140 Jahre Werderscher Obst- und Gartenbauverein

Werder (Havel), 21. August 2018 – „So alt wie der hiesige Obstbau ist, so lange haben unsere Obstzüchter die Region und die Hauptstadt mit frischem Obst versorgt. Und heute wollen wir allen „Danke“ sagen, die mit uns gemeinsam den Weg nach der Neugründung des Vereins 1996 bis heute gegangen sind“, begrüßte Walter Kassin, Vorsitzender des Werderschen Obst- und Gartenbauvereins, die Gäste der Feier zum 140. Jubiläum des Vereins.

Auf dem Werderaner Tannenhof hatten die Inhaber-Familie Gerald Mai und Karin Lorenz und viele fleißige Hände des Organisationskomitees aus dem Obst- und Gartenbauverein ein feierliches Ambiente für die Feier an diesem sommerlichen Abend gestaltet.

In seiner Rede zitierte Walter Kassin aus einer Festschrift zum 50. Jubiläum des Vereins – schon damals würdigte man die Leistungen der Vorfahren. Denn die sorgten dafür, dass neben dem altbekannten Obst auch neue Sorten gezüchtet wurden, die später weltweit durch die Züchternamen auf den Werderschen Ursprung verwiesen. So feierte beispielsweise in diesem Jahr auch „Kassins Frühe Herzkirsche“ ein Jubiläum. Die beliebte Kirsche wurde 1868 vom Obstzüchter Ludwig Kassin entdeckt und veredelt.

Kassin berichtete, dass die erste Werdersche Obstausstellung im Jahre 1875 organisiert wurde, um auf die Herkunft des Obstes zu verweisen – es gab wohl Berliner Händler, die ihr Obst von irgendwo als aus Werder kommend verkauften! Um einen Image-Schaden abzuwenden und den Bekanntheitsgrad des echten Obstes aus Werder zu steigern, gründete man schließlich 1878 den „Obstbauverein Werder/Havel“. Neben seine Vorfahren nannte Walter Kassin hier altbekannte Namen wie August Fritze, Wilhelm Wils, Karl Puhlmann oder Hans Kärger, die sich dieser Aufgabe widmeten.

„Vor allem in Berlin fanden seinerzeit regelmäßig Ausstellungen statt, die auch noch nach dem 1. Weltkrieg weitergeführt wurden. Hinzu kamen die zahlreichen Obstmärkte in Berlin, die so gestaltet waren, dass sie oft Ausstellungscharakter hatten“, so Walter Kassin. Der Name „Werderscher Markt“ kündet heute noch davon – auch wenn es hier längst keine Obststände mehr gibt.
Der Verein organisierte aber auch Schulungen, schon damals tauschte man sich aus, wenn es um die Pflege, um Düngung oder neue Obstsorten ging. „Daraus resultierend wurde 1905 die Obstbauschule gegründet. Schon 1879 wurde das Baumblütenfest ins Leben gerufen – „Hintergrund war auch hier die Werbestrategie“.

1882 regte der Obstbauverein an, ein Wasserwerk für die Werderschen Obstgrundstücke zu errichten. Schon damals gab es trockene Jahre – Wasser war und ist wichtig. 1913 ging der Wunsch in Erfüllung. Und die Werderschen waren nicht faul: sie erweiterten ihr Angebot – Blumen und Gemüse kamen hinzu, entsprechend spezialisierte Neumitglieder kamen in den Verein, sodass man im Dezember 1919 den Namen in „Obst- und Gartenbauverein Werder/Havel“ erweiterte. „Damals wie heute pflegte der Verein eine gute Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung. Die Bürgermeister Dümichen und Dietze waren sogar Ehrenmitglieder“, so Kassin.

„Unser Obst spielte immer eine wichtige Rolle und es trug auch immer zur Entwicklung der Stadt bei. In den 60er bis 80er Jahren sind viele junge Menschen ins Obstanbaugebiet gekommen und geblieben. Nicht zu vergessen auch der Übergang des Obst- und Gartenbaus zu modernen Anbaumethoden.

Nach der Wende wurde auch in Werder die Frage gestellt, wie es mit dem Obstbau in dieser neuen Zeit weiter gehen soll. „Das Marketingkonzept der Stadt 1993 war eindeutig – ein wichtiges Standbein sollte die touristische Entwicklung werden, ein Baustein davon waren das Obst und das Baumblütenfest“, erinnerte Kassin.
Um die Kräfte erneut zu bündeln, wurde der „Werdersche Obst- und Gartenbauverein“ unter Joachim Hinze 1996 neu gegründet. Neue Aufgaben kamen später mit den Schuffelgärten und der Übernahme der Märkte in der Stadt dazu.

„Die Feste auf dem Frischemarkt, das Obstbausymposium, die jährliche Grüne Woche, die 700 Jahr-Feier, die Veranstaltungen zur Sortenbestimmung, die jährliche Vergabe der „Goldenen Kruke“, die Vorbereitung der Baumblütenkönigin auf ihr Amt, das Baumblütenfest am Panoramaweg, die Obstbaumschnittkurse, die Teilnahme am Festumzug zum Blütenfest, die Teilnahme an der „Brandenburger Landpartie“ und beim „Galgenbergfest“ in den Schuffelgärten, der Wettbewerbe um den „Schönsten Vorgarten“ – Walter Kassin zählte viele erfolgreiche Veranstaltungen und inzwischen zur Tradition gehörenden Aufgaben des Vereins auf.

Und er dankte allen, die den Verein so vielfältig unterstützen: die Stadtverwaltung, die Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung oder die Firma Werderfrucht. Ebenso allen Vereinsmitgliedern – auch den fördernden und den Ehrenmitgliedern. Kassin entließ die Gäste nach dieser erinnernden und motivierenden Jubliäumsansprache an das von den Vereinsmitgliedern selbst reichhaltig gestaltete Büfett. Der Förderverein der Feuerwehr sorgte mit Schwein am Spieß, Gegrilltem und einer Getränkebar im Außenbereich dafür, dass sich beim Essen und Trinken schöne Gespräche entwickelten.
Als kulturellen Beitrag hatte Walter Kassin noch eine bekannte Karnevalistin aus Beelitz eingeladen. Martina Gottwald vom Beelitzer Carnevals Club sorgte als „Erna“ für reichlich Lacher und Applaus. Walter Kassin konnte seinen Vereinsmitgliedern aus dem Obst- und Gartenbauverein damit einen Einblick in sein zweites wichtiges Hobby geben. Kassin ist seit vielen Jahrzehnten karnevalistisch aktiv und seit Jahren Präsident des Karnevalsverbands Berlin-Brandenburg, im Januar wurde er in der Lausitz zum „Ritter“ geschlagen, in Berlin ist er Ehrengeneral der Prinzengarde, wie er mit einigem Stolz berichtete.

Die gute Laune hielt den ganzen Abend an – nicht nur der sprichwörtliche Fleiß der Obstanbauer in Werder ist bekannt – feiern können sie auch. (wsw)