Prozent) zu spüren.

Auftragsbücher bleiben gut gefüllt

26 Prozent der Handwerksbetriebe bewerten ihre derzeitige Auftragslage als für die Jahreszeit überdurchschnittlich gut, 64 Prozent als normal. Das sind insgesamt 5 Prozent mehr als im Frühjahr 2016. Damit setzt sich der Trend des letzten Jahres bei der Verbesserung der Auftragslage fort. Getragen wird diese Entwicklung allerdings fast ausschließlich von den Betrieben des Ausbaugewerbes, des Handwerks für den gewerblichen Bedarf und des Kraftfahrzeughandwerks.

Über alle Gewerbe betrachtet haben die Auftragseingänge zugenommen. Der Anteil der Betriebe mit rückläufigen Auftragseingängen ist im Vergleich zum Vorjahr um 5 Prozentpunkte auf 16 gesunken. Die durchschnittliche Kapazitätsauslastung liegt dabei mit 79 Prozent auf Vorjahresniveau. Der Anteil derer, die eine volle Kapazitätsauslastung vermelden, stieg noch einmal an: von 27 auf 30 Prozent. Damit wuchs auch das Auftragspolster erneut auf nun im Durchschnitt 9 Wochen – knapp eine Woche mehr als 2016.

Wie in jedem Frühjahr beurteilen die Befragten die Umsatzentwicklung etwas schwächer. Der Saldenwert aus gemeldeten und gestiegenen Umsatzzahlen liegt aktuell bei minus 6 Prozentpunkten – 2 Punkte schlechter als im Vorjahr.

Die Investitionstätigkeit bleibt weiter zurückhaltend. Der Anteil der Betriebe, die im Befragungszeitraum Investitionen tätigten, liegt bei 23 Prozent. Lediglich 9 Prozent investierten mehr als im Vorquartal, 21 Prozent weniger.

Ungelöstes Problem bei Fachkräften und Auszubildenden

Die Fachkräftesituation im westbrandenburgischen Handwerk bleibt schwierig. Jeder dritte Befragte meldet unbesetzte Arbeitsplätze in seinem Unternehmen. Im Bauhauptgewerbe und im Handwerk für den gewerblichen Bedarf sind es sogar knapp 40 Prozent, die freie Stellen melden. Etwas besser sieht der Personalbedarf bei den personenbezogenen Dienstleistungen und den Gesundheitshandwerken aus. Im Durchschnitt sucht aber jeder Betrieb mit unbesetzten Stellen zwei Mitarbeiter. Über alle Gewerke gesehen zählt die Umfrage in den letzten drei Monaten jedoch einen leichten Personalanstieg, was in einer Frühjahrsumfrage für eine positive Entwicklung spricht, da in den letzten Jahre tendenziell eher abgebaut wurde. Personal verloren haben jedoch die Betriebe des Bauhauptgewerbes.

Hinsichtlich der Anzahl der Lehrlinge liegt die Zahl mit 1.139 neuen betrieblichen Lehrverträgen leicht unter denen des Vorjahres. Die Zahl der Ausbildungsbetriebe im Kammerbezirk ist um 3 Prozent gestiegen ist.

Aussichten und Erwartungen

Die Betriebe im westbrandenburgischen Handwerk bleiben auch im 2. Quartal optimistisch. Das Bau- und Ausbaugewerk dürfte dabei wiederum der Motor der Konjunktur bleiben. Dank der guten Beschäftigungslage wird der private Konsum gestützt, auch die Kraftfahrzeugbranche konsolidiert sich weiter.

Branchenübergreifend erwartet jeder vierte Betrieb eine weitere Verbesserung seiner Geschäftslage, lediglich 4 Prozent gehen von einer Verschlechterung ihrer Auftragslage aus. Ähnlich zeigen sich auch die Umsatzerwartungen: 34 Prozent (Vorjahr: 28 Prozent) rechnen mit steigenden Umsätzen, 8 Prozent (Vorjahr: 9 Prozent) gehen von sinkenden Umsätzen aus.

Die Investitionstätigkeit bleibt hingegen schwach. 26 Prozent planen in den nächsten drei Monaten die Umsetzung von Investitionsvorhaben, was zum Vorjahr immerhin ein Plus von 7 Prozent (2016: 19 Prozent) bedeuten würde.

Das westbrandenburgische Handwerk will mehr Personal einstellen: 12 Prozent der Betriebe planen in den kommenden drei Monaten mit zusätzlichen Mitarbeitern. Nur 3 Prozent rechnen mit Personalabbau. Den größten Bedarf haben dabei das Handwerk für den gewerblichen Bedarf und die Nahrungsmittelhandwerke.

Nachdem der Preisanstieg für Material, Energie, Roh- und Kraftstoffe in den vergangenen drei Monaten deutlich spürbar war und damit rund 64 Prozent der Befragten von gestiegenen Einkaufspreisen berichteten, erwarten für die kommenden drei Monate deutlich weniger Betriebe weiter steigende Einkaufspreise (45 Prozent). Verkaufsseitig ist bei allen Handwerken mit weiteren Preiserhöhungen zu rechnen, wobei besonders im Bauhauptgewerbe überdurchschnittlich viele Betriebe die Preise steigern wollen.

Die aktuellen Umfrageergebnisse basieren auf der Befragung von 4.000 Betrieben. (IHK/Weitermann)

 


Hintergrund:
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