Auf den Brettern, die die Welt bedeuten

Schüler der Werderaner Waldorfschüler laden am 18. und 19. Oktober jeweils um 19 Uhr zu einer Theatervorführung in die Aula ein

Die Schüler der 12. Klasse aus der Werderaner Waldorfschule: v.li. Melissa, Anna, Ibrahim, Sarah, Niclas, Louise, Alex, Elisabeth, Johanna, Stella, Sarah, Alica und Lisa, Fotos: wsw

Werder (Havel), 15. Oktober 2018 – Uns erreichte eine Einladung der Werderaner Waldorfschule Christian Morgenstern, die wir nur zu gerne wahrgenommen haben: Die 12. Klasse der Freien Schule in der Elsastraße 14/16 hat im Rahmen ihres Schulabschlusses ein Theaterstück einstudiert, das sie uns präsentieren wollte. 

Die 13 Schüler, die an diesem Tag vor Ort waren, müssen gemeinsam mit ihren restlichen Klassenkameraden (insgesamt sind 17 Schüler in der Klasse) eine Theatervorführung organisieren. Hierzu gehören neben dem Einstudieren des Stückes auch die Gestaltung des Bühnenbildes sowie die Auswahl der Kostüme. Unterstützung bei den Proben bekommen sie von der Theaterpädagogin Frau Wiedemann. 

Bevor die Proben begannen, konnten wir uns mit einigen Schülern unterhalten. Sie verrieten uns, dass sie für ihren Schulabschluss drei Prüfungen ablegen müssen. Hierzu zählen eine Prüfung in Eurythmie, die Ausarbeitung einer Jahresarbeit sowie die Präsentation des Theaterstücks. Für das Erlernen und Einstudieren des Stückes haben sie drei Wochen Zeit. In diesen drei Wochen können sie sich einzig und allein mit dem von ihnen gewählten Stück „Die Befristeten“ von Elias Canetti beschäftigen. Das futuristische Stück befasst sich mit der Frage, ob der Mensch mit einem bestimmten Quantum Leben zur Welt kommt oder ob dieses unbestimmt ist. Die Menschen in diesem fantasievollen Gedankenexperiment heißen wie die Zahl ihrer Lebensjahre. Ihr Sterbedatum, den sogenannten Augenblick, tragen sie in einer versiegelten Kapsel um ihren Hals. Kein Unheil dieser Welt kann sie vor ihrem geplanten Sterbedatum von dieser Erde verschwinden lassen, aber kein Tag mehr wird ihnen nach Ablauf ihrer Lebensfrist gewährt. Streng verboten ist, einem anderen Menschen sein gegenwärtiges Alter zu verraten. Wie sieht so eine Welt aus, in der jeder Mensch seinen vorbestimmten Augenblick weiß? 

Mit der Beantwortung dieser Frage beschäftigen sich die engagierten 12. Klässler in ihrem Gemeinschaftsprojekt. „Wir haben das Stück aus drei Vorschlägen gemeinsam gewählt und die Rollen je nach Interessengebiet verteilt. Wir waren uns ziemlich schnell einig“, verriet uns eine Schülerin. 

Die Schüler der 12. Klasse der Waldorfschule in Werder, die sich aus drei jungen Männern und 14 jungen Frauen im Alter zwischen 17 und 18 Jahren zusammensetzt, sind zum Teil seit der ersten Klasse in einem gemeinsamen Klassenverband. „Die anderen sind in der dritten und fünften Klasse dazugekommen“, erklärte ein Schüler. Die Verbundenheit, die zwischen ihnen herrscht, spürten wir bei unserem Besuch sofort. „Gerade die Arbeit an dem Theaterstück hat uns noch mehr zusammengeschweißt“, waren sich die Klassenkameraden einig. 

Nach einer kurzen Aufwärmrunde begann die eigentliche Probe. Die Schüler, die uns zuvor noch erfrischend Rede und Antwort standen, verwandelten sich auf der Bühne in junge Schauspieltalente. Die Kostüme saßen perfekt, an dem Lichtkonzept wurde während der Probe noch gefeilt und wenn jemand seinen Text kurzzeitig vergaß, half ihm Souffleuse Johanna schnell und diskret auf die Sprünge. Uns bereitete das Zuschauen genauso viel Freude wie den Schülern die Präsentation auf der Bühne. 

Das Theaterstück „Die Befristeten“ wird am 18. und 19. Oktober jeweils vormittags und abends in der Aula der Walddorfschule Christian Morgenstern aufgeführt. Die Vorstellung am Vormittag ist für die Schüler der 6. bis 11. Klassen gedacht sowie für eine 12. Klasse aus der Potsdamer Waldorfschule. Abends um 19 Uhr sind dann Eltern und Lehrer sowie alle interessierten Werderanerinnen und Werderaner herzlich willkommen. Das Stück dauert 90 Minuten plus Pause. Der Eintritt ist frei, Spenden für die Klassenkasse sind natürlich gerne gesehen. 

Wir können einen Besuch der Vorstellung nach unserem Reinschnuppern in die Proben nur empfehlen. Nicht nur der Inhalt des Stückes von Elias Canetti ist unglaublich interessant, es macht auch wahnsinnig viel Spaß zu sehen, wie harmonisch die Schüler miteinander auf der Bühne agieren und in die verschiedensten Rollen schlüpfen. (wsw)