Werderaner kochen für Flüchtlinge

“Gedeckte Tische sind Brücken zwischen den Menschen!” – Schöner kann man das Motto der “Welcome Dinner” nicht zusammenfassen. Eine Idee, ursprünglich von der schwedischen Lehrerin Ebba Åkerman, sorgt inzwischen in Europa und auch in vielen deutschen Städten dafür, dass Integration beginnt und in kleinen Schritten gelingt. Heraus aus einer gesichtslosen Menge Menschen und einer Situation, von der Politik als “die Flüchtlingskrise” gebrandmarkt, setzen sich Menschen an einen Tisch. Essen, reden – oftmals aufgrund der Sprachbarrieren mit Händen und Füßen – und erkennen, dass alles Menschliche einfach damit beginnt, miteinander zu kommunizieren und den Weg zu gehen. Den Weg, der zusammen führt, den Weg, der sicherlich kein leichter sein wird.

“Jeden Tag kommen mehr Flüchtlinge in unser Land mit der Hoffnung auf ein sicheres und besseres Leben. Es ist schwer, in der Fremde ein neues Leben zu beginnen, eine neue Sprache zu lernen, neue Freunde zu finden”, heißt es auf der Internetseite der Potsdamer Welcome Dinner und eine der beiden Initiatorinnen ist Sabine Lang. “Es ist eine so simple Idee, jeder kann mitmachen”, sagt die Potsdamerin, die selbst schon Gastgeberin war. “Eigentlich kann man schlicht nur einen Teller dazu stellen”, beschreibt sie die Idee, “meistens jedoch betreiben die Gastgeber schon mehr Aufwand”. Dennoch bleibt es überschaubar. Man kann zum Frühstück, zum Mittagessen, zu Kaffee und Kuchen oder zum Abendessen einladen. Und meist haben diese gemeinsamen Mahlzeiten ganz wunderbare Ergebnisse. Gastgeber und Gäste bleiben in Kontakt, Integration wird im besten Sinne gelebt. Man erfährt von fremden Kulturen, anderen Bräuchen. Man wird ziemlich direkt erfahren vom Gräuel des Krieges, der viele dieser Menschen vertreibt aus ihrer Heimat und zu Flüchtlingen, Migranten oder Asylsuchenden macht.

Und genau so hat es auch Beate Fronk und ihre Familie in Werder erlebt. Fawaz, Abdel, Ahmed und Mahmud aus dem Neuseddiner Flüchtlingscamp waren zu Gast bei den Fronks: “… es war so schön. So nette Jungs. Wir hatten intensive Gespräche, haben des im Krieg umgekommenen Freundes von Ahmed gedacht, aber auch getanzt. Es war ein gelungener Abend und alle sind immer wieder herzlich willkommen. Ich werde jetzt Ausschau nach Sponsoren für Mitgliedschaften im Fitness halten, damit die Jungs ein bisschen Ausgleich und Kommunikation mit anderen Menschen haben. Eure Idee ist toll. Danke für diese Kontakte.“ So schrieb Beate an die Organisatorinnen der Welcome Dinner. Und gegenüber wirsindwerder sagte sie: “Wir alle hören und lesen die Berichte. Man fragt sich, was man tun kann – konkret, persönlich.” Und dann hörte sie über Bekannte von den Welcome Dinners und war überzeugt: “So funktioniert Integration. Die Politik kann nur die Rahmenbedingungen vorgeben, machen müssen das die Menschen”. Sie ist sich der Pro und Kontra-Situation in Deutschland wohl bewusst. Aber Beate Fronk und ihre Familie gehören zu denen, die nicht lamentieren, sondern sich fragen, “Was können wir tun?”. Und die Idee der Welcome Dinner war genau richtig für sie. “Unsere Gäste kamen aus Syrien – Damaskus und Aleppo. Wir alle wissen, wie es da aussieht.”
Beate Fronk wird sich nach diesem Treffen – der Schwierigkeiten bewusst – weiter engagieren, sie sucht Sponsoren, um den Flüchtlingen im Neuseddiner Fitness-Center Trainingszeiten zu ermöglichen, sie will – um bessere Kommunikation zu ermöglichen – Wege finden, Sprachkurse zu vermitteln.
Gedeckte Tische öffnen Herzen, da ist sich Sabine Lang von der Potsdamer Initiative sicher. “Jedes Dinner ist schön”, ist ihre gute Erfahrung. Bei den Fronks gefiel ihr beispielsweise, dass Gerry Fronk auf dem Foto mit einem Weinglas in der Hand zu sehen ist. “Das beweist die Toleranz auf beiden Seiten”. Man wisse ja vorher nicht, ob die Gäste Alkohol trinken oder nicht. Toleranz ist ja, das zu respektieren. Und die Toleranz der Gäste ist eben die, zu respektieren, das für uns ein Glas Wein zum Essen dazu gehören darf.
Die Gäste, die bislang in Potsdam und dem Umland bewirtet wurden, kamen aus Albanien, Iran, Kamerun, Palästina, Syrien und Tschetschenien. Jeder kann Gastgeber sein – auf der Internetseite welcomedinner-potsdam.de kann man sich informieren und eintragen.

Beate und Gerry Fronk waren Gastgeber bei einem welcome dinner.
Beate und Gerry Fronk waren Gastgeber bei einem welcome dinner.