70 Jahre Rassegeflügelzüchter in Werder

Die schönsten gefiederten Exemplare der Vereinsmitglieder und der Züchter der Umgebung sind am 27. und 28. Oktober 2018 in der Turnhalle der Karl-Hagemeister-Schule zu bewundern.

Birgit und Christian Kärger gratulieren Reinhard Gunke zur Ehrenmitgliedschaft. Foto: wsw

Werder (Havel), 12. Oktober 2018 – Hühner sind nicht nur zum Eierlegen da, das vergessen wir gern. Dass Hähne nicht nur krähen, wenn wir uns morgens noch dreimal umdrehen möchten, wohl ebenso. Die ewige Frage, wer zuerst da war – das Ei oder das Huhn – können wir auch nur philosophisch beantworten. Und wenn Ihnen die Namen Araucana, Zwerg-Wyandotten, Italiener oder Orpington gar nichts sagen, ist das auch kein Problem, denn die Zucht muss nicht zu Ihren Hobbys gehören.

Ausstellung am 27. & 28. Oktober

Aber in unserer Stadt gibt es einen Verein, in dem sich seit nunmehr 70 Jahren alles um Rassegeflügel und deren oftmals klingenden Namen dreht: Der Rassegeflügelzuchtverein RGZV „Hoffnung 1948“. Und die schönsten gefiederten Exemplare der Vereinsmitglieder und der Züchter der Umgebung dürfen wir am 27. und 28. Oktober 2018 in der Turnhalle der Karl-Hagemeister-Schule bewundern. Besonders bei Kindern sind die Ausstellungen mit den oft farbenfroh glänzenden Schnabeltieren sehr beliebt, aber auch viele Züchter aus der Umgebung nutzen die Möglichkeit zum Fachsimpeln. 250 Tiere werden zur Jubiläumsschau ausgestellt: Hühner, Tauben und sogar Wassergeflügel. Zum Jubiläum hat der Verein auch eine große Tombola organisiert –  der Hauptpreis ist eine Gans und jedes Los kostet 50 Cent, wie Christian Kärger informierte. Der Eintritt in die Ausstellung kostet für Erwachsene einen Euro, Kinder zahlen 50 Cent. Geöffnet ist am Samstag, dem 27. Oktober, von 9 bis 18 Uhr und am Sonntag dann von 9 bis 15 Uhr.

Die Schauen des Vereins sind ebenso beliebt wie der jährliche Wettbewerb der krähenden Hähne auf dem Hohen Weg beim Baumblütenfest. Dieser Wettbewerb hat sich im Laufe der Jahre vom Geheimtipp zum „Da muss man auf jeden Fall hingehen-Tipp“ gemausert. Es gibt Kaffee und Kuchen, wer sich traut, kann auch vormittags schon ein Gläschen Obstwein genießen. Im Wettbewerb ist entscheidend, welcher Hahn wie oft in einer Stunde kräht. Das zu beobachten, dabei den Frühling und den Blick über die Stadt und Havel zu genießen, ist ausschlaggebend für die Gunst der Gäste und den Entschluss, diesen herrlich entschleunigenden Termin während des Trubels der Baumblütenfesttage auch in den weiteren Jahren in den Kalender einzutragen.

Für Werders Bürgermeisterin Manuela Saß gehört dieser Vormittag erklärtermaßen zu den Lieblingsterminen beim Blütenfest, mit dabei ist immer auch die Baumblütenkönigin, die gemeinsam mit dem Oberhaupt der Stadt und dem RGZV-Vereinsvorsitzenden Christian Kärger dann nach dem Abschluss des Wettbewerbers die Medaillen und Pokale überreicht. 

Auch beim Umzug zum Blütenfest ist der Verein natürlich in jedem Jahr dabei. Als Höhepunkt lassen die Züchter auf dem Markplatz der Insel jährlich viele weiße Tauben steigen – Jubel und Beifall sind ihnen dann gewiss. 

