„Widerstand bleibt wichtig“

Ortsvorsteherin Eveline Kroll und die Landtagsabgeordnete Saskia Ludwig beim Bliesendorfer Bürgerdialog. Foto: wsw
Werder (Havel), 8. Februar 2017 – „Der Irrsinn, Windräder in den Wald zu bauen, muss endlich gestoppt werden“ – die Landtagsabgeordnete Dr. Saskia Ludwig spricht aus, was alle Gäste des Bürgerdialogs zur Energiepolitik denken. Den Gäste im voll besetzten Gemeindezentrum Bliesendorf ruft Saskia Ludwig zu: „Ich bin auf ihrer Seite!“. Tatsächlich hatte die Politikerin bereits 2011/12, als die Forderung der Bundesregierung zur Energiewende kam, als einzige im Bundesvorstand dagegen gestimmt. Seitdem unterstützt sie den Kampf der Bürgerinitiativen. 
„Demokratische Prozesse dauern lange“, lautet ihre Erfahrung, dennoch machte sie den Zuhörern Hoffnung. „Sie haben schon viel erreicht, Widerstand wirkt, bleiben Sie dran“. Sie ist angesichts der Koalitionspapiere für die kommende Große Koalition von CDU, CSU und SPD vorsichtig optimistisch. „Für eine erfolgreiche Energiewende, die zur Sicherung des Wirtschaftsstandortes Deutschland beiträgt, kann auf die konventionelle Energieerzeugung so lange nicht verzichtet werden, bis die erneuerbaren Energien eine sichere und bezahlbare Energieversorgung gewährleisten können“. Damit unterstützt sie die Forderung ihrer Fraktion im Landtag, dass es keinen abrupten Ausstieg aus der Kohleproduktion geben solle. „Das ist nur langfristig machbar“, so Ludwig, die entsprechende Perspektiven und einen Strukturwandel für die betroffene Lausitz fordert. 
„Jeder möchte die Energiewende, aber wir brauchen alternative Energie. Wir brauchen eine Stromerzeugung, die auch dann funktioniert, wenn gerade kein Wind weht, wenn gerade keine Sonne scheint – eine Stromerzeugung, die durchgehend verlässlich ist“. Die Grenze der Belastbarkeit durch den Ausbau der Windkraft in Brandenburg sei erreicht. 
Bliesendorfs Ortsvorsteherin Eveline Kroll, die auch Vorsitzende der Bürgerinitiative Bliesendorf ist, betonte, dass die Windkraftanlagen in dem großen zusammenhängenden Waldgebiet nicht vom Tisch sind. „Nachdem die Stadt Werder die drei beantragten Windkraftanlagen abgelehnt hatte, bekamen wir viele positive Rückmeldungen von Bürgern, die dann aber meinten, der Fall ist erledigt, der Windpark Werder kommt nicht“. Das sei aber keineswegs der Fall, das Windeignungsgebiet 24 Bliesendorfer Heide sei noch immer im Regionalplan Havelland-Fläming ausgewiesen. Es geht hier um bis zu 50 Windräder mit Höhen um die 220 Meter, die geplanten Windkraftanlagen wären damit die größten der Welt.
Der Wald wird für nur eine einzige Windkraftanlage wie ein Schachbrettmuster fragmentiert, informiert Eveline Kroll. Pro Standort einer einzigen Windkraftanlage werden ca. 7.500 Quadratmeter zerstört, die Waldwege müssen auf rund zehn Meter verbreitert werden. Dort entlang werden die Stromkabel verlegt. Für nur einen Standort müssen 450 Waldbäume und für die Zuwegungen nochmal 350 Waldbäume gefällt werden. Mehrere tausend Tonnen Stahlbeton sind nötig, um im Waldboden den Stand der Anlage zu sichern. Stahlbeton, der selbst nach dem Abriss einer Windanlage sicherlich nie wieder aus dem Boden geholt werden wird. Die Effekte auf Natur, Tierwelt, Böden und Wasserkreisläufe und natürlich auch die Lebensqualität der Menschen sind katastrophal. Zum Vergleich: Wälder speichern pro Jahr und Hektar rund zehn Tonnen CO2, wie die Bundesinitiative Vernunftkraft e.V. in ihrem „Kompendium“ für eine vernünftige Energiepolitik schreibt (www.vernunftkraft.de). Zudem ist die gesundheitliche Belastung der Menschen durch den Infraschall nicht ausreichend erforscht, gilt aber als auf verschiedene Weise schädigend. 
„Wo aber soll der Strom denn herkommen“, fragt sich jeder, der die ambitionierten Pläne von der Energiewende betrachtet. „Wind und Sonne“ kann eigentlich nicht die ausschließliche Antwort sein, denn bisher wird entweder zu viel oder zu wenig geliefert, das Netz ist nicht ausgebaut, verlässliche Technologien zur Speicherung sind derzeit nicht in Sicht. Strom aus Wind und Sonne wird zufallsabhängig produziert. Und gesammelte meteorologischen Wind-Daten lassen die Vermutung zu, dass Großwetterlagen europäisch betrachtet werden sollten, ebenso die Sinnhaftigkeit eines Netzausbaus, der wachsende Leistungsspitzen bei der Einspeisung glätten und regeln soll.
Beim 7. Aktionstag „Rettet unseren Wald“ gibt es am 3. Juni ab 11 Uhr in Bliesendorf wieder einen Familienwandertag mit Waldfest. Neben dem Rahmenprogramm gibt es für alle Interessierten Stände mit Informationen zur Bürgerinitiative. Die Termine des regelmäßigen Bliesendorfer Stammtisches findet man auf www.waldkleeblatt.de. (wsw)