Birnbaum „Bergamotte“: schief und schön

Der schief gewachsene Birnbaum auf der Insel musste etwas gestutzt werden.

Der ausladende Ast musste gekürzt und zusätzlich gestützt werden.

Werder (Havel), 12. April 2021 – Er ist ein wahrer Touristenmagnet auf der Insel: Der Birnbaum „Bergamotte“ in der Fischerstraße 29 ist so schief gewachsen, dass er immer wieder ein beliebtes Foto-Motiv ist. 

„Als ich 18 Jahre alt war, habe ich als Lehrling des Öfteren hier auf dem Stamm gesessen“, erinnert sich Walter Kassin schmunzelnd. Gemeinsam mit Dr. Reinhard Schmidt, Jürgen Gentz, Anke Kassin und Dieter Scheffel begutachtet er an einem regnerischen Märztag den schief gewachsenen Birnbaum. Der Obst- und Gartenbauverein hat seit der 700-Jahrfeier der Stadt ein Auge auf die beliebte „Bergamotte“. 

Warum der Birnbaum so krumm gewachsen ist, lässt sich heute nicht mehr genau erklären. Doch warum er einst gepflanzt wurde, wurde von einer alteingesessenen Fischerfamilie überliefert: Anlässlich des zehnten Geburtstages Friedrich II. im Jahr 1722 waren die Soldaten Friedrich I., die zu dieser Zeit auf der Insel stationiert waren, vermutlich angehalten, den zum damaligen Zeitpunkt etwa zweijährigen Birnbaum in die Erde zu setzen. Die „Bergamotte“ ist demzufolge bereits 300 Jahre alt. 

Die vergangenen drei Jahrhunderte gingen an dem Birnbaum natürlich nicht spurlos vorbei. Fäulnis machte sich im Stamm breit, die jedoch glücklicherweise wieder beseitigt werden konnte. Durch den krummen Wuchs wirken enorme Kräfte auf die großen Äste. Eine Stütze, die bereits vor einigen Jahren angebracht wurde, um den ausladenden Ast zu stabilisieren, wurde um eine weitere ergänzt. 

Eine Einkürzung dieses Astes musste ebenfalls vorgenommen werden. „Wenn der Baum etwas eingekürzt wird, kann er die Kraft in die vielen verbliebenen Triebe stecken und so vielleicht in der Zukunft etwas stabiler wachsen“, so Dieter Scheffel. 

Übrigens sind die Früchte der „Bergamotte“-Birne süß und fruchtig. „Man muss sie aber am besten direkt vom Baum essen, sie werden schnell matschig“, erklärt Walter Kassin.

Da in diesem Jahr der beliebte Schnittkurs nicht wie gewohnt stattfinden kann, veranstaltet der Obst- und Gartenbauverein seinen Schnittkurs online. In mehreren Videos gibt es Tipps für die verschiedenen Obstarten. Die Videosammlung wird nach und nach um weitere Obstarten ergänzt. (wsw)