Sommerfest zum Jubiläum

Im Sommer feierten die Züchter bei einem gemütlichen Beisammensein das runde Jubiläum des Vereins. Auf dem Hof der Gaststätte „Zum Werderaner“ von Bernd Hix trafen sich viele Vereinsmitglieder. An diesem Tag ging es nicht in erster Linie um den Erfahrungsaustausch – Kaffee, Kuchen, Gespräche – war das Motto des Tages.

Zum Jubiläum des Vereins gratulierte der 1. Beigeordnete Christian Große im Namen der Stadt und des Stadtsportbundes – dessen Chef Klaus-Dieter Bartsch und Jeanette Rux waren auch dabei. „Ich finde es großartig, wie viele Vereinsmitglieder hier aktiv dabei sind. Das ist das, was unsere Stadt, unsere Gesellschaft auch ausmacht – das Vereinsleben, das Ehrenamt. Das gehört zu unserer Identität“, sagte Christian Große.  300 Euro brachten er und Klaus-Dieter Bartsch für die Vereinskasse mit. „Das wiegt nicht das Ehrenamt auf – soll aber die weitere Arbeit unterstützen“.

Auch Klaus-Dieter Bartsch dankte für die gute Zusammenarbeit mit den Stadtsportbund. „Die jährliche Ausstellung zu organisieren macht mir immer Spaß“.

Bevor Vereinschef Christian Kärger mit Hilfe seiner Frau Birgit einige Auszeichnungen vornahm, bedankte er sich für die Zusammenarbeit mit Stadt und Stadtsportbund für die Unterstützung und im Besonderen für die Halle für die jährliche Ausstellung.

Auszeichnungen:
Uwe Hesse wurde Deutscher Meister 2017 – Bundessieger anlässlich Bundessiegerschau in Erfurt.

Hartmut Polz – Landesmeister 120. Landesverbandsrassegeflügelausstellung Berlin/Brandenburg 2018 in Paaren/Glien mit seinen Araucanern. Diese aus Südamerika stammenden Hühner legen grünliche Eier. Außerdem erhielt er einen Leistungspreis.

Goldene & silberne Ehrennadeln des Vereins und Urkunden:
Klaus Klavehn, Peter Schwabedissen, Lothar Schwabedissen, Georg Völker, Rita Mechler, Jürgen Drinkewitz, Nico Drinkewitz, Tobias Völker.

Erinnerungen eines langjährigen Vereinsmitgliedes

Der Phöbener Reinhard Gunke ist seit 1964 im Verein. Er ist, wie Christian Kärger feststellte, das älteste Mitglied an Zugehörigkeit. Gunke, der auch lange Jahre als Schriftführer für den Verein tätig war, darf sich jetzt „Ehrenmitglied“ nennen. 

Die Zuchtfreunde lauschen seinen Worten, mit denen Rainhard Gunke seinen Werdegang im Verein und eine Anekdoten zum Besten gibt. Als „Zugereister“ aus Halle war er vor über 50 Jahren hier her gekommen. Gezüchtet hatte er schon in der alten Heimat – schwarz gescheckte Italiener. Doch hier in der Gegend bekam er keinen Hahn für die Nachzucht. Gunke kam durch Zufall nach Geltow zu Familie Eifler, die seinerzeit Dresdner Rot-Gold züchteten – „diese Rasse hat mich begeistert“, erinnert sich Gunke. Er züchtet sie bis zum heutigen Tage. Höhen und Tiefen erlebte er mit und ohne Ehrenzeichen und Plaketten – das gehört seiner Meinung nach zu einem guten Züchter. „Ziel jedes Züchters muss die Beständigkeit sein, auch wenn man erst nach Jahren Erfolge hat“, lautet seine Mahnung. 

Gunke erinnerte in seiner Ansprache auch an die Gründer des Vereins „Hoffnung“ Werder. Die Gründerzüchter hätten sich viele Gedanken gemacht. Mit dem Namen „Hoffnung“ verbanden sie  nach dem verheerenden Weltkrieg, den Deutschland hinter sich hatte, den Wunsch, die Rassegeflügel- und Taubenzucht wieder voranzubringen. 

