Bundestag stimmte über Organspende ab

Zur Abstimmung im Deutschen Bundestag über die Organspende erklärt die Bundestagsabgeordnete Dr. Saskia Ludwig (CDU)

Berlin, 17. Januar 2020 – Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) stehen etwa 9.500 Menschen in Deutschland auf der Warteliste für ein Spenderorgan. Im Vergleich zu anderen Mitgliedsstaaten des Eurotransplant-Verbunds ist Deutschland das Land mit den meisten Patientinnen und Patienten auf der Warteliste. In einer repräsentativen Studie ermittelte die BZgA, dass die positive Einstellung zum Thema Organ- und Gewebespende in Deutschland 2018 mit 84 Prozent so hoch ist wie nie zuvor. Dem gegenüber stehen 36 Prozent, die tatsächlich auch einen Organspendeausweis besitzen (Stand 2018).

“In Deutschland wird die Organ- und Gewebespende über die Entscheidungslösung geregelt. Sie ist eine Abwandlung der Zustimmungslösung. Das heißt: Die Entnahme von Organen und Geweben nach dem Tod ist nur zulässig, wenn dem die verstorbene Person zu Lebzeiten oder stellvertretend die Angehörigen zugestimmt haben. Innerhalb der Entscheidungslösung soll die Entscheidungsfindung der Menschen unterstützt und begleitet werden. Die Aufklärung über die Möglichkeiten der Organ- und Gewebespende soll die gesamte Tragweite der Entscheidung abbilden und muