Wirtschaftstage mit Blick in die Zukunft

Sven Fox, Marketingchef von Herbstreith & Fox, im Gespräch. Fotos (6): werderfoto.de

Werder (Havel), 23. Oktober 2017 – Entscheidungsfreude, Konzentrationskraft, gute Mitarbeiterführung, Motivation – wenn man im Rennsport Erfolg haben will, benötige man ganz ähnliche Eigenschaften wie für das Unternehmensmanagement. „Es gibt viele Parallelen zwischen der Formel 1 und dem Wirtschaftsleben“, sagte Norbert Haug am Freitagabend im Ballsaal der Bismarckhöhe. Der ARD-Motorsportexperte, der mehr als 22 Jahre lang als Motorsportchef von Mercedes tätig war, war prominenter Gast der Werderaner Wirtschaftstage.

Beim abendlichen Get-together von rund 100 Werderaner Unternehmern war er auf der Bühne mit TV-Moderatorin Verena Wriedt im Gespräch. Norbert Haug erzählte von seinen Rennsiegen mit den Silberpfeilen, seiner Zusammenarbeit mit Renngrößen wie Mika Häkkinen und Lewis Hamilton, die unter Haugs Regie 1998, 1999 und 2008 Weltmeistertitel in der Formel 1 erringen konnten. 2014, im Jahr von Haugs Abschied, dominierte Mercedes die Formel 1 und wurde mit Lewis Hamilton und Nico Rosberg Doppelweltmeister.

Sein Erfolgsrezept beim Rennsport: Gas geben, wenn andere bremsen, nicht aus der Kurve fliegen. Auch als Unternehmer müsse man Mut fassen, eigene Wege gehen und loslegen, wo andere sich nicht trauten, sagte Norbert Haug. Auf die Frage aus dem Publikum, wie er mit Niederlagen umgegangen ist, antwortete er: „Rennen gewinnen, cool bleiben.“ Die Werderaner Unternehmerschaft folgte dem Interview mit großem Interesse, immer wieder gab es Zwischenapplaus.

Motorsportlegende Norbert Haug im Interview mit der TV-Moderatorin Verena Wriedt.

Zum Beginn des Abends war die Runde von Bürgermeisterin Manuela Saß und Werders 1. Beigeordnetem Christian Große begrüßt worden. Manuela Saß betonte, dass es vor allem Unternehmer seien, die dafür sorgten, dass es Werder (Havel) gut gehe, es fast keine Arbeitslosen gebe und die Stadt liebens- und lebenswert sei. „Gemeinsam können wir viel bewegen.“ Christian Große hob hervor, dass die Wirtschaftstage, die zum diesjährigen 700. Stadtjubiläum belebt wurden, künftig wieder zweijährlich stattfinden sollen. Das Gespräch zwischen Kommune und Wirtschaft solle stärker gepflegt, Schule und Wirtschaft zusammengebracht werden.

Der Abend diente auch einem gute Zweck: Damit Kinder aus sozial schwachen Familien an einer im kommenden Jahr geplanten Ferien-Fußballschulen in Werder (Havel) teilnehmen können, wurden, unter anderem durch die Versteigerung einer Dreiviertel-Jubiläums-Feinsilber-Medaille, insgesamt 600 Euro eingenommen. Zum Stadtjubiläum hat die Stadt mit der Prägung von 243 3/4-Feinsilber-Medaillen an den Preis erinnert, zu dem die Lehniner Zisterziensermönche im Jahr 1317 Werder erworben hatten. Die Dreiviertel-Medaille ist ein Unikat.

Werders Bürgermeisterin Manuela Saß mit der Edeka-Inhaberin Katrin Schneider mit der Dreiviertel-Münze, die sie beim get-together ersteigerte.

Der Samstag stand unter dem Motto „Schule trifft Wirtschaft“. Zahlreiche Unternehmen stellten ihre Produkte, Ausbildungs- und Stellenangebote an Ständen vor, darunter der Pektin-Hersteller Herbstreith & Fox oder die Werder-Frucht-Gruppe, die in ihren Unternehmen jeweils rund 20 Ausbildungsplätze in unterschiedlichsten Berufen haben. Auch Unternehmen wie die Karina Hauskrankenpflege waren dabei, bei der sich zur Zeit drei junge Frauen zur Examinierten Altenpflegerin weiterqualifizieren. Oder der Rittmeister in Kemnitz mit neun Ausbildungsplätzen für werdende Restaurant- oder Hotelfachfrauen und -männer.

Wolfgang Spieß vom Geschäftsbereich Bildung der IHK Potsdam berichtete von den vielfältigen Initiativen seiner Kammer, dem Fachkräftemangel im Land entgegenzuwirken, darunter die Kampagne „Mach es in Brandenburg“. Auch die Wirtschaftstage in Werder seien ein guter Start, mehr Jugendliche für einen Ausbildung in der Region zu gewinnen. Noch zu viele Brandenburger Jugendliche pendelten zur Ausbildung nach Berlin, weil Ausbildungsmöglichkeiten in der Region oft nicht bekannt seien.

Wirtschaftsinformatiker Professor Jochen Scheeg von der TH Brandenburg (Havel) sprach in einem Vortrag über die Chancen der Digitalisierung in Unternehmen und berichtete über die jüngst erfolgte Gründung eines An-Instituts der TH, dem Institut für Innovations- und Informationsmanagement, das Unternehmen bei ihren Digitalisierungsvorhaben unterstützt. Kundenbedürfnisse, Technologien und Geschäftsmodelle würden sich im Internet-Zeitalter ändern. Unternehmen müssten darauf mit guten Ideen reagieren. Er nannte Beispiele wie die IceGuerilla, Zemmler Siebanlagen oder Bett & Kanu, wo dies mit Unterstützung des neuen Instituts bereits gelungen sei.

Werders 1. Beigeordneter Christian Große mit Prof. Dr. Jochen Scheeg von der TH Brandenburg nach seinem Vortrag zur Digitalisierung im Mittelstand.

Christian Große sprach nach den Wirtschaftstagen von einem guten Auftakt für eine Belebung der Reihe, wobei er sich gerade dem zweiten Veranstaltungstag mehr Publikum gewünscht hätte. Für die nächsten Wirtschaftstage im Jahr 2018 soll unter Einbeziehung weiterer Partner das Konzept geschärft werden, um eine deutlich bessere Beteiligung gerade bei Jugendlichen zu erreichen. (red)

Gerald Mai und Karin Lorenz vom Tannenhof - im Gespräch mit Bliesendorfs Ortsvorsteherin Eveline Kroll.
Michaela Danner unterhielt virtuos das Publikum der Werderaner Wirtschaftstage.