Band 6 der Werder-Chronik erschienen

Ausgewählte Bereiche von Industrie und Dienstleistungen sowie die Infrastruktur von Werder (Havel) sind Inhalt des Bandes. Band 7 soll im Frühsommer erscheinen.

Der sechste Band der Werder-Chronik ist erschienen. Foto: Montage Cover/Bildmaterial

Werder (Havel), 11. Januar 2019 – Um 1930 begann die bis zur Wende andauernde Geschichte der Stuhlfabrik in Werder. Zuvor hatte der Stellmachermeister Hermann Saß um 1905 in Potsdam seinen Familienbetrieb gegründet, zog wegen der Firmenerweiterung nach Ketzin und dann schließlich nach Werder. Produziert wurden Sattelbäume – das sind Holzgestelle für Reitsättel – und Holzabsätze. In der damaligen Mittelstraße, der heutigen Adolf-Damaschke-Straße, durchlebte das Unternehmen eine wechselvolle Geschichte, einen Großbrand und die mehrfache Erweiterung des Produktionsprofiles. Zum Marktführer im Bezirk Potsdam wurde man in der noch jungen DDR mit der Fertigung von Holzstühlen. 1959 arbeiteten beispielsweise 170 Werktätige, die jährlich etwa 60.000 Sitzmöbel, eine Million Paar Absätze und 1000 Sattelbäume herstellten. Letztere auch für den Export. 1972 wurde das Werk in Volkseigentum überführt. Bis 1990 arbeiteten viele Werderanerinnen und Werderaner in der Stuhlfabrik, einige erinnern sich vielleicht auch noch an die so genannten “Kasernenstühle”, die im Rahmen der Reparationsleistungen für die Sowjetunion produziert wurden. Vor der Auslieferung prüfte ein sowjetischer Offizier die Stühle, indem er auf einem der Stühle einen Handstand machte. Hielt der Stuhl dieser Belastung stand, wurde die Lieferung abgenommen. – Ausführlich nachzulesen in der neuen Werder-Chronik!

Im gerade erschienenen sechsten Band “700 Jahre Ortsgeschichte” geht es um Dienstleistungen und Industrie in Werder (Havel). Erneut haben die insgesamt 14 Autoren um Baldur Martin, Klaus-Peter Meißner und Klaus Froh, die Herausgeber und auch Verfasser einiger Beiträge sind, sich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt, haben historisches Material aufgespürt und 256 Seiten mit für jeden Heimatinteressierten spannenden Geschichten gefüllt. Während im ersten Teil des Buches im Sinne eines Überblicks der historische Bogen vom 19. Jahrhundert bis in die Moderne geschlagen wird, gibt es im zweiten Teil die Einzelbeiträge. Historische und vergleichende aktuelle Bilder ergänzen die Beiträge anschaulich.

Die Geschichten beschäftigen sich aber nicht nur mit Stuhlfabrik, Vulkanfiber oder Schaltgerätewerk – auch die noch junge Geschichte der AMW Anlagen-Montagen Werder GmbH beispielsweise zeigt auf, dass aus alten Firmen mit Neugründungen erfolgreich Erfahrung und technisches Know How weiter wachsen konnte. Der Beitrag über die Firma mit dem Titel “Hochspannung aus Werder” wurde von Harald und Firmenchef Ronald Engelhardt selbst verfasst.

Hubert Rießner, der seine Karriere in der Vulkanfiberfabrik 1969 begann und bis 1992 schließlich Geschäftsführer war, berichtet über die Geschichte der Firma, die nach 75 erfolgreichen Jahren schließlich – ohne nachvollziehbare Begründung und trotz ausreichender Produktionsaufträge – von der Treuhand abgewickelt wurde. Rund 150 Mitarbeiter verloren ihren Arbeitsplatz.

Mit dem Feuerlöschwesen beschäftigte sich kenntnisreich Erhard Schulz, Klaus Schmidt berichten über die Apotheken der Stadt von der Gründung bis zur Gegenwart, der Geschäftsführer Thomas Wolfgang Lück schreibt über die Haus- und Grundstücksgesellschaft HGW. Interessantes gibt es über die Geschichte der Post in Werder von Kurt Pape zu lesen, Manfred Baarsch berichtet über die Brauereien der Stadt. Detlef Weiden beschäftigt sich mit dem Staatlichen Straßenunterhaltungsdienst Werder und die Folgeeinrichtungen, Jürgen Müller schreibt über den Verkehr als Grundvoraussetzung für die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt. Während Peter Rüters Fakten über die Geschichte von Dampf und Wärme in Werder zusammengetragen hat, geht es in dem Beitrag von Gerhard Götze um die Fernwärme des Energieversorgers e.distherm.

Als eigenständige Publikation kündigt Klaus-Peter Meißner für die Herausgeber die Geschichte des Gastgewerbes an. Ebenso eine weitere, ausführlichere Darstellung der Postgeschichte.
Insgesamt schließt sich der vorliegende überaus lesenswerte und spannend aufklärende Band an den Band 4 der Chronik (Erste Großgewerbe) und 5 (Obst- und Gartenbau) an.  (wsw)


Werder (Havel). 700 Jahre Ortsgeschichte, Band 6: Dienstleistungen und Industrie
Knotenpunkt Verlag Potsdam, Herausgeber Baldur Martin, Klaus-Peter Meißner und Klaus Froh. Autoren: Manfred Baarsch, Harald Engelhardt / Ronald Engelhardt, Gerhard Götze,
Thomas Wolfgang Lück, Baldur Martin, Jürgen Müller, Kurt Pape / Wolfgang Heitsch, Hubert Rießner, Peter Rüters, Erhard Schulz, Klaus Schmidt, Detlef Weiden
256 Seiten, Hardcover, Preis: 17,50 Euro, ISBN-13: 978-3-939090-23-6
Erhältlich u.a. in der Buchhandlung Hellmich in der Brandenburger Straße 161.