Zwei verdiente Werderaner im  Goldenen Buch: Gitta Nickel und Walter Ihl

Gitta Nickel. Foto: Stadt Werder (Havel)

Werder (Havel), 12. Oktober 2016 – Wie die Stadtverwaltung mitteilte, haben sich am Dienstagabend zwei verdiente Einwohner der Stadt Werder (Havel) ins Goldene Buch der Stadt eingetragen. Die Dokumentarfilmerin Brigitte Nickel-Froh und den Mitbegründer der Jagd- und Hegegemeinschaft Werder (Havel), Walter Ihl. 

Gitta Nickel

Bürgermeisterin Manuela Saß würdigte das Schaffen der 80-jährigen Brigitte Nickel-Froh, vielen auch unter dem Namen Gitta Nickel bekannt. Frau Nickel-Froh wurde 1936 in Briensdorf (heute Borzynowo in Polen) geboren. Die Kriegswirren verschlugen ihre Mutter mit den Kindern nach Blankenburg im Harz. Der Vater war Molkereibesitzer, wurde von den Sowjets verschleppt und starb dann in einem stalinistischen Lager in Moskau.

„Schon in den frühen jungen Jahren schwärmte Gitta, wie sie immer genannt wurde, für die Welt von Glanz und Glamour“, so Bürgermeisterin Manuela Saß. Besonders Marika Röck hatte es Brigitte Nickel-Froh angetan. Sie erlernte zunächst den Beruf der Lehrerin an der Humboldt-Universität in Berlin, den Wunsch nach einer Laufbahn beim Film aber immer noch im Hinterkopf.

„Das hübsche Mädchen mit dem markanten Pferdeschwanz schaffte schließlich den Sprung vom Lehrerdasein auf dem Lande auf den Platz eines Volontärs im Defa-Studio“, so Bürgermeisterin Saß. Brigitte Nickel-Froh lernte das Filmhandwerk bei namhaften Filmemachern von der Pike auf. Ein Lehrmeister war auch der spätere Ehemann Karl Gass. er stellte die Weichen für eine Dokumentation über das Leben im Oderbruch. So entstand der erste eigene Langfilm. Regie und Schnitt erledigte Brigitte Nickel-Froh selbst.

Bürgermeisterin Manuela Saß gratuliert Gitta Nickel. Foto: Stadt Werder (Havel)
Bürgermeisterin Manuela Saß gratuliert Gitta Nickel. Foto: Stadt Werder (Havel)

„Viele Wege öffneten sich ihr um interessante Menschen kennen zu lernen. Um einen Streifen über Polinnen als Gastarbeiterinnen zu drehen, die in der Geflügelzucht in der DDR arbeiteten, stellte sich Gitta Nickel selbst ans Fließband“, so Bürgermeisterin Saß in ihrer Laudatio. Richtig Ärger gab es 1980 mit „Manchmal möchte man fliegen“, einer Dokumentation über Probleme auf der Großbaustelle für Wohnungsbau in Berlin-Marzahn. Eine silberne Taube bei Internationalen Doku-Filmfest in Leipzig rettete  sie haarscharf. Überliefert ist der erzürnte Spruch des Politbürofunktionärs Kurt Hager „Dieses Mal lassen wir sie noch fliegen, das nächste Mal fliegt sie.“

Die Wende brachte dann die große Freiheit. „Es gab viele Kontakte mit hochrangigen Regisseuren und auch mit Hollywood-Größen“, so Bürgermeisterin Saß. Und es gab immer wieder spannende Themen, wie zum Beispiel der Abzug der Russischen Streitkräfte aus Ostdeutschland und das Zusammenwachsen von Ost und West.

1996 zog Brigitte Nickel-Froh nach Werder (Havel). Seit 1998 ist sie mit dem Militärhistoriker Dr. Klaus Froh, dem jetzigen Vorsitzenden des Heimatvereins Werder (Havel) e.V.,  verheiratet und wohnt in einem neuen Eigenheim über den Wipfeln von Werder.

