Berlin, Berlin … wir fahren nach Berlin

Stadtsportbund-Chef Klaus-Dieter Bartsch, Vater Olaf Linke, Bundestrainer Ronald Weigel, Topathlet Christopher Linke und Werders 1. Beigeordneter Christian Große. Foto (3): wsw

Werder (Havel), 1. August 2018 – Er scheint tiefenentspannt, dabei steht Christopher Linke vor dem nächsten sportlichen Höhepunkt seiner Karriere. Der aus Werder stammende Weltklasse-Geher wird an Samstag, dem 11. August 2018, am Berliner Breitscheid-Platz gegen die europäische Elite bei der Leichtathletik-Europameisterschaft antreten. Für die Werderaner, die ihn anfeuern wollen, ist die Strecke zwischen zwischen Gedächtniskirche und Bikini Berlin mit dem Regio schnell zu erreichen. Start ist 10.55 Uhr.

Wie er in dieser Woche bei der Verabschiedung durch den 1. Beigeordneten der Stadt, Christian Große, sagte, freut er sich über die Anfeuerungsrufe, die er trotz der Fokussierung auf den Wettkampf durchaus wahrnimmt und die ihn motivieren.

Auch Christian Große hofft, „dass möglichst viele Werderaner am 11. August an der Strecke stehen und unseren Top-Athleten unterstützen werden. Vielleicht wird das ja ein historischer Moment für unsere Stadt.“

Christopher Linke ist jedenfalls in Top-Form, am Vormittag hatte er noch eine 20 Kilometer-Trainingseinheit absolviert. Die Hitze mache ihm nichts aus. Gut gemeinte Ratschläge aus dem Radio, sich bei diesem Wetter besser nicht draußen zu bewegen, haben für Spitzensportler wie ihn keine Gültigkeit. Da helfe es auch nicht, kurz vor dem Wettkampf extra viel zu trinken. Der Wasserhaushalt des Körpers wird vorher über Tage aufgebaut, berichtet Christopher. Er frühstücke vor dem Wettkampf gut, trinke Saft, sogar ein Kaffee wäre für ihn nicht schädlich. Besonderes Augenmerk wurde diesmal allerdings auf das Zusammenspiel mit dem Trainer beim Erfrischen mit der Wasserflasche gelegt. Dazu gibt es am Streckenrand eine eigene Versorgungsstelle mit dem Trainer, der ihm eiskaltes Wasser reiche, das er sich über den Kopf und Körper schütten kann. „Die Erfrischung ist für mich persönlich wichtiger, als während des Wettkampfes zu trinken“, sagt Christopher. Bundestrainer Ronald „Ron“ Weigel, seinerzeit selbst ein sehr erfolgreicher Geher, findet, sein Schützling sei gut vorbereitet, keine Verletzungen, zuletzt sei er sogar noch schneller geworden. Er wies darauf hin, dass die Zuschauer in Berlin die Möglichkeit haben, die Geher mehrfach auf dem einen Kilometer langen Rundkurs zu sehen.

Festlegen will sich Christopher Linke nicht, wenn es um sein Ziel geht. „Ich würde nie öffentlich sagen, dass ich gewinnen will. Selbst wenn ich das denke“. Er gebe auf jeden Fall sein Bestes, hat im Training und bei den letzten Wettkämpfen super Leistungen gezeigt, ist fit. „Europa schaut natürlich auf ihn. Und halb Werder wird an der Strecke stehen. Damit muss und damit kann er leben“, so Ronald Weigel, tippt sich an den Kopf und sagt: „Hierauf kommt es auch immer an. Ebenso auf Tagesform, das Glück und auf die Stimmung oder die Kampfrichter. Das zeichne einen Topathleten aus – den Druck auszuhalten und die Leistung abzurufen.

Die Konkurrenz sei stark, die mit Miguel Ángel López den Titel verteidigenden Spanier stehen gleich mit vier Gehern am Start. Auch der Brite Tom Bosworth ist vorn mit dabei. „Der bestimmt mit seiner Taktik, vornweg zu gehen, das Rennen“, vermutet Christopher. „Und wenn der losgeht, dann gehe ich auf jeden Fall mit“. Die Konkurrenz über die 20-Kilometer-Distanz sei auf jeden Fall größer als bei den 50 Kilometern. „Zehn Leute sind dabei, die vom Potenzial her Medaillen gewinnen können, sechs Leute, die den Wettkampf gewinnen können“. Das Niveau sei hoch. „Ein knallhartes Tempo von Anfang an“, prognostiziert auch Ronald Weigel. „Die 20 Kilometer haben sich zu einem Sprint-Wettkampf entwickelt“.

