Zeppelinstraße: Stadt Werder (Havel) kritisiert „Experiment am Bürger“  

Werder (Havel), 9. Juni 2017 – Die Stadt Werder hat der Landeshauptstadt Potsdam erneut das Gespräch zur Schadstoffentlastung in der Zeppelinstraße angeboten. Dazu informiert die Stadt heute in einer Pressemitteilung. „Eine Verbesserung der Luftwerte in der Zeppelinstraße kann nur durch ein gemeinsames Maßnahmenpaket aller Beteiligten erreicht werden, zu dem auch ein guter Verkehrsfluss gehören muss. Das Pfingsten begonnene Experiment am Bürger ist, wie sich schon nach den ersten Tagen zeigt, vermutlich zum Scheitern verurteilt“, sagt demnach Werders 1. Beigeordneter Christian Große.
Offensiv sei aus dem Potsdamer Rathaus kommuniziert worden, dass mit der probeweisen Einengung der Zeppelinstraße jedes fünfte Kraftfahrzeug aus der Stadt ausgesperrt werden soll. „Bis heute unbeantwortet ist unsere Frage geblieben, wie das mit diesem Versuch funktionieren soll und wie diese Nutzer von täglich 5.000 Kraftfahrzeugen denn ihre Ziele anders erreichen sollen“, so Christian Große.
Insbesondere eine Busspur bis nach Geltow und ein Radschnellweg von Werder nach Potsdam seien fehlende Elemente in dem Versuch, wie Werders 1. Beigeordneter weiter sagt.  „Die Stadt Werder  hat bereits mit dem Landkreis und der regiobus Potsdam Mittelmark dafür gesorgt, dass die Busse dank unseres powerbus-Konzeptes öfter von Werder nach Potsdam pendeln.“ Der ÖPNV könne aber nur eine Alternative sein, wenn die Busse nicht weit vor dem Potsdamer Stadteingang mit im Stau stünden.
Auch der vielgepriesene Umsteigepunkt Pirschheide sei für Pendler nicht erreichbar. Was als Alternative ebenfalls fehle, sei ein gut ausgebauter Radschnellweg von Werder nach Potsdam. „All diese Defizite werden nicht zu der gewünschten höheren Akzeptanz des ÖPNV oder des Fahrrads beitragen.“ Doch Potsdam wolle mit seinen Nachbarn nicht über diese Themen reden.
Selbst der zuständige Abteilungsleiter des brandenburgischen Infrastrukturministerium habe gegenüber Werderaner Stadtverordneten unlängst Unverständnis über das Agieren der Landeshauptstadt geäußert und eine „fehlende Kommunikation auf Augenhöhe“ kritisiert.
Moderationsangebote des Infrastrukturministeriums seien ausgeschlagen worden, wie der Abteilungsleiter weiter erklärt hatte. „Genau das ist auch unserer Problem: Potsdam agiert nach Gutsherrenart“, so Christian Große.
Ein einstimmiger Beschluss der Stadtverordneten der Stadt Werder (Havel), die am meisten von dem Versuch betroffen ist, sei einfach übergangen worden. Zum Kommunikationsstil gehöre auch, dass die Potsdamer Verwaltung mit einer unabgestimmten Verlängerung des Versuchs auf bis zu zehn Monate über eine Empfehlung der eigenen Potsdamer Stadtverordneten für einen lediglich drei- bis sechsmonatigen Versuch hinweggeht. Die Luft in der Zeppelinstraße werde nicht sauberer werden, wenn das Potsdamer Rathaus mit unabgestimmten Aktionen alle vor den Kopf stößt.
Christian Große bezweifelt, dass der Versuch der Einengung der Zeppelinstraße Erfolg haben wird. „Heute morgen waren im Inforadio die ersten Bewohner der Zeppelinstraße zu hören, die angesichts des Dauerstaus selbst nicht daran glauben.“ Stau, Schritttempo und ständige Brems- und Beschleunigungsmanöver von Tausenden Kraftfahrzeugen seien kaum ein Weg, den Schadstoffausstoß zu reduzieren.
Christian Große: „Ich befürchte, dass Potsdam nach einem Scheitern dann im kommenden Jahr ein Dieselverbot aussprechen wird. Dabei glaube ich nach wie vor, wir könnten durch ein gemeinsames und vom Land unterstütztes Maßnahmepaket  mehr für die Luftreinheit in der Zeppelinstraße erreichen.“