Bauer Hintze gegen den Wolf

Bauernbund fordert „wolfsfreie Zone“ - Umweltminister beschäftigten sich mit dem Thema Wolf bei ihrer Konferenz

Wo Menschen und Weichtiere sind, müssen Wölfe gejagt werden, fordert der Präsident des Bauernbundes Brandenburgs, der Krielower Marco Hintze. Foto: wow

Werder (Havel), 19. November 2018 – Gefährlich oder nützlich? Wie viele Wölfe kann Deutschland, kann Brandenburg, kann die Mittelmark vertragen? Die Naturschützer jubeln, der Artenschutz hat gesiegt, als Regulator im Ökosystem Wald ist der vierbeinige Jäger willkommen. Der große Beutegreifer meidet Menschen.
Doch auch die Gegenmeinungen sind laut und gewichtig. Wolfsreviere sind groß, in unseren zugebauten Landschaften gibt es zu wenig Reviere für zu viele Rudel. Wölfe töten auch Herdentiere. Elektro-Zäune, Herdenschutzhunde und Entschädigungszahlungen – sind das geeignete Maßnahmen für eine Zukunft mit dem Wolf?

Forderung nach einer „wolfsfreien Zone“

Über 300 Menschen sind jüngst in Potsdam der Einladung des Bauernbundes Brandenburg gefolgt und protestierten vor dem Landtag gegen die Ausbreitung der Wölfe.
Marco Hintze aus Krielow freute sich als Bauer und als Präsident des Bauernbundes über die Beteiligung. „Es gab ja an diesem Wochenende noch mehrere andere Demonstrationen, da ist das schon eine tolle Zahl“, sagte er gegenüber Wirsindwerder. Auch andere Landnutzerverbände in Brandenburg unterstützten die Veranstaltung.

Das Wolfsmanagement der Landesregierung sei gescheitert, die klare Forderung des Bauernbundes laute, große Teile des Landes zur „wolfsfreien Zone“ zu machen. „Überall, wo Menschen und Weidetiere sind, müssen Wölfe konsequent gejagt werden, und zwar sofort“, so Hintze. Der Bauer lebt selbst vom Ackerbau, Rindern und der Färsenmast. Seine Herde lebt von April bis November auf den Weiden. Hintze musste schon Verluste durch Wölfe hinnehmen.

In verschiedenen Redebeiträgen wurde bei der Demonstration darauf hingewiesen, dass die Gefährdung ganz aktuell ist. Vor einer „systematischen Verharmlosung“ des Großraubtiers warnte Forstwirt Christoph Rechberg aus Plattenburg: „Es ist eine Illusion zu glauben, die Wolfspopulation würde sich irgendwann selbst regulieren oder es gäbe andere Möglichkeiten sich dagegen zu schützen als mit dem Gewehr.“ Biolandwirt Reinhard Jung berichtete von seinem Fachwerkbauernhof in Lennewitz, wo er die alte Nutztierrasse Rotbuntes Niederungsvieh züchtet: „Wir haben uns hier ein Paradies geschaffen und das lassen wir uns nicht kaputt machen von einer reißenden Bestie, die unsere Vorfahren aus gutem Grund ausgerottet haben.“ Eine entsprechende Petition auf der Internetseite haben 7321 Unterstützer (Stand 19. November 2018) unterzeichnet.

Ministerkonferenz zum „Umgang mit dem Wolf“

Auf ihrer Herbstkonferenz in Bremen haben die Umweltminister von Bund und Ländern in der vergangenen Woche auch das Thema „Umgang mit dem Wolf“ behandelt. Von besonderer Bedeutung sei für Brandenburgs Umweltminister Jörg Vogelsänger, dass mit dem bei der Konferenz verabschiedeten Beschluss zum „Umgang mit dem Wolf“ erreicht wurde, dass der Bund bis spätestens zur Umweltministerkonferenz im Frühjahr 2019 eine „rechtssichere Grundlage zur Entnahme von problematischen Wölfen zum Schutz der Weidetierhaltung bei Einhaltung der notwendigen Präventionsmaßnahmen“ vorlegen will.

Vogelsänger: „Wir begrüßen, dass unsere Forderung, Schäden vollständig, also zu 100 Prozent, erstatten zu können, in Brüssel endlich Gehör gefunden hat“, so der Minister weiter. Dies kann nach Vogelsängers Worten nur ein Etappenziel sein: „Wir müssen uns im Klaren sein, dass angesichts der weiter steigenden Zahlen der Wölfe mehr Geld für die Prävention und die Entschädigung nicht das Allheilmittel sein kann, um alle Probleme zu lösen: Wir brauchen weiterhin klare Handlungsmöglichkeiten für Regionen, in denen der natürliche Erhaltungszustand der Wölfe langfristig gesichert ist. Die angekündigte bundesweite Strategie beim Umgang mit verhaltensauffälligen Wölfen muss es den Ländern ermöglichen, rechtssicher einzelne Tiere zu entnehmen, ohne in langen Prozessstreitigkeiten zu enden.“ (wsw)

Fakten

Nach der bundesweiten Auswertung des Wolfsjahres 2017/2018 sind für das Land Brandenburg 26 Rudel und 12 Paare nachgewiesen, wie das brandenburgische Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft mitteilte. Insgesamt wurden demnach vom Landesamt für Umwelt (LfU) in diesem Zeitraum 4.267 Nach- und Hinweise überprüft.

Bei 11 der 12 Paare konnte den Informationen zufolge im Rahmen des Monitorings im laufenden Wolfsjahr 2018/2019 bereits eine Reproduktion nachgewiesen werden. Das LfU geht daher aktuell für das Land Brandenburg von 37 Rudeln und einem Paar aus. Diese Zahlen will der Bauernbund nicht bestätigen, er geht von einer weit größeren Population aus. Der Wolf ist zahlreichen Gefährdungen beispielsweise durch Straßenverkehr und illegale Tötungen ausgesetzt. Er unterliegt dem Naturschutzrecht und darf nicht gejagt werden.

Der Wolf – eines der am weitesten verbreiteten Säugetiere der Erde – wurde in weiten Teilen West- und Mitteleuropas im 18. und 19. Jahrhundert ausgerottet. Die letzten Reproduktionsnachweise des Wolfes stammen für das heutige Gebiet Deutschlands aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Zum ersten Mal nach langer Abwesenheit wurden im Jahr 2000 wieder wildlebende Wölfe in Deutschland, in der sächsischen Lausitz, geboren.
In Brandenburg erfolgte die erste territoriale Ansiedlung eines Wolfspaares im Jahre 2007 im äußersten Südosten des Landes. 2009 wurden erstmals seit über einem Jahrhundert Wolfswelpen in Brandenburg aufgezogen. Seitdem ist der Bestand kontinuierlich angewachsen.

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