Abschlussband der Werder-Chronik erschienen

Werder (Havel), 7. Januar 2021 – Sieben Bände für eine 700-jährige Stadt: Die Werder-Chronik ist vollendet. Nach drei historisch-chronologischen und drei thematisch gegliederten Bänden wendet sich der siebente Band der Vielfalt und dem Alltag der Stadt vor dem Hintergrund ihrer 700-jährigen Geschichte zu.

Die Herausgeber Dr. Klaus-Peter Meißner, Dr. Baldur Martin und Dr. Klaus Froh begeben sich auf 215 Seiten auf einen unterhaltsamen Stadtrundgang zu prägnanten Orten in der Altstadt und der gründerzeitlich geprägten Vorstadt und finden Bezugspunkte zur Vergangenheit, zur jüngeren Stadtgeschichte und Gegenwart. 

So geht es im Abschnitt zur Inselmühle um einen Brief an den König: Bei dem hatten sich zwei Müller über die Pläne für eine dritte Mühle beschwert. Umsonst! Der König schenkte dem dritten Müller noch das Bauholz. Für die wachsende Bevölkerung wurde Mehl gebraucht. Ebenfalls zu lesen ist vom Mühlenbrand 1973 und den Aktivitäten der Werderaner, ihr Wahrzeichen bis 1992 zurückzuerlangen.

Im Kapitel zum Tienenplatz wird berichtet, wie hart es bis 1850 war, das mühsam erlangte  Obst per Ruderboot nach Berlin zu schaffen. Jeweils 20 Frauen ruderten die voll beladenen Schuten vom Nachmittag bis zum nächsten Morgen zum Markt. Um 1850 wurde es dank maschineller Unterstützung etwas leichter: Die Schuten wurden an einen Raddampfer gebunden, der Werdersches Bier nach Berlin brachte.

Immer wieder geht es in diesem abschließenden Band auch um die Gegenwart: Nach einem Kapitel über das Hagemeister-Haus und seinen berühmten Bewohner beispielsweise wird der Bogen zu den heute mit Werder verbundenen Künstlern geschlagen, vom Schützenhaus und der Schützengilde zu den heutigen Sportvereinen, von den Anfängen des Weinbaus zur Gegenwart der prämierten Wachtelberg-Weine.  

Und auch zahlreiche Anekdoten vertiefen das historische Bild  – wie die des Gärtners Rudolf Trenner, Maiblumenkönig genannt. Er brachte 1914 die Maiblumenzucht in die Stadt: Ab Ende November wurden Maiblumenkeime mit heißem Wasser gebrüht, was den Blühvorgang in Gang setzte. Von Weinachten bis Mai brachten die Blumenbünde ein paar zusätzliche Erträge in die Kassen der Obstbauern.

Werders Bürgermeisterin Manuela Saß dankte in einem Geleitwort den Herausgebern und allen, die sich für das Gelingen eines solch umfassenden historischen Blicks auf die Leistungen vieler Generationen verdient gemacht haben. „Die Stadt hat dieses wichtige und schöne Projekt gern unterstützt.“ 200 Exemplare jedes Bandes erwarb die Stadt, um alle Schulen und die Bibliothek in ausreichender Anzahl mit der gesamten Chronik auszustatten.

Die Herausgeber selbst wissen wohl am besten um die Anstrengungen, die mit diesem Gesamtwerk von 24 Autoren verbunden waren. Das hindert sie nicht, nachfolgende Generationen im Vorwort aufzufordern, sich mit wachem Blick der einzigartigen Geschichte Werders zuzuwenden. 

Der Knotenpunkverlag, Potsdam von Dr. Rainer Lambrecht hat die Gesamtedition begleitet. Die Gestaltung lag in den Händen von Martin Hentschel. Anlass der Chronik war Werders 700. Stadtjubiläum im Jahr 2017. (wh)