Ausstellung zum 60. Geburtstag von Frank W. Weber

Jubiläumsausstellung des Künstlers ARATORA in der Galerie von Oda Schielicke in den Havelauen

„Hinter jedem starken Mann steht eine starke Frau“ - Frank W. Weber und seine Frau Andriotta. Foto: wsw

Werder (Havel), 19. Dezember 2018 – Oda Schielicke war jüngst Gastgeberin einer besonderen Geburtstagsfeier. Seinen 60. Geburtstag und die Eröffnung seiner Ausstellung feierte Frank. W. Weber in der Galerie der Künstlerin in den Havelauen.

Weber, der nicht nur Ausrichter verschiedener Pleinairs, Gründungsmitglied von Künstlergruppen wie die der „Werderaner Galgenvögel“ sowie der „Fragmentalisten“ und eben auch Kurator der Stadtgalerie ist, begrüßt die Gäste gut gelaunt: „Für mich war leider kein Platz in der Stadtgalerie“, lacht er. Konnte er zu seinem 50. noch Werke seines Schaffens unter dem Titel „quer gedacht“ im KunstGeschoss präsentieren, lockt derzeit die von ihm sorgfältig kuratierte und überaus sehenswerte Ausstellung „10 Jahre Kunstgeschoss – Die Fundusausstellug“ die Kunstinteressierten ins Dachgeschoss des Schützenhauses.

Die „Asyl“-gebende Künstlerin Oda Schielicke lobt in ihrer Begrüßungsrede den klaren Verstand von Frank W. Weber, der weitsichtig schon vor einem halben Jahr bei ihr angefragt hätte, ob er seine Jubiläumsausstellung in ihrer Galerie ausrichten könne. Die Farbe Rot, die ihr auffällig in der Ausstellung scheint, spricht sie der Verbindung Webers mit der „Russischen Garde“ zu. Die Hängung in ihren kleinen Räumen sei meisterlich. „Das kennen wir ja aus dem Kunstgeschoss“, lobt sie Weber auch als Kurator, der es immer wieder verstünde, die Künstler meisterlich zu präsentieren und in Szene zu setzen. Sie sei ein Bewunderer seiner Kunst, gibt sie unumwunden zu und bedankt sich für die über die Jahre entstandene Freundschaft.

Die Galerie war an diesem 12. Dezember mit vielen weiteren Freunden gefüllt. Dicht an dicht standen die Gratulanten, auf das Wohl des Jubilars und seiner Frau Andriotta, aller Gäste, das Leben und die Kunst wurde vielfach und fröhlich angestoßen.

Er zeige in „Da Da Aratora“ neue Arbeiten aus den vergangenen zwei Jahren, bis auf das ältere Bild im Eingangsbereich, erklärt Weber kurz seinen Gästen, fordert sie dann auf, die Ausstellung selbst zu entdecken. Auch für den Katalog wäre es ihm schwer gefallen, sich selbst zu beschreiben. Es falle ihm sehr viel leichter, über Kolleginnen und Kollegen etwas zu sagen, als über sich selbst. Gelungen ist es ihm dennoch, sein Katalog ist selbst ein hochwertiges grafisches Kunstwerk – erschienen in einer Auflage von 200 Stück, 50 davon sind nummerierte und signierte Exemplare.

Mit dem älteren Bild meint er das „Narrenbegräbnis“. Über einen Meter hoch hat Weber hier auf Hartfaser gemalt. Wie er im Prolog des Ausstellungskataloges feststellt, hat ihn eine „innere Unruhe“ zu diesem Bild getrieben. Es sei der Abschied von einer künstlerischen Phase figürlicher und veristischer Realität. Während des Malens 2009 wurde er Kurator der Stadtgalerie, zu Hause zeichnete sich ab, dass sein aufwändig individuell umgebautes Fabrik-Loft in der Eisenbahnstraße nicht mehr lange Heimstatt sein würde. Rückblickend hätte er erkannt, dass die Arbeit an diesem Bild im Kopf den Weg zur Erneuerung frei gemacht hat.

Mit großem Elan ging er nach dem Umzug in die Elsastraße mit seiner Partnerin – ebenfalls Künstlerin – an die mehrjährige Rekonstruktion und den zeit- und materialaufwendigen Ausbau einer „ruinösen, abrissreifen, zwölf Jahre leerstehenden, von der Sowjetarmee genutzten deutschen Fliegerschulkaserne aus dem Jahr 1936“. Doch wie er selbst feststellte, “schöpfe der Geist auch aus anstrengenden Veränderungen”.

