Stau in der Zeppelinstraße – Sagt Potsdam die Meinung!

Werder (Havel), 5. Juli 2017 – Es ist das Dauerthema – nicht nur am „Stammtisch“, der ja heutzutage in den sozialen Medien wie Facebook oder Twitter stattfindet – der Stau in der Zeppelinstraße. Schleichwege sind längst viel befahren, auch wer auf den Bus umsteigt, kann im Stau stehen.
Auch wenn das Anliegen des Versuches – Reduzierung der Schadstoffe und bessere Möglichkeiten für die Radfahrer – sicher ein lobenswertes Anliegen sind, scheint die Umsetzung nicht recht zu gelingen. Der Unmut wächst. Dass viele Pendler einfach auf ihr Auto angewiesen sind und nicht nur starrköpfig auf ihren Mobiliätsanspruch beharren, wird in den Augen der Betroffenen an den verantwortlichen Stellen „ausgeblendet“.

Betroffen ist auch Geltow, der Rückstau reicht in Spitzenzeiten bis in die Mitte des Ortes. Und wenn dann, wie jetzt angekündigt, auch dort Bauarbeiten stattfinden werden, könnte es noch schlimmer werden. Im Rahmen der Baumaßnahmen des neuen Rewe-Marktes sollen in den Sommerferien, in der 32. bis 35. Kalenderwoche, Straßenbauarbeiten – verbunden mit einer halbseitigen Sperrung – stattfinden. Die geplante Linksabbiegerspur soll das Abbiegen zum Supermarkt erleichtern. Zudem soll es eine dreitägige Vollsperrung im August geben – allerdings an einem Wochenende.

Peter Kreilinger, der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CDU Werder (Havel) macht darauf aufmerksam, dass sich jeder Betroffene zumindest zu Wort melden kann, um seinen Unmut an der richtigen Stelle los zu werden. Er formulierte folgenden Aufruf:

Liebe Werderaner Mitbürger,
leiden auch Sie unter dem egoistischen Unfug, den die Stadt Potsdam mit der Zeppelinstraße treibt? Dann ärgern Sie sich nicht nur im Privaten, sondern machen Sie Ihrem Unmut Luft! Schreiben Sie an ‚zeppelinstrasse@rathaus.potsdam.de‚. Von kundiger Stelle erreichte mich die Information, dass die Damen und Herren in Potsdam allen Ernstes glauben, die allermeisten Umlandbewohner hätten nichts gegen den neuen Dauerstau, weil sich „ja kaum jemand beschwert“. Helfen Sie mit, dass dieser falsche Eindruck uns nicht die Behauptung eines „erfolgreichen Pilotversuchs“ und damit eine dauerhaft verstopfte Zeppelinstraße beschert. Sagen Sie den Potsdamer Bürokraten – oder besser gesagt den „Potsdamer Burgherren mit Zugbrücke“ Ihre Meinung!

Hintergrund:
Vor etwa einem Jahr durfte ich als Vertreter der SVV Werder (Havel) im Potsdamer Rathaus zur Zeppelinstraße reden. Wie viele andere Vertreter der Umlandgemeinden habe ich deutlich gemacht, dass die repressiven Änderungen ohne ausreichende Alternativen ein Angriff auf die Mobilitätsbedürfnisse der Bevölkerung in den betroffenen Nachbarkommunen und letztlich nichts anderes als ein Diebstahl unserer Lebenszeit sind. Wie bekannt ist, hat die Stadt Potsdam sich nicht wirklich um die Interessen und Widerstände der Nachbarn geschert. Um aber so zu tun, als handele man verantwortungsvoll, hat man entschieden, die Einengung der Zeppelinstraße als „Modellversuch“ durchzuführen. Dieser Versuch – mit uns Werderanern als Teil der Versuchskaninchenmasse – läuft aktuell. Die Stadtverwaltung Potsdam hat angeordnet, die sogenannte „Pförtnerung“ (die Aussperr-Ampel) in Pirschheide deutlich zurückzufahren und so einen unehrlichen Eindruck zu erzeugen. Denn statt der am Ende kommenden Kombination zweier repressiver Maßnahmen erleben wir derzeit nur eine davon. Dennoch hat sicher jeder von Ihnen schon erlebt, wie man zwischen Pirschheide und Breite Straße locker mal eine halbe Stunde vergeuden kann.

Wenn wir jetzt aber unseren Frust in uns hineinfressen, statt den Verantwortlichen deutlich zu machen, was wir davon halten, sind wir mit schuld an dem Unsinn, der uns dann erwartet!

Deshalb bitte ich Sie: Wenn Sie die Einengung der Zeppelinstraße in Potsdam schlecht finden, schreiben Sie das an ‚zeppelinstrasse@rathaus.potsdam.de‚. Ich selbst habe es schon getan (s. Anlage) – es reichen sicher auch drei Zeilen, Hauptsache die schweigende Mehrheit der Betroffenen macht sich bemerkbar!

Mit herzlichen Grüßen
Peter Kreilinger
Stellv. Fraktionsvorsitzender der CDU Werder (Havel)


Hier auch der Text seiner Zusendung:
Sehr geehrte Damen und Herren bessere Menschen in Potsdam,
ich weiß ja, dass man aus Potsdamer Sicht – zumal als „Hauptstädter“ der Mark Brandenburg – ein besserer Mensch ist. Und dass die eigenen Rechte „natürlich“ weit über denen irgendwelcher niederer Umlandbewohner stehen. Und ich bin mir im Klaren – angesichts von Aussagen „die Einengung kommt in jedem Fall“, dass Zuschriften wie diese frustran sind, weshalb wohl auch 99,99% der Betroffenen gar nicht erst schreiben, sondern ihre Wut in sich hineinfressen und sich sagen „nicht noch mehr Lebenszeit stehlen lassen von den Potsdamern, interessiert dort eh niemand, was wir sagen und wie wir uns drangsaliert fühlen“.

Dennoch will ich auch auf diesem Wege sagen: Es ist Irrsinn, was Sie in der Zeppelinstraße veranstalten. Sie erzeugen einen Dauerstau, der Umlandbewohnern wie mir massiv Lebenszeit stiehlt und gleichzeitig den Anwohnern überhaupt nichts bringt. Mitten am Tage (11.00 Uhr) habe ich neulich annähernd 40 Minuten gebraucht von Pirschheide bis Luisenplatz. Das über meine Verspätung tel. informierte Gericht meinte nur „wo sind Sie – in der Zeppelinstraße? Naja, das wird etwas Längeres“.

Abgesehen davon, dass wir in Deutschland bald zusperren können, wenn man bequem an eine Haupterschließungsstraße ziehen kann, um dann zu fordern, diese müsse zu einer Spielstraße werden, weil es sonst nicht schön zu wohnen sei: Glauben Sie ernsthaft, dass der jetzt erreichte Zustand die Leute in der Zeppelinstraße über niedere Gefühle nach dem Motto „wen ich nicht mag (den bösen, stinkend und laut vorbeifahrenden Kraftfahrer), den seh ich gerne leiden“ hinaus irgendwie glücklicher macht?

Und was erwarten Sie eigentlich? Das wir künftig alle mit dem Fahrrad egal bei welchen sintflutartigen Regenströmen von Werder bis nach Teltow fahren?

Sie bieten gleichzeitig NULL  taugliche Alternativen! Wo sind Ihre Bemühungen um einen 20-Minuten-Takt beim RE 1 ganztags? Wo sind Ihre Bemühungen für eine Verbindung Brandenburg-Werder-Golm-Spandau? Wo sind Ihre deutlichen Worte an Ihre Genossen in der Landesregierung, dieses Angebot, das sich sogar selbst finanzieren würde, endlich zu schaffen? Wo ist der großmächtige Oberbürgermeister der Landeshauptstadt, wenn seine Partei entscheidet, zwar ohne weiteres eine Milliarde mehr für den BER, aber keinen Cent für eine Stammbahn oder einen Zuschuss zur Erweiterung des Bahnhofs Spandau zu haben? Lehnen Sie sich ruhig zurück, weil eine Zeitung geschrieben hat, es führen ab 2021 vier RE-1 Züge die Stunde, während Frau Schneider in Wahrheit nur von dreien spricht und auch das nur in der HVZ (Hauptverkehrszeit – ein Kürzel, das man ihr erst erklären musste, weil sie ausweislich ihrer Aussagen gar nicht kapiert hatte, dass HVZ und ganztags ein nicht ganz kleiner Unterschied ist…)?

Ich fahre nicht nach Potsdam, weil es mir Spaß macht. Zum  Einkaufen oder für Restaurants, Dinge, die man gut auch andernorts erledigen kann – meide ich die Stadt längst wie der Teufel das Weihwasser. Dumm nur, dass ich beruflich dorthin muss, wo das Justizzentrum ist. Dumm auch, dass Theater und Konzertsäle mit Mitteln aller Steuerzahler in Potsdam konzentriert sind, weil man als Oberzentrum ja die Umgebung mitversorgt. Dumm ebenso, dass die Kliniken in Potsdam zentralisiert sind. Dumm auch, dass es kaum einen Weg z.B. zu unserer Kreisverwaltung in Teltow gibt, der mich nicht durch Potsdam oder auf die dauerstauende Autobahn führt. Aus allen diesen Gründen bin ich gezwungen, ab und an nach Potsdam zu fahren, so zuwider mir dies angesichts des eklatant egoistischen und überheblichen Verhaltens gegenüber den Nachbarkommunen längst ist.

Ihre Funktion als Oberzentrum ist nicht nur ein Recht. Sie ist auch eine Verpflichtung! Sie nehmen meine Steuern für Ihre Theater, meine Steuern für Ihre Parks, meine Steuern für Ihre Kliniken und meine Steuern für Ihre Behörden- und Justizzentren. Und dann sperren Sie mich aus? Und verweisen auf die tolle Kompensation, dass jetzt ja ein oder zwei Busse zusätzlich fahren, die ganze 100 Leute mehr befördern können, während die Züge übervoll sind. Unfassbar!

Ich fordere Sie eindringlich auf: Nehmen Sie Vernunft an und schaffen Sie ERST Alternativen in der Stückzahl, in der Sie PKW verdrängen wollen, und DANACH können Sie auf Repression setzen. Denn Repression gegenüber Menschen ohne Alternative ist in Wahrheit Insultation!

Mit freundlichen Grüßen
Peter Kreilinger