10 Jahre Kunst-Geschoss – Ausstellung zum Jubiläum

Kunstwerke aus zehn Jahren werden ab dem 28. November 2018 in der Stadtgalerie von Werder (Havel) gezeigt

Alt-Bürgermeister Werner Große, Bürgermeisterin Manuela Saß und Frank W. Weber bei der Vorstellung der Jubiläums-Ausstellung 10 Jahre Kunst-Geschoss. Foto: wsw

Werder (Havel), 20. November 2018 – Mit einer Fundus-Ausstellung ab 28. November 2018 feiert die Stadtgalerie Kunst-Geschoss ihr zehnjähriges Bestehen. Rund 100 Kunstwerke aus verschiedenen Bereichen werden zu sehen sein. Es ist Usus in der Stadtgalerie, dass jeder Künstler, der hier ausstellt, ein Werk überreicht.

Wie alles begann

2002 kaufte die Stadt das Haus, erinnerte sich Alt-Bürgermeister und Ehrenbürger von Werder (Havel), Werner Große, bei der Vorstellung der Jubiläumsausstellung vor Journalisten. Aber eigentlich war es kein Haus mehr – alles war marode. Zu DDR-Zeiten wurden hier Konsumgüter produziert – für den VEB Elektronische Bauelemente „Carl von Ossietzky“ Teltow, der hier eine Außenstelle unterhielt. Es gab nach der Wende Pläne, ein Hotel oder Wohnungen zu bauen. Doch in der unmittelbaren Nähe der Sportanlagen hätte das wohl Probleme gegeben.
So wurde das Haus, das für die Schützengilde 1796 auf Befehl Friedrich Wilhelm II. vom Kesselberg auf die Insel umgesetzt wurde und deshalb so heißt, für Werders Bürgerservice, eine Gaststätte und einem Veranstaltungs-Saal, in dem auch die Stadtverordneten tagen, errichtet. Die Sanierung war umfangreich – das Gebäude musste fast völlig neu gebaut werden. Allein die Front zur Straße zeugt heute noch von der alten Architektur. Im Dachgeschoss sollten eigentlich Räumlichkeiten für die Vereine der Stadt entstehen, erzählte Große. Doch als er mit Mitarbeitern dort oben stand, das Licht durch die Dachverglasung fiel, wurde ihm klar, dass hier eine Galerie hinein müsste. Ausstellungen gab es bis dahin nur im Rathaus. Eine mutige Idee für eine Stadt wie Werder (Havel), sich eine Galerie zu leisten. Und mit der ersten „Bestandsaufnahme“ hätte sich auch gezeigt, welches künstlerisches Potenzial es in der Stadt gebe.

Die Idee

„Sie sind sehr abergläubisch, im Gespenstersehen besonders erfahren, haben eine kauderwelsche Sprache, üble Kinderzucht, schlechte Sitte und halten nicht viel auf Künste und Wissenschaften“ – dieses gar strenge Urteil über die Werderschen – zitiert von Fontane in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ – sei mit der Stadtgalerie widerlegt, das „Kainsmal“ entfernt, stellte Frank W. Weber lächelnd fest. Er hat als Kurator von Anfang an großen Wert auf Vielfalt und Qualität gelegt. Fontane bemängelte ebenso einen „fragwürdigen Bilderschatz“, den er in einer Rumpelkammer in Werder fand und spielt damit auf das nach seinen Worten geschmacklose und bar jeder malerischen Technik erstellte Altargemälde »Christus als Apotheker« – der Bilderschatz im Kunst-Geschoss würde ihm vielleicht gefallen.

Zehn Jahre mit viel Arbeit und mit viel Spaß hätte ihm das Kunst-Geschoss eingebracht, so Frank W. Weber. Er hatte von Anfang an das Konzept, eine Galerie auf hohem Level – aber eben eine Galerie für unsere Stadt zu führen. Und so startete er mit einer „Bestandsaufnahme“, um das künstlerische Spektrum der Stadt zu präsentieren. Bei der Eröffnung vor zehn Jahren im Saal standen die Leute anschließend Schlange auf der Treppe, um die Ausstellung zu sehen, erinnert er sich. Immer nur 50 erhielten Einlass. Dennoch war die Stimmung entspannt. Eine Harfenistin spielte, die Gäste hatten ein Glas Wein in der Hand. In seiner ersten Rede hätte er – nachdem die Stadt gerade die Parkuhren in der Stadt abgeschafft hatte – darauf hingewiesen, dass es nun in Werder nicht nur freies Parken, sondern auch freien Kunstgenuss gibt. Noch immer ist der Eintritt in die Galerie frei.
Ambitioniert: im ersten Jahr organisierte Weber sieben Ausstellungen. Inzwischen ist die Galerie eine „Erfolgsstory“, wie er sagt.

