100 Jahre Ruderklub Werder (Havel)

Bei einem Empfang im Bootshaus wurde am vergangenen Samstag gefeiert.

Dag Danzglock, stellvertretender Vorsitzender des Präsidiums des Deutschen Ruderverbands ehrte den Ruderklub Werder anlässlich seines 100. Jubiläums. Foto: wsw

Werder (Havel), 13. November 2018 – „100 Jahre Rudersport in Werder – das ist schon etwas Besonderes“, sagte der neue Vorsitzende Thomas Dosk des Ruderklubs beim Jubiläumsempfang am vergangenen Samstag im Bootshaus. Er blickte in seiner Ansprache auf viele erfolgreiche, aber auch arbeitsreiche Jahre zurück. Den Vereinsvorsitz hat der Werderaner Bauunternehmer Thomas Dosk wie berichtet erst vor rund einer Woche übernommen, der Ruderer ist langjähriges Mitglied im Verein.

Der Empfang galt vor allem als Dankeschönveranstaltung – und so dankte Dosk vielen Verbänden, Vereinen, der Stadt und dem Stadtsportbund, die mit ebenso vielen Vertretern ins Bootshaus gekommen waren. „Die Stadt Werder ist sehr engagiert in der Unterstützung aller Sportvereine“, sagt Dosk in Richtung Bürgermeisterin Manuela Saß und Stadtsportbundchef Klaus-Dieter Bartsch.

Werder sei schon immer bei den Regatten sehr beliebt, er erinnerte beispielhaft an die erfolgreiche Veranstaltung im Sommer zur Ruderbundesliga. Holger Scharf, zweiter Vorsitzender, gab in seiner Ansprache eine Rückblick auf die lange und bewegte Geschichte des Klubs auf der Insel. Die ist auch in der neuen Chronik nachzulesen, die unter Federführung von Hans-Jörg Dahl entstand und jetzt auch für Interessenten käuflich zu erwerben ist. Kulturdarbietungen, Büffet und viele anregende Gespräche rundeten den Empfang ab. Am 8. Dezember 2018 feiert der Klub dann sein Jubiläum.

Aus 100 Jahre Geschichte des Ruderklubs

Am 3. Dezember 1918 fanden 14 Werderaner Bürger auf dem Rauenstein zusammen, um den Verein zu gründen. Nach der Katastrophe des Ersten Weltkrieges wollten sie damit dem Wahnsinn des Krieges die Hoffnung entgegen setzen, in Werder erfolgreich Rudersport betreiben zu können. Man entschied sich für die Klubflagge mit dem Stadtwappen der Stadt Werder umgeben von den Buchstaben RKW, in der linken oberen Ecke eine schwarz rot goldene Gösch, darüber einen fünfzackigen roten Stern mit der Jahreszahl 1918.

Den ersten Sieg der Vereinsgeschichte holte man auf einer Regatta in Dresden im Vierer mit Steuermann. Und im Oktober 1919 wurde vom Ruderklub erstmals eine Regatta auf der Havel organisiert, bis zum Ende der 20er Jahre wurde sie durchgeführt. Schon 1920 trat man dem 1883 gegründeten Deutschen Ruderverband bei. Kein Wunder in der wasserreichen Umgebung – die Mitgliederzahl im Verein stieg schnell an. Ab 1921 gab es eine Jugendabteilung. Man brauchte ein geeignetes Wassergrundstück. Für das heutige Grundstück auf der Insel zahlte der Klub seinerzeit 300 Reichsmark Pacht. Die damalige Fischerscheune wurde zum Bootshaus – das war 1922. Errichtet wurde das Bootshaus für rund 120.000 Mark. Schon damals musste man auch auf Sponsoren und Spenden zurückgreifen. Das Gebäude hatte damals noch einen Aussichtsturm für die Schiedsrichter, denn zu dieser Zeit verlief die Regattastrecke von der Geltower Kirche bis vor das Bootshaus. Am 15. Oktober 1922 konnte das Bootshaus vom 1. Vorsitzenden, Herrn Gustav Mai, eingeweiht werden. Für damalige Verhältnisse sehr fortschrittlich – ab 1932 gab es auch eine Damenrudermannschaft. Während des Krieges gab es nur eine eingeschränkte Vereinstätigkeit.

Das Bootshaus hatte den Krieg ohne Beschädigungen überstanden. Bootsmaterial, Zubehör und Stege waren jedoch fast restlos zerstört. Doch schon 1947 wurde der Ruderbetrieb von engagierten Ruderfreunden in Werder wieder aufgenommen. Kurt Schebel gründete 1952 in Werder die erste Schülerruderriege der damaligen DDR. 1953 wurde erstmals die inzwischen traditionelle Havelruderregatta ausgetragen – in diesem Jahr gab es die 63. Auflage – wie immer mit einer tollen Beteiligung. Meistertitel bei DDR-Meisterschaften und Platzierungen ließen bei den engagierten Ruderkameraden nicht auf sich warten. Anfang der 1970er Jahre packten wieder alle mit an – in Eigenleistung wurde die zweite Bootshalle errichtet, aus dem Kraftraum wurde ein Ruderbecken. Ebenfalls Anfang bis Mitte der 1970er Jahre entstand auf der Föhse die 1500-Meter-Strecke zwischen Inselbrücke und Bahndamm. 1973 übernahm Werner Große, späterer Bürgermeister und heute Ehrenbürger der Stadt, den Vorsitz des Vereins. Noch unter provisorischen Bedingungen wurden 1975 erstmals die Bezirksmeisterschaften im Rudern auf der Föhse ausgetragen.

