Drei Kunstkurse, eine Ausstellung und eine Finissage im Haeckel-Gymasium

Werder, 19. Juni 2018 – 63 Schülerinnen und Schüler, drei Kunstkurse – eine Ausstellung und eine gemeinsame Finissage. In „Anders & gleich“ zeigten die Zehntklässler der 10.3 des Ernst-Haeckel-Gymnasiums die Ergebnisse ihrer Arbeit, „einzigARTig“ ist die Schau des Kurses 10.1 überschrieben und „Natürlich, ist doch ÖKO-LOGISCH“ heißt die des Kurses 10.2.. Eigentlich waren die Ausstellungen zeitlich hintereinander geplant – mit je einer Woche Hängung. In diesem Jahr wurde allerdings nach und nach nebeneinander aufgebaut, unter anderem wegen des verkürzten Unterrichts und der hitzefreien Zeit aufgrund der Hitze – die den Zeitplan völlig durcheinanderbrachte.


Alle 63 Schüler können sich nun über die Note 1 oder 2 im Fach Kunst auf dem Zeugnis  freuen. Kunstlehrerin Cornelia Grasnick nahm die Schüler und Gäste der gestrigen Finissage in ihrer Ansprache noch einmal mit in die Geschichte der Entstehung der unterschiedlichsten Werke. Gezeigt wurden Einzel-, Partner- und Gruppenarbeiten. Ob die große Frage „Was ist Kunst“ beantwortet werden kann, blieb wie immer offen – aber jedes Bild, jedes Objekt der Ausstellung der Gymnasiasten gibt eine eigene Antwort, angeregt und inspiriert auch durch bekannte Werke großer Künstler. „Unsere Schüler sind leidenschaftlich bei der Arbeit gewesen“, ist Grasnick stolz auf das Erreichte.

Cornelia Grasnick begrüßte unter dem Jubel der Schülerinnen und Schüler den ehemaligen Direktor des Gymnasiums, Jörg Ritter, der noch die Anträge für die finanzielle Förderung der Exposition unterzeichnete sowie den stellvertretenden Schulleiter Herr Zube. Bürgermeisterin Manuela Saß hatte die Einladung zur Finissage bei der jüngsten Ausstellung im „Kunstgeschoss“ von Conny Grasnick angenommen: „Ich habe sie ganz forsch eingeladen und da ist sie!“
Gast war auch Frank W. Weber, Künstler und Kurator von Werders Stadtgalerie „Kunstgeschoss“. Er lobte die Idee der Ausstellung und die Freiheit, die die Schüler hatten, sich auszuprobieren. Nicht zuletzt wegen der Anleitung durch die engagierte Kunstlehrerin, wie er sagte. Martin Erdmann, Direktor des Gymnasiums, war verhindert, ließ aber ein motivierendes Grußwort verlesen.

„Die Ideen der Künstler wären gefangen in ihren Köpfen, würde es da nicht jemanden geben, der für Material sorgt“, zitierte Grasnick einen Spruch ihrer Boesner-Tasche (ein Geschäft für Künstlerbedarf) und begrüßte Oliver Schalm, Chef des Hellwig-Baumarkts in Geltow, der Farbe im Wert von mehreren hundert Euro sponserte.

„Als Kind ist jeder ein Künstler. Die Schwierigkeit liegt darin, als Erwachsener einer zu bleiben“, erkannte schon Pablo Picasso – und der große Meister wurde auch im Foyer von einer Schülerin zitiert und auf die Vielseitigkeit und Vielschichtigkeit von Kunst überhaupt und in dieser Ausstellung verwiesen. Auch das Zitat “Die Kunst ist zwar nicht das Brot, aber der Wein des Lebens“ des Dichters Jean Paul sei zutreffend. Alle Schülerinnen und Schüler antworteten nach der Begrüßung und der Vorstellung geduldig bei ihren jeweiligen Werken auf die Fragen der Gäste.

Die Ausstellung ist noch bis Freitag im Foyer des Gymnasiums zu sehen. Vor der Renovierung der beiden Foyers der Schule werden einige Werke dann in den Fluren gehängt und lösen dort die Bilder der ehemaligen 10. Klassen ab. Einige Schülerinnen und Schüler werden ihre Werke aber auch mit nach Hause nehmen.

Die drei ca. 2x2x2 m großen AusstellungsBOXen werden nach dem „Matroschka-Prinzip“ zusammengeschoben in den Theaterräumen der Schule gelagert. Es ist angedacht, wie Cornelia Grasnick informierte, sie im neuen Schuljahr für weitere Ausstellungen zu verwenden und vielleicht auch als schallschluckende Raumteiler im hallenartigen Foyer einzusetzen und mit neuen Sitzelementen zu kombinieren. Am Konzept dazu arbeitet derzeit der ebenfalls von Frau Grasnick geleitete Seminarkurs „Körper & Raum“, Klasse 11, welcher planerisch auch den Aufbau der jetzigen Ausstellungen der 10. Klassen begleitete und beim Bau der AusstellungsBOXen unterstützte.