Die Stadt besitzt mit den „geschenkten“ Werken der Künstlerinnen und Künstler bedeutenden Werke von bekannten Größen der Kunstwelt, darunter Prof. Eberhard Linke, Prof. Matthias Koeppel, Barbara Rätsch, Sookie, Claus Müller-Schloen und vielen anderen mehr. Der Bogen spannt sich von international über national bis hin zu lokal. „Die Währung der Künstler ist das Kunstwerk“, sagte Weber. Und so hätte er von Anfang an geplant, den Künstlern kein Geld abzunehmen – statt dessen lassen sie ein Werk in Werder. „Sie geben es freiwillig, ich suche das nicht aus“. Die Künstler wüssten aber, dass das „Ranking“ dieser Galerie hoch sei.
Von den „Bestandsaufnahmen“ sind keine Werke vorhanden, denn dabei haben die Künstler lediglich die Möglichkeit, zwei Werke auszustellen. „Da werde ich niemanden etwas ‚abknöpfen‘“.

Die Galerie

„Mit der Stadtgalerie setzte unsere Stadt einen landesweit markanten Akzent für die Präsentation von neuzeitlicher Kunst“, sagte Bürgermeisterin Manuela Saß bei dem Pressegespräch. „Wir haben damit optimale Ausstellungsbedingungen für die Kunstpräsentation verschiedener Sparten geschaffen“. Andere Städte würden Werder darum beneiden.

„Im Sommer erkennt man die alten Hasen in der Galerie daran, dass sie einen Fächer dabei haben“, erzählt Weber am Rande mit einem Verweis auf die Temperaturen, wenn die Sonne scheint. Den Namen „Kunst-Geschoss“ hat die Stadt schützen lassen. Um den Namen gab es Diskussionen, erinnert er sich. In Wolfenbüttel sollte in einem alten Kaufhaus auch „Kunst-Geschoss“ entstehen, das hieße jetzt „Art-Geschoss“.

Auch Werner Große hat hier schon ausstellt. Seine beeindrucken und hautnahen Fotos aus einem Indienurlaub fand der Kurator so künstlerisch wertvoll und mit einem sehr guten fotografischen Auge entstanden, dass sie in der „Galerie am Glas“ gezeigt wurden. Große freut sich, dass die Ausstellungen in der Stadtgalerie immer auch kontrovers diskutiert würden. Wichtig findet auch er die „Bestandsaufnahmen“, um einen Überblick über die Werderaner Kunstszene zu bekommen. er erinnert sich zudem gern an die Präsentation der Vereine im Kunst-Geschoss.

Der Kurator

Frank W. Weber hatte schon vor fünf Jahren an eine Fundus-Ausstellung gedacht, aber den Gedanken wieder verworfen – zu gering war der Bestand bis dahin, um das zu sortieren. Grafik, Fotografie, Plastik, Malerei und so weiter soll ja entsprechend präsentiert werden. Nun würde es „nicht die schönste, aber die wertvollste Ausstellung“. Aber vor Problemen mit dem Sortieren stand er schon öfter. So hätte er einmal an einem Tag 13 Kilometer in der Galerie auf den 230 Quadratmetern Ausstellungsfläche zurückgelegt – Schrittzähler machen es möglich – bis er mit der Hängung der Werke zufrieden war. Bürgermeistern Manuela Saß lobte diese Arbeitsweise: „Jedes Mal, wenn ich die Galerie betrete, bin ich überrascht, was dieser Raum hergibt“. Besondere Stimmung herrscht jeweils bei den Vernissagen – Frank W. Weber präsentiert als Laudator Wissen und Betrachtung über Künstler und Werke kurzweilig und informativ. Und so wird er sicher auch für die Jubiläumsausstellung viele Schritte zurücklegen und eine launige Laudatio vorbereiten.

Frank W. Weber ist selbst bildender und konzeptioneller Künstler, der seine Werke mit dem Namen „ARATORA“ zeichnet. Anlässlich seines 60. Geburtstages wird er ab 12. Dezember 2018 und bis zum 10. Februar 2019 in der Galerie Oda Schielicke in den Havelauen ausstellen. (wsw)


Bei den zweijährigen „Bestandsaufnahmen“ kann sich jeder bewerben, der sich künstlerisch berufen fühlt und aus Werder kommt oder hier arbeitet  – Amateur oder Profi. Im Januar 2019 findet in der Stadtgalerie Kunst-Geschoss die dritte Ausstellung mit Textilkunst und Kunsthandwerk statt. Bewerben können sich Interessierte bis zum 9. Dezember.

Das Kunst-Geschoss

Seit der Eröffnung wurden im Kunst-Geschoss 57 Ausstellungen gezeigt, hinzu kommen 17 kleinere Fotoausstellungen „Am Glas“ im zweiten Geschoss, sechs Ausstellungen im Foyer sowie drei internationale Pleinairs mit Künstlern aus Werder und den Partnerstädten.
Die Vernissage der Jubiläumsausstellung beginnt am Mittwoch, dem 28. November, um 19 Uhr. Die Künstler, die mit ihren Werken beigetragen haben, sind eingeladen. Die Ausstellung kann vom 29. November 2018 bis zum 6. Januar 2019 besucht werden. (wsw)

Jeder Künstler, der im Kunst-Geschoss ausgestellt hat, ließ ein Werk für den Fundus da. Hier ein Bild (re.) von der Werderaner Künstlerin Gabriele Karele, Teilnehmerin an den Pleinairs, sowie ein Werk von Christine Ludwigs aus Siegburg. Foto: wsw