1976 wurde die im Frühjahr 2018 verstorbene Brigitte Ahrenholz bei den olympischen Spielen in Montreal im Achter Olympiasiegerin. Sie war immer engagiert für den Verein, und bis zu ihrem Tod Vorsitzende des Ruderklubs. Weitere Erfolge brachte Ralf Brudel in den Klub. Er gewann 1988 bei den Olympischen Spielen in Seoul im Vierer ohne Steuermann.

Und wieder wird gebaut – zwischen den Bootshallen entsteht in den 1980er Jahren ein Verbindungsbau, der vielfältig genutzt wird. Nachdem im Juli 1990 der Ruderklub Werder (Havel) wieder gegründet wurde, gewinnt Ralf Brudel 1992 bei seinem zweiten Start bei Olympia in Barcelona die Silbermedaille im Vierer ohne Steuermann.

Tief durchgeatmet haben die Klubmitglieder dann am 18. Dezember 2001, als endlich auf Beschluss des Verwaltungsgerichtes Potsdam dem Ruderklub Werder die Liegenschaft nebst baulicher Anlagen und Bootsbestand rückübertragen wird. Und wieder wird gebaut: 2004 und 2005 die Hüllensanierung und Verlängerung des Baukörpers zur Schaffung eines Kraftraums und darüber liegenden Umkleiden und Sanitärräumen.

2008 kam es erstmals zur Austragung des DRV Championats in Werder, seitdem kommen jährlich Ruderinnen und Ruderer in die Blütenstadt – begeistert von den schönen Anlagen.

Schock in den frühen Morgenstunden im Juni 2012, als ausgehend vom Nachbargrundstück die neue Bootshalle im Bereich der Ruderbeckenanlage stark beschädigt wurde. Ein Jahr lang wurde gebaut, die Bau- und Reparaturkosten wurden fast vollständige von der Versicherung übernommen. Dennoch steckten die Ruderer viel Mühe und Schweiß in den Wiederaufbau.

2016 freute man sich über den Anschluss des Bootshauses an das öffentliche Abwassernetz. Wie immer bei den Bauarbeiten im und am Ruderklub wurde das mit vielen fleißigen Händen unterstützt. 2017 wurde der Balkon am Bootshaus erneut saniert. Und eine traurige Zusammenkunft vereinte die Ruderinnen und Ruderer am 25. Mai 2018 bei einer Schweigeminute beim Abschied von Brigitte Ahrenholz.
Ein Regatta-Marathon wurde im heißen Juni 2018 gemeistert. Höhepunkt war, dass die Ruderbundesliga ihren zweiten Renntag in Werder veranstaltete. Das neue Start-Ziel-Haus, im Oktober 2018 offiziell übergeben, konnte sich dabei bereits bewähren.

Hans-Jörg Dahl, Hans Hinze, Karl Graefe, Pfarrer Knick, Hartmut Königer,  Wolfgang Wegener, Petra Mahlow … unzählige Namen könnte man aufführen und weitere Geschichten  aus dem Vereinsleben erzählen und viele Erfolge auflisten – doch die Chronik, aus der wir hier nur zitieren können, kann das viel besser, ausführlicher und aus erster Hand. Ein lesenswertes Buch! Erhältlich beim Ruderklub Werder (Havel). Wir gratulieren dem Ruderklub herzlich und wünschen immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel.  (wsw)

Festempfang zum 100. Jubiläum des Ruderklubs in Werder. Bürgermeisterin Manuela Saß mit dem stellvertretendem Vorsitzenden Holger Scharf, dem Vorsitzenden Thomas Dosk und dem Ehrenpräsidenten Hans-Jörg Dahl. Foto: wsw
Der Achter von der Potsdamer Rudergemeinschaft kam zum Festempfang mit dem Boot. Foto: wsw
Gehört zu den Urgesteinen des Werderaner Ruderklubs: Hans-Jörg Dahl. Er sorgte maßgeblich dafür, dass die Chronik pünktlich zum Jubiläum erscheinen konnte. Foto: wsw
Zahlreiche Gäste - unter ihnen die Blütenkönigin Peggy Sinning, HGW-Chef Thomas Lück, der 1. Beigeordnete Christian Große, Alt-Bürgermeister und langjähriges Mitglied des Ruderklubs Werner Große, die Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung Annette Gottschalk, und der Fraktionschef der Linken, Peter Hinze, kamen zum Festempfang des Ruderklubs. Foto: wsw
Karsten Finger, Chef des Landesruderverbandes Berlin e.V. gratuliert mit einen Wimpel. Foto: wsw
Stadtsportchef Klaus-Dieter Bartsch gratuliert. Foto: wsw