„Gemeinsam mit ihrem Mann engagiert sich Frau Nickel-Froh für ihre heutige Heimat“, so Manuela Saß.  Die Werke der Dokumentarfilmerin seien seit Jahren nicht mehr wegzudenkender Bestandteil der Heimatabende im Schützenhaus. Für Manuela Saß selbst war „Gundula – Jahrgang 58 – bis ans Ende der Welt“ ein besonderer Film.  „Spielt er doch in Neubrandenburg,  der Stadt meiner Jugend. Viele Bilder des Films haben mich an diese Zeit erinnert und ich bin davon überzeugt, dass ihre Filme bei den Zuschauern auch genau diese Erinnerungen wecken.“

Gitta Nickel und Werders Bürgermeisterin, Manuela Saß. Foto: Stadt Werder (Havel)
Gitta Nickel und Werders Bürgermeisterin, Manuela Saß. Foto: Stadt Werder (Havel)

Brigitte Nickel-Froh dankte für die Überraschung, die Eintragung ins Goldene Buch sei eine große Ehre für sie. 20 Jahre lebe sie mit ihrem Mann zusammen in Werder (Havel) – für sie eine produktive Zeit. „Die 30 Filme nach der Wende sind Großteils in Werder entstanden.“  Die Stadt biete ein kreatives Klima. „Ich lebe gern in einer Stadt, die kulturell und landschaftlich so viel zu bieten hat.“

Walter Ihl. Foto: Stadt Werder (Havel)
Walter Ihl. Foto: Stadt Werder (Havel)

Walter Ihl

Die Laudatio für Walter Ihl trug Werders 1. Beigeordneter Christian Große vor. Walter Ihl wurde 1937 in Tetschen (heute Dìèín in Tschechien) geboren und wohnt seit 1957 in Werder (Havel). Er ist seit 1964 verheiratet mit seiner Frau Erika Ihl und hat zwei Kinder. Bis vor der Wende war er hauptsächlich in der LPG in verschiedenen leitenden Funktionen tätig. „Seit 1969 übt er die Jagd aus. Er war seit 1972 Jagdleiter für den Jagdbezirk Werder, wozu die Gebiete Schmergow, Phöben und Werder gehörten“, so Christian Große.

„Seinem maßgeblichen Einsatz ist der Neuaufbau des Jagdwesens in unserer Stadt zu verdanken.“ Walter Ihl war Mitgegründer der Jagd- und Hegegemeinschaft Werder (Havel), in der auch die Jagdgenossenschaft Schmergow und Kemnitz / Phöben intergriert waren.  „In dieser Gemeinschaft war er 1. Stellvertreter des Vorsitzenden und Sprecher für die Jägerschaft in Werder (Havel). Aufgabe war es, die Anforderungen nach dem Jagdgesetz und der Jagdgenossenschaft in der Jägerschaft umzusetzen.“

Seit 1992 war Walter Ihl als Berater für die Behörden, also auch für die Stadt Werder (Havel) gefragt. „Mit der Umwandlung der intensiven Bewirtschaftung in Erholungsgärten gestaltete sich die Stadtjagd sehr schwierig. Er fand aber immer wieder einen Weg zu Minimierung des Wildes in diesem Bereich“, so Christian Große. „Damit hat er einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der Umwelt und des Gleichgewichts Mensch-Natur geleistet.“

Der 1. Beigeordnete, Christian Große, Walter Ihl und die Bürgermeisterin Manuela Saß (v.l.) Foto: Stadt Werder (Havel)
Der 1. Beigeordnete, Christian Große, Walter Ihl und die Bürgermeisterin Manuela Saß (v.l.) Foto: Stadt Werder (Havel)

Von 2009 bis 2013 war Walter Ihl Sprecher der Pächtergemeinschaft und hat durch einen hohen persönlichen Einsatz bei der Organisation von Jagden im Stadtgebiet einen maßgeblichen Anteil an der Bewirtschaftung des Wildes gezeigt. Durch die gute Zusammenarbeit der Jagdgenossenschaft und der Stadtverwaltung Werder (Havel) habe sich Herr Walter Ihl bleibende Verdienst erworben.

Walter Ihl erzählte nach der Ehrung, wie er 1961 mit der Jagd begonnen habe. „Die Situation war eine ganz andere als heute.“ So hätten auf der Jugendhöhe damals Hasenjagden stattgefunden.  „Wildschweine waren eine Rarität“, pro Jahr sei nur eines zur Strecke gebracht worden. „Heute ist das ganz anders. Das Schwarzwild hat sich vermehrt, der Wilddruck muss gemindert werden, um Unfallgefahren und Schäden auf Privatgrundstücken zu vermeiden.“

Bürgermeisterin Manuela Saß und Walter Ihl. Foto: Stadt Werder (Havel)
Bürgermeisterin Manuela Saß und Walter Ihl. Foto: Stadt Werder (Havel)

Inzwischen habe man auch mit Exoten wie dem Waschbären zu tun, der schlau und schwer zu bejagen sei. „Er kann klettern, laufen, schwimmen, nur fliegen kann er nicht“. Nicht nur in Werder, bundesweit seien die Waschbär-Strecken angestiegen.

Der 79-Jährige Walter Ihl hofft, dass sich jüngere Waidgenossen finden, die die wichtige Aufgabe weiterführen.