1976 war er nach Werder gekommen, von den Werderanern als „Werderaner“ endgültig anerkannt wurde er mit der Aufgabe als Kurator im Kunstgeschoss, erinnert er sich. Weber ist nicht nur ein Künstler und sicher auch ein Genießer, sondern auch ein Macher – Aufgaben muss er anpacken, dem neuen Heim musste er Gesicht und Stil geben. Immer Wert darauf legend, die bestehenden Eigenheiten zu betonen, Historisches zu bewahren. Er ist einer, der positiv denkt. Bestimmt auch gern und intensiv nachdenkt, meist mit Bedacht und sehr oft mit Ironie die Worte setzt, aber auch in der Lage ist, aufzuspringen und flink loszulegen, wenn ein Gedanke, eine Idee ihn dazu ermuntert. Eine Anekdote gab er während der Vernissage zum Besten. Als er und seine Frau daran arbeiteten, die Russenkaserne umzubauen, fanden sie in Wände eingeritzte Namen, viele russische Zeichen. Im Schlüsselkasten entdeckten sie eine Kritzelei aus dem Jahre 1957, die ihnen schließlich von einer russischen Kollegin übersetzt wurde: Hier ist Staub zu finden, achtet auf mehr Sauberkeit. Die Staubkommission“. Da blitzen die Augen und der scharfe Verstand setzt ein, wird zur Inspiration. Er lebt und arbeitet im Atelierhaus nun mit diesen und viele weiteren Spuren aus der Vergangenheit.

Weber freut sich über die Gäste in der Galerie, sie seien für ihn wichtige Menschen. “Doch hinter jedem starken Mann steht eine starke Frau“, blickt er zu seiner Partnerin. Andriotta und er hätten sich gesucht und gefunden. „Liebe ist nicht, sich gegenseitig in die Augen zu sehen, sondern gemeinsam in eine Richtung“, sei ihr gelebtes und bewährtes Motto.

Glückwünsche für Frank W. Weber zum 60. Geburtstag und zur Ausstellungseröffnung vom Alt-Bürgermeister Werner Große. Foto: wsw

Christian Große, der 1. Beigeordnete der Stadt, überbringt seine Glückwünsche auch im Namen der Bürgermeisterin Manuela Saß. “Aus tiefstem Herzen vielen Dank, dass es Dich gibt“, sagt Große und betont, dass Weber mit seiner Arbeit die Stadt bereichere. Die Stadtgalerie sei die Wiege des Erfolges der künstlerischen Szene in unserer Stadt.

Auch die Glückwünsche des Alt-Bürgermeisters Werner Große sind sehr herzlich. Man kennt sich über 30 Jahre und darüber hinaus. Auch er bezeichnet es als Glücksfall für die Stadt, dass Weber Kurator der Stadtgalerie wurde. Und zwar „für ‘nen Appel und ein Ei“ hätte er die Aufgabe übernommen. Und als ein Journalist seinerzeit schrieb, die Werderaner könnten nur Obstwein trinken und mit Pantinen und Gummistiefeln durch die Gegend laufen und hätten mit der Kunst nichts am Hut – mit Frank Weber hätte man den Wandel hinbekommen.

Die Werderaner Keramikerin Gabriele Karele. Sie hat nach Entwürfen von Frank W. Weber ein Frühstücksservice gestaltet. Foto: wsw

Neben den Holzdruckarbeiten, kombinierten Holzdrucken/Collagen, Fotografien – die zu grafischen Bildern werden, polytechnischen Gemälden und weiteren Werken, die den Stil Webers betonen, Formen aufzulösen, um eine neue, meist geometrische Form dafür zu finden, gibt es in der unbedingt sehenswerten Ausstellung auch ein sehr individuelles Frühstücksservice zu bewundern. Seinen Entwurf dafür hat die Keramikerin Gabriele Karele ausgeführt. „Die Realisierung war nicht so einfach. Aber es passt in der praktischen Sachlichkeit und den grafischen Elementen in Bauhausfarben sehr gut in die Ausstellung“,  sagt die Künstlerin aus Werder, deren Nachname für das keramische Kunstwerk mit dem Zeichen von Frank W. Weber „Aratora” verschmolz: KARA.  „Ein Gegenstand muss sich für mich über seine individuelle Nützlichkeit, durch klare Formen und passendes Material definieren“, so Weber über das Service, das er nicht nur selbst nutzt, sondern das Interessierte auch kaufen können. Die Auflage besteht aus nur zehn Exemplaren.

Einen schönen Hinweis gibt Frank W. Weber noch mit auf den Weg: Am 24. Dezember gibt es vom Balkon des Atelierhauses ARATORA ab 16.30 Uhr das schon traditionelle „Weihnachtstrompeten“. Wer sich an der Elsastraße 13 einfindet, hört fünf Trompetensolos zur Weihnacht mit dem talentierten Markus Karelis. (wsw)


Die Ausstellung von Frank W. Weber in der Galerie Oda Schielicke in der Straße Zum großen Zernsee 6f ist bis zum 10. Februar zu sehen. Geöffnet ist immer donnerstags, samstags und sonntags, nicht an den Feiertagen und Neujahr, von 13 bis 18 Uhr.
Auf seiner Internetseite gibt es noch viel mehr über den Künstler zu erfahren.
“Der Fundus” 10 Jahre Kunst-Geschoss: Die Stadtgalerie hat in der Weihnachts- und Neujahrszeit an ihren regulären Tagen geöffnet. Donnerstag, Samstag und Sonntag von 13-18 Uhr. Nicht an den Feiertagen und Neujahr!

Ausschnitt aus dem großformatigen polytechnischen Gemälde „Russisch Roulette“ mit Materialien um 1920 und original weißrussischer Zeitung von 1919 von Frank W. Weber. Foto: wsw

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