In ihrer Rede machte Marie im Namen des Kurses 10.2 noch einmal auf das riesige Problem unserer Umweltverschmutzung aufmerksam, dankte den geduldigen Reinigungskräften der Schule, der Kurslehrerin und allen Kursmitgliedern vor allem für eine schöne gemeinsame Zeit voller Inspiration, Schaffenskraft und Teamgeist.

Nachfolgend einige Beispiele – näher angeschaut.

„Tell me why”

„Tell me why – Sag mir warum“ heißt der Song des ehemaligen Kinderstars Declan Galbraith, den Vanessa, Daniel und Obai übersetzt haben – in vier Sprachen. In englisch, arabisch, spanisch und deutsch sind die mahnenden Zeilen gegen Krieg und Leid, die Galbraith als 11-Jähriger sang, umlaufend auf den Wänden der großen Box im Foyer des Ernst-Haeckel-Gymnasiums zu lesen. Manche Wörter sind dick hervorgehoben, wichtige Wörter für die Zehntklässler, die sich mit diesem Objekt an den Kunstwochen der zehnten Klassen beteiligten. „Ich habe mit Obai, der aus Syrien flüchten musste, gearbeitet. Und Daniel, ein Austauschschüler, ist Mexikaner“, berichtet Vanessa. “Obai hat den Song ausgesucht, er verbindet viel damit“, sagt Vanessa. Er spreche nicht oft über seine schlimmen Erlebnisse, versuche eher, das zu überspielen. Es gab aber auch die Situation, in der er über die Flucht erzählte, dann aber nicht weiter sprechen wollte. „Das wollten wir verarbeiten – aber durch die Übersetzungen auch die Zusammenkunft der Nationen“.

Piet-Mondrian-AusstellungsBOX

Nia, Emma und Liza ließen sich für ihre „Piet-Mondrian-AusstellungsBOX“ von der Künstlerin Nike de Saint-Phalle inspirieren. „Anstatt ein Terrorist zu werden, wurde ich ein Terrorist in der Kunst“. „Was sie uns damit sagen möchte, ist, dass die Kunst einen davor bewahren kann, etwas zu tun, was man später vielleicht bereuen würde“, erläutert Liza. „Denn durch die Kunst und beim Kunst-Machen kann man verschiedensten Emotionen freien Lauf lassen, man kann kreativ werden und etwas Neues ausprobieren, ohne tatsächlich zerstörerisch zu werden“. Und so konnten die drei Schülerinnen ihre Gefühle ausdrücken, Gefühle wie Angst, Wut oder Aggression, die man sonst vielleicht verdrängt – bei ihrer Kunstaktion am 11. Juni im Foyer des Gymnasiums. In Malerkleidung, mit Mundschutz und Brille schleuderten sie die zuvor ausgewählten und zu den verschiedenen Stimmungen passenden Farben mit den Händen, warfen Farbflaschen und verwischten die Farbe mit Spachteln. Aktionskunst läuft meist anders ab als zuvor geplant, ist erschöpfend, befreit aber auch – so das Fazit. In der Ausstellung zu sehen nicht nur das Ergebnis der Farbschleuderei – auch die Malerkleidung der Mädchen zeugt von der Auseinandersetzung mit dem Begriff „Kunst“.

AusstellungsBOX Ökologie

Vor allem die dritte AusstellungsBOX des Kurses 10.2 zum Thema Ökologie, außen abstrahierte schmale Baumstämme, in leuchtenden Grüntönen gespachtelt und gerollt, hat große Chancen wieder ins Foyer gestellt zu werden. Noch macht das Innere aufmerksam auf unsere riesigen Umweltprobleme: ganz schwarzgestrichen greifen Gipshände aus den schwarzen Wänden einen Baum an. Diese Installation von Moritz S., Emma, Artur und Jonas, Nils und Moritz J., Marvin J. und Stony kann auch als eine Hommage an den Namensgeber der Schule Ernst Haeckel gesehen werden – kein Geringerer als er „erfand“ das Wort ÖKOLOGIE. 

Birkenwald und Bank

Es bleibt zu hoffen, dass auch etliche Leinwände der anderen Kursmitglieder Laura, Lara, Vivian, Phoung, Marie und Justin in ihren ebenfalls v.a. leuchtenden Maigrüntönen im Schulhaus verbleiben.                                                                                               Elisas zufällig gefundenes kleines Bild eines russischen Birkenwaldes, kombiniert mit schwarzgestrichener Minibank und montiert auf schwarzer Holzplatte, greift ihr, in den Vorarbeiten favorisiertes Stuhl-Motiv und die neuen künstlerischen Gestaltungsmittel von vor 100 Jahren auf.

Vogelhochzeit aus Konservendosen

Die  DADA-Materialcollage „Vogelhochzeit 2068“ aus Konservendosen und ausgedienten Wasserkochern von Anna, Adrian, Niklas,Tristan und Robin folgt ebenfalls dem Grundprinzip der Nachhaltigkeit des „Trash To Treasure“ vieler künstlerischer Arbeiten aus dem Unterricht. Für die eingeladene Werderaner Künstlerin Katharina Forster, die ihr GemeinschaftsBildhaueratelier in der ehemaligen Vulkanfieberfabrik am Bahnhof und guten Kontakt zu Schülern auch unserer Schule hat, ebenfalls ein Hauptarbeitsfeld.

(red/wsw/cg)