Am Sonntag auf den Galgenberg!

Einige der grafischen Arbeiten sind eigens für den Tag entstanden und streng limitiert, so zum Beispiel die Grafik aus einer Dreierserie zum Thema Wein und Galgenberg: "Wein vom Galgenberg“ von ARATORA, jeweils auf nur drei Drucke limitierter kombinierter Holzdruck, fertig gerahmt mit Passepartout 30x30. Quelle: ARATORA

Werder (Havel), 17. August 2018 –  „Es muss nicht immer die Inselstadt von Werder für einen Ausflug sein!“, stellt Frank W. Weber fest und lädt zum diesjährigen „Tag des Galgenbergs“ am Sonntag, 19. August, ein.
Der Galgenbergtag findet zwischen 11 und 17 Uhr statt – als besondere Gäste haben der Winzer Dr. Lindicke und der Weinverein Werder in diesem Jahr die Künstlergruppe „Werderaner Galgenvögel“ eingeladen. Kunst und Wein – das geht sicher gut zusammen …

Im vergangenen Jahr präsentierte sich die national und international umtriebige Gruppe, deren Name sich an den Ursprungsort der Galgenlieder von Christian Morgenstern anlehnt,  mit einer kleinen und feinen Kabinettausstellung in der Turmgalerie der Bismarckhöhe, über die wir hier berichtet haben.

Die Mitglieder der Künstlergruppe sind allseits bekannte Berufskünstler, informiert Frank W. Weber – der den Werderanern und den Kunstfreunden weit darüber hinaus auch als Kurator unserer Stadtgalerie „Kunstgeschoss“ bekannt ist.
Als Künstler Frank W. Weber ARATORA, verkauft er mit seinen „Galgenvögel-Freunden“ Günther Ihle,  ANDRIOTTA A. Wodak, Ann-Louise Schwieger Carlsson und als Gast der Gruppe Gabriele Karele kleine Formate mit Grafik, Malerei und Fotografie am Fuße des Galgenberges, der Morgenstern so inspirierte. Das Thema des Tages „Kunst im Weinberg“ ist also gut gewählt.

„Für Sorgen sorgt das liebe Leben, Sorgenbrecher sind Kunst und Reben!“

In diesem Sinne freut sich der Winzer, der Weinverein und die Künstlergruppe auf ihren Besuch. Zugang am 19. August über den Weg der „Schuffelgärten“ am Plantagenplatz Nr. 9 und über den Weg der Bismarckhöhe, die an diesem Tag auch den herrlichen Ausblick vom Turm über Stadt und Land bietet. Für das leibliche Wohl gibt es auf Holzkohle Gegrilltes und natürlich den Werderaner Wein vom Galgen- und Wachtelberg. Auf geht’s ….

Vor dem Galgenberg in die Schuffelgärten

Wer den Galgenberg hinauf will, kommt an ihnen ohnehin vorbei – und am Sonntag sind auch die Schuffelgärten geöffnet. Karin Watzke und die anderen Schuffelgärtnerinnen freuen sich auf interessierte Besucher.

Wer die Schuffel nicht kennt: „Eine Schuffel ist ein Gartengerät, das speziell in Werder angewendet wird – auf den sandigen Böden, die früher sehr verbreitet waren. Heute kennen sie viele Leute nicht mehr – eine Schuffel ist eine Stoßhacke zur Unkrautbekämpfung“, klärt Karin Watzke auf.
Die Schuffelgärtnerinnen betreuen die der Stadt gehörenden Schuffelgärten, betrieben werden sie vom Obst- und Gartenbauverein Werder (Havel) e.V..
Vier Verantwortliche kümmern sich um die Gärten. Karin Watzke: „Mit viel Liebe und Enthusiasmus“. Und in diesem heißen und trockenen Sommer auch mit vielen Gießkannen voller Wasser. „Das ist wirklich ein ganz großes Problem in diesem Jahr. Wenn es wochenlang nicht regnet, dann verbringen wir unsere kompletten Abende hier mit Gießen“, lacht sie.

Die Schuffelgärten sind getreu dem historischen Vorbild mit Etagenobstbau gestaltet. Das machen heute noch viele, aber längst nicht mehr alle Obstanbauer.
„Man hat auf diesem mageren Sandboden versucht, das Optimum herauszuholen – und dazu hat man das Obst in unterschiedlich hohen Etagen aufgebaut. Es gab drei oder vier Etagen: Große Standbäume, die 80 bis 100 Jahre alt werden konnten – also Kirschbäume, Birnenbäume, die auch eine gewaltige Größe erreichen konnten. Man musste damals mehrere Leitern aneinander binden, um oben ernten zu können. Dann gab es die zweite Etage, das waren die niedriger wachsenden Bäume – Pfirsiche, Pflaumen – die versteckten sich dann schon unter den großen Kronen. Dann kommt die mittlere Etage – das war das Beerenobst: Himbeeren, Brombeeren, Johannisbeeren, die Stachelbeeren. Wenn man dann noch Platz hatte, gab es Unterkulturen, das waren insbesondere Erdbeeren und die so genannten Maiblumen – Maiglöckchen, die wurden in Werder mit großem Erfolg unter den Bäumen kultiviert, das waren dann die ersten Einnahmen im Frühjahr. Das Obst wurde dann beispielsweise auch zu Hofe nach Potsdam gebracht, aber der überwiegende Teil kam nach Berlin. Das Werdersche Obst hat so seit vielen Jahren einen guten Ruf in Berlin – als Beleg für diese Historie gibt es den „Werderschen Markt“ in Berlin, da, wo die Marktfrauen aus Werder ihre Waren verkauft haben. Dort sind sie heute allerdings nicht mehr, dort arbeitet heute unser Außenminister“, erklärt Karin Watzke überaus kenntnisreich.

Die vier Schuffelgärten haben eine Fläche von einem Morgen. Früher hatten die Werderschen hinter ihrem Haus meist ein oder zwei Morgen Fläche mit diesem Etagenobstanbau. „Und das hat eine versierte Schufflerin an einem Tag geschafft, durchzuschuffeln. Diese Riesenfläche – das können wir noch nicht“, untertreibt Karin Watzke den Fleiß der Schuffelgärtnerinnen.

Die Schuffelgärten werden künftig noch mehr zum historischen Zeugnis werden – wenn das Lindowsche Haus als Touristeninformation und Bürgerservice eröffnet sein wird. Karin Watzke: „Mit dem Weinberg im Hintergrund kann das ein schöner Erlebnisstandort werden, auf dem Touristen aber auch die Werderaner, die das nicht mehr so kennen, mal schauen können, wie man in Werder sehr erfolgreich Obst angebaut hat. (wsw)

Karin Watzke, Schuffelgärtnerin. Foto: wsw
Die Schuffelgärten am Fuße des Galgenbergs in Werder (Havel). Der Zugang ist vom Plantagenplatz aus - an der Baustelle des Lindowschen Hauses vorbei. Foto: wsw