Zeitplan für Bahnunterführung verschiebt sich

Projektvorstellung des Landesbetriebes für Straßenwesen - hier Planung Tunnel.

Werder (Havel), 1. Juni 2017 – Wie die Stadt heute mitteilte, soll die Bahnunterführung in Werder (Havel) auf der Achse der Phöbener Straße gebaut werden. Frühere Planungen, die Unterführung durch die Hausgärten zur Elsastraße zu führen, sind vom Tisch. Darüber haben der Abteilungsleiter Verkehr des brandenburgischen des Verkehrsministeriums, Egbert Neumann, und der Dezernatsleiter Planung des Landesbetriebs Straßenwesen Potsdam, Frank Schmidt, die Stadt und mehrere Stadtverordnete von Werder (Havel) am Dienstag informiert.

Die Stadtverordneten hatten ursprünglich Verkehrsministerin Kathrin Schneider gebeten, offene Fragen zur Verkehrsinfrastruktur in der Stadt zu beantworten, insbesondere zur Bahnunterführung, die schon seit den 90er-Jahren im Gespräch ist. Die Ministerin bot ein Gespräch mit ihrem Abteilungsleiter und dem Chefplaner des Landesstraßenbetriebs an, das die Stadtverordneten als Vorgespräch für einen Termin mit Kathrin Schneider verstanden wissen wollten. Es wurde nochmal deutlich gemacht, dass die Einladung an die Ministerin aufrecht erhalten bleibt.

Wiederholt hatte das Land den bevorstehenden Start eines Planfeststellungsverfahrens für die Bahnunterführung für 2015 angekündigt, jetzt soll es Ende 2018 so weit sein. Chefplaner Frank Schmidt betonte zunächst, dass auch das Land großes Interesse an der Beseitigung des Bahnüberganges habe. Die L90 habe als regionale und überregionale Verkehrsachse große Bedeutung, bei 7000 Kraftfahrzeugen täglich laut letzter Zählung und Schließzeiten von neun Stunden am Tag gebe es häufig erhebliche Rückstaus.

Der Landessstraßenbetrieb plane seit Mai 2011 an dem Projekt. Zuletzt hätten eine Folgenabwägung und die komplexe Detailplanung an jeder Grundstückszufahrt  zu erheblichen Verzögerungen geführt. Wegen des Bebauungsdrucks und der zu erwartenden Widerstände habe man sich im Januar 2016 von der Idee verabschiedet, die Unterführung in einer Kurve durch die Hausgärten auf die Elsastraße von dort auf den neuen Kreisel zu führen.

Projektvorstellung des Landesbetriebes für Straßenwesen – hier Planung Tunnel.

Die Unterführung soll nun in der bestehenden Straßenachse entstehen. Die anliegenden Grundstücke sollen durch Einbahnstraßen seitlich vom Tunnel erschlossen werden. Durch die neue Troglage der L90 werde es für die Anlieger erheblich leiser werden. Platz für Rad- und Gehwege in der Unterführung werde es wegen der engen Grundstückssituation nicht geben. Vielmehr sollen Fußgänger und Radfahrer entlang der Eisenbahnstraße zum Bahnhof geführt werden, wo neben dem vorhandenen ein neuer und breiterer Tunnel mit Rampen entstehen soll, der sowohl als Unterführung als auch zur Anbindung der Bahnsteige dienen wird.

Projektvorstellung des Landesbetriebes für Straßenwesen – hier die geplanten Fuß- und Radwegänderungen.

Letzte Details müssten laut Frank Schmidt noch mit der Bahn abgestimmt werden. Er rechne damit, dass bis Ende kommenden Jahres die Planfeststellungsunterlagen erarbeitet werden können. Danach könne das Planfeststellungsverfahren beginnen, dessen voraussichtliche Dauer Frank Schmidt mit zwei Jahren angab. Nach Ausführungsplanung, Ausschreibung und Vergabe könnten ca. 2022 die Bauarbeiten beginnen, die wiederum rund drei Jahre, also bis 2025, dauern würden. Er rechne mit Kosten von etwa 20 Millionen Euro für das Projekt.

Projektvorstellung des Landesbetriebes für Straßenwesen – hier der Fußweg- und Radtunnel.

Egbert Neumann bestätigte den Zeitplan, im Landesstraßenbetrieb habe die Stadt einen Partner mit einem guten Arbeitsverhältnis zur Region.

Der Stadtverordnete und Alt-Bürgermeister Werner Große sagte, das Land habe die Stadt Werder viele Jahre mit der L90 hängenlassen, auch was den immer noch nicht abgeschlossenen Ausbau der Verkehrsachse im Stadtbereich betrifft. Dass es zu weiteren Verzögerungen bei der Bahnunterführung kommt, sei kaum noch nachzuvollziehen. Auch die Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung Annette Gottschalk äußerte Kritik und erinnerte daran, dass vom Land zuletzt ein Beginn des Planfeststellungsverfahrens im Jahr 2015 in Aussicht gestellt worden sei.

Bürgermeisterin Manuela Saß schloss sich der Kritik an, zumal die Bahnüberführung auch ein Hindernis bei der Weiterentwicklung des ÖPNV-Konzeptes „powerbus“ darstelle. „Durchgehende Busverbindungen aus Phöben und insbesondere aus den Havelauen über die Bahngleise werden nun auf lange Sicht unmöglich bleiben“, so die Bürgermeisterin. Hoffungsvoll stimme sie, dass mit der Trassenführung entlang der bestehenden Strecke erhebliches Konfliktpotenzial bei Anliegern beseitigt werde. Frühzeitig müssten jetzt die Anwohner eingebunden und die Planungen für eine Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes abgestimmt werden, um neue Verzögerungen zu vermeiden.

Auch andere Themen wurden in der Runde angesprochen. Was den Schienenverkehr angeht, sprach Abteilungsleiter Egbert Neumann  von Überlegungen im Rahmen des Nahverkehrsplans 2018-2022, ab dem Jahr 2022 den Takt des RE 1 zu verdichten. Auch zum Thema Zeppelinstraße in Potsdam äußerte er sich. Zwar sei nachvollziehbar, dass die Landeshauptstadt die Schadstoffe auf der B1 begrenzen will, es fehle aber bei dem Thema an einer „Kommunikation auf Augenhöhe mit Partnern und Nachbarn“. Für die anstehenden Tests, die Schadstoffe durch eine Einspurigkeit der Zeppelinstraße zu begrenzen, fehle als Schlüsselelement eine Busspur zwischen Potsdam und Geltow.

Erfreut zeigten sich die Stadtverordneten von der Ankündigung der Landesvertreter, dass im kommenden Jahr die Deckschicht auf der L90 zwischen den Havelauen und dem Ortseingang Phöben erneuert werden soll. Weiterhin sei geplant, mit dem Bau des Radwegs zwischen Glindow und Klaistow in Verbindung mit einem neuem P+R Parkplatz an der Autobahnauffahrt zu beginnen. (wsw/red)