Nicht nur ihn selbst, sondern vielen Vereinsmitgliedern wird Dr. Hans Pulst in Erinnerung bleiben. „Er war für mich als junger Züchter eine große Stütze“, so Gunke.

Pulst kümmerte sich seinerzeit um die Tieruntersuchungen und die Impfungen. „Wenn ein Tier den Rassemerkmalen nicht entsprach, wurde das Tier ausgesondert, indem der Schwanz abgeschnitten wurde. Dann konnte es nicht verkauft werden und auch nicht an Ausstellung teilnehmen“, erinnert sich Gunke. 

„Wir haben in den vergangenen Jahrzehnten oft erlebt, wie schwierig es war, in Werder Ausstellungslokale zu finden. Wir sind rumgezogen bis Bochow, Glindow oder Phöben“. Heute sei man froh, dass die Stadt und der Stadtsportbund den Verein unterstütze. 

„Ausstellungen sind nicht nur das schöne Bild für die Besucher – dazu gehört im Vorfeld viel Arbeit“, weiß Gunke. Es gab Ausstellungen im Radballsaal der Bismarckhöhe, da mussten die Käfige hoch- und runter geschleppt werden. „Auch bei Minusgraden, bewältigt wurde der Transport mit den privaten Autos der Mitglieder und oft mit Hilfe auch der Kinder, erntet Gunke einen Lacher der Zuhörerschaft. 

An eine Ausstellung in der damaligen Höhengaststätte Rauenstein erinnert sich Gunke ganz genau. Auch hier herrschten Minusgrade, die Tiere standen für die kommende Ausstellung in der Kälte im Saal. „Frühmorgens waren die Tränken eingefroren“, erinnert sich Gunke. „Ich hatte Nachtwache mit Frau Bär, eine freundliche ältere Dame, ich war noch ein junger Kerl. Mit einem Tauchsieder haben sie das Trinkwasser für die Tiere erhitzt. Zu anderen Ausstellungen ging es nach Berlin – der Transport nach Bohnsdorf erfolgte mit Käfigen, Rucksäcken und Pappkartons mit dem Zug und der S-Bahn. „Es hatten ja nicht alle ein privates Auto“. Eine Freude sei es für jeden Züchter, bei all’ den Erinnerungen an entbehrungsreiche aber schöne Jahre jetzt zu erleben, wie einfach es ist, sein Auto mit genormten und komfortablen Tierkäfigen zu besteigen. „Meine Erinnerungen ermuntern mich immer wieder, weiter zu machen, bei Rückschlägen in der Zucht nicht aufzugeben“.

Flugschau mit mazedonischen Tauben

Mit Sturzdrehtauben aus seiner mazedonischen Heimat begeisterte Sebastian Raca die Gäste des Sommerfestes. Die Besonderheit bei den Flugvorführungen der possierlichen Tiere besteht darin, dass sie auf Kommando des „Taubenflüsterers“ Raca aufsteigen und sich auf ein weiteres Pfeif-Kommando dann senkrecht vom Himmel stürzen und sich dabei wie ein Korkenzieher um die eigene Achse drehen. Zudem werden sie immer von einem Futtereimer zurück auf den ausgebreiteten roten Teppich gelockt …

Außerdem hatte Sebastian Raca weiße Hochzeitstauben dabei. Die zahmen Tauben mit den Schleifchen an der Brust setzten sich sogar auf die Hände der Zuschauer und ließen sich streicheln und fotografieren.

Mit seinem fahrbaren Taubenschlag auf einem Pkw-Anhänger ist Sebastian Raca bundessweit mit seinen imposanten Vorführungen unterwegs und erhielt bereits viele Preise für seine Kunstflieger. 

Auch die Werderaner Gäste waren begeistert – und hatten nach der Vorführung entsprechend viel Gesprächsstoff. 

Wer sich jetzt die die Zucht von Rassegeflügel interessiert, kann sich gern bei Christian Kärger unter 03327 70193 melden. Interessierter Nachwuchs ist willkommen.

Wir wünschen dem Verein viele weitere erfolgreiche Jahre – und viele interessierte Gäste bei der kommenden Ausstellung in der Hagemeister-Turnhalle. (wsw)