Wie berichtet, hat der Vater von Christopher, Olaf Linke, einen Bus mit 50 Plätzen gechartert, er wird gefüllt sein mit Freunden und Verwandten des Sportlers, darunter vom Werderaner Handballclub HV Grün-Weiß. Auch die Trommler der Handballer werden nach Berlin fahren. Einige Fans werden auch mit dem Regionalexpress anreisen. „Werderaner, die uns suchen, brauchen einfach nur den Trommeln hinterher“, so Olaf Linke.

Die Reise nach Rio sei vor zwei Jahren selbst für seine Eltern zu teuer gewesen, erzählt Christopher, bei der WM in London war derweil schon ein ansehnliches Grüppchen Lokalpatrioten mitgereist. „Diesmal können alle dabei sein, die mich beim Wettkampf sehen wollen“, sagt er. Danach soll, egal wie es ausgeht, mit den Fans gefeiert werden. Das Teamhotel ist zwar für Gäste gesperrt, „da darf nicht mal meine Freundin rein“, sagt Christopher Linke. Papa Olaf Linke hat aber eine Gaststätte in der Nähe gebucht.

Der Wirt habe eine Saalrunde versprochen, wenn eine Medaille für den Werderaner rausspringt. Stadtsportbundchef Klaus-Dieter Bartsch hofft fest darauf. „Die Ausgangsbedingungen sind gut“, sagt er. Beim Geher-Meeting im tschechischen Podebrady holte Christopher Linke im April Gold in der 20-Kilometer-Distanz, ein paar Tage später in Naumburg seinen dritten deutschen Meistertitel in Folge. Als Erstplatzierter beendete der Olympiafünfte unlängst auch die 20 Kilometer beim Geher-Festival im litauischen Alytus, zählt Klaus-Dieter Bartsch auf.

„Bartschi“ beobachtet den Olympiakader schon seit Jahren. Seine ersten sportlichen Erfolge hatte Christopher Linke beim Baumblütenlauf im Stadtwald in Werder (Havel), den der Stadtsportbund organisiert und an dem der 29-Jährige gelegentlich immer noch teilnimmt. Die Wettkampf in Berlin lässt sich „Bartschi“ natürlich nicht entgehen und bittet alle Werderaner Sportfans, sich die Zeit einzuprägen: „Am 11. August um 10.55 Uhr sehen wir uns am Breitscheidplatz in Berlin!“ (wsw)


Wir haben hier ein Interview mit Christopher veröffentlicht und hier über den Fanbus berichtet.

Die Leichtathletik-EM

Nach der WM 2009 beheimatet das Olympiastadion in diesem Sommer wieder ein internationales Leichtathletik-Großereignis. In wenigen Tagen beginnen in Berlin und auf den Straßen der Sportmetropole die 24. Leichtathletik-Europameisterschaften (7.-12. August 2018). Erwartet werden 1.600 Athletinnen und Athleten aus über 50 Nationen.

Sieben Sportarten – ein außergewöhnliches Multisport-Event: Wer nicht dabei sein kann – das ZDF überträgt im Wechsel mit der ARD vom 3. bis 12. August 2018 die European Championships live aus Berlin und Glasgow. Die Leichtathleten tragen ihre Europameisterschaften in Berlin aus – Golfer, Ruderer, Schwimmer, Triathleten, Radsportler und Turner kämpfen zeitgleich im schottischen Glasgow um die EM-Titel.

Die EM im TV

ARD und ZDF übertragen vom 2. bis zum 12. August 2018 im Wechsel die European Championships 2018 live aus Glasgow und Berlin. Bei diesem außergewöhnlichen Multisport-Event werden die Europameisterschaften verschiedener Sportarten erstmals parallel ausgetragen. Die Leichtathleten treten im Berliner Olympiastadion an – Golfer, Ruderer, Schwimmer, Triathleten, Radsportler und Turner kämpfen im schottischen Glasgow um die EM-Titel. Rund 100 Stunden Livesport kommen in dieser Zeit in den TV-Programmen oder via Livestream zur Ausstrahlung. Die Übertragungen beginnen zum Teil bereits um 9 Uhr morgens und reichen bis zu den Hauptnachrichtensendungen. An Tagen, an denen die Leichtathletik-Wettbewerbe stattfinden, gehen die Übertragungen bis 22 Uhr.

Den Geher-Wettbewerb über 20 Kilometer mit unserem Christopher Linke überträgt das ZDF live am 11. August ab 10.55 Uhr.

Je ein Fläschchen vom „700 Jahre Werder-Wein“ und Schokolade gab es vom 1. Beigeordneten Christian Große mit auf den Weg. Foto: wsw