Wie das Klosterstädtchen Werder wurde, was es ist – eine ganz besondere Stadt

Werder (Havel), 8. März 2017 – Eine Tagung der Brandenburgischen Historischen Kommission e.V. des Brandenburgischen Hauptarchivs und der Landesgeschichtlichen Vereinigung für die Mark Brandenburg e.V. findet am Samstag, dem 18. März 2017, auf der Bismarckhöhe statt. Beginn ist um 10, Ende gegen 17 Uhr. In fünf Vorträgen bieten Historiker und Archivare einen allgemeinverständlichen Überblick über die Entwicklung Werders und seiner Bürger von der urkundlichen Ersterwähnung 1317 bis zum Untergang der DDR 1990. Dabei werden die wesentlichen Vorgänge und Verhältnisse der Stadt in den Gang der brandenburgischen Landesgeschichte eingeordnet, um zu verdeutlichen, wie die Geschicke immer wieder von grundlegenden Entscheidungen der obersten staatlichen Instanzen in politischen, wirtschaftlichen und sozialen Angelegenheiten abhingen und wie die Bürgerschaft dabei trotzdem ihre Eigenschaft bewahrte.

Was sich hier in der reinen Ankündigung vielleicht sehr, sehr trocken liest, ist in Wirklichkeit überaus lebendig! Denn gerade – aber nicht nur im Jahr des Jubiläums der Stadt ist die Geschichte Werders spannend, lebendig und interessant. Selbst ausgewiesene Kenner der reichen Historie werden immer wieder mit Details überrascht.

Bei der Vorstellung des Programms der Tagung präsentierte der Direktor des Landeshauptarchivs, Prof. Dr. Klaus Neitmann, heute gemeinsam mit Werders Bürgermeisterin Manuela Saß im Golmer Landeshauptarchiv wertvolle Originaldokumente zu Werders Geschichte. Neitmann – als ausgewiesener Kenner der mittelalterlichen deutschen Geschichte, der Geschichte des Deutschen Ordens sowie der brandenburgischen und preußischen Geschichte – berichtete schon bei dieser Gelegenheit mitreißend und detailreich aus der wechselvollen Geschichte der Stadt Werder (Havel).

Die Urkunde vom 5. April 1317 und noch mehr die entsprechenden Seiten des Buches vom 26. April 1317 – beide auf Pergament –  künden von der Übernahme des Klosters Lehnin, nachdem Markgraf Woldemar von Brandenburg über seinen Truchseß Sloteko das „Oppidum“, den Flecken Werder verkaufte. Verkaufen musste – denn er war etwas klamm, die Kriegskasse leer. Das Kloster verfolgte mit dem recht teuren Kauf eine für damalige Verhältnisse vorausschauend zu nennende Wirtschafts- und Finanzplanung. Lehnin war bestrebt, die Havel im östlichen Umfeld seines Landbesitzes in seine Verfügungsgewalt zu bringen – von Potsdam im Nordosten bis nach Ferch im Südosten und nach Paretz und Marquardt im Norden, wegen der dortigen lukrativen Fischerei.
Zwar brauchten die Mönche die Fische auch für den eigenen Bedarf. Wenn aber die Fischer ihren Fang auf dem Markt verkaufen wollten, waren sie dem Inhaber des Fischereirechtes zur Zahlung eines Zolls verpflichtet, so dass die Mönche auch stark vom Fischhandel profitierten. Und so wurde mit Werder die Planung vervollständigt – denn hier wurde der Fischzoll erhoben. 225 Jahre bis zur Auflösung des Klosters Lehnin hatten hier also die Mönche das Sagen.

Dass Werder 1317 neben der Nennung in der Urkunde auch in einem Buch „verewigt“ wurde und damit sicher ist, dass die Stadt in diesem Jahr das richtige Jubiläum feiert, hatte einen besonderen Grund: Das Kloster war in einige Rechtsstreitigkeiten verwickelt. Um nun immer beweisen zu können, welche Rechte, Genehmigungen oder Besitztümer tatsächlich und urkundlich den Lehniner Mönchen zustanden, wurden die entsprechenden Dokumente fein säuberlich in diesem Buch aufgeschrieben. Die Richtigkeit der Abschriften wurden sogar von damaligen „Notaren“ bestätigt.

Wie die Bürgermeisterin sagte, hätten bereits die Besucherzahlen der Veranstaltungen zur Stadtgeschichte in der Kreisvolkshochschule überrascht. „Bei diesem großen Interesse überlegen wir, die Reihe fortzusetzen“, kündigte sie an. (low)

Die Geschichte der Stadt Werder an der Havel

Eingeladen zu der Tagung am 18. März sind ausdrücklich Interessierte. „Das ist keine Veranstaltung für Fachleute“, betont der Direktor des Landeshauptarchivs, Prof. Dr. Klaus Neitmann. Angesprochen ist das „breite Publikum“, das sich für die Geschichte Werders interessiert. Seine Fachkollegen hat er ausdrücklich gebeten, die Vorträge verständlich zu formulieren. Bürgermeisterin Manuela Saß, die an diesem Tag auf der Bismarkhöhe dabei sein wird, freut sich darauf, mehr über die Geschichte der Stadt – eingeordnet in die damalige brandenburgische Entwicklung zu hören. Sie rechnet mit 150 Gästen. „Wir können aber immer noch Stühle dazustellen“, lädt sie die Werderaner auf die Bismarkhöhe ein. Der Eintritt ist frei!


Programm
10 Uhr
Grußworte
Einführung in die Tagungsthematik (Prof. Dr. Klaus Neitmann)
Vorträge
„Vom Klosterstädtchen zur kurfürstlichen Amtsstädtchen: Werder im Spätmittelalter und im konfessionellen Zeitalter (13. – 16. Jahrhundert) – Prof. Dr. Klaus Neitmann
„Zwischen landesherrlicher Reglementierung und beschränkter Selbstverwaltung: die brandenburgischen Städte in der Zeit vor dem Dreißigjährigen Krieg bis zur Preußischen Städtereform – Prof. Dr. Frank Göse

12.30 Uhr Mittagspause

14 Uhr
Vorträge

„Werder: Zur Entstehung einer ganz besonderen Stadt der Provinz Brandenburg im 19. Jahrhundert“ – Prof. Dr. Wolfgang Radtke
„Die ‚Blütenstadt‘ wird braun: Werder in der Weimarer Republik und unter der NS-Herrschaft (1919 – 1945) – Prof. Dr. Hartmut Röhn
„Die ‚Blütenstadt‘ im Sozialismus: Werder zwischen 1945 und 1990“ – Dr. Burghard Ciesla

17 Uhr Ende der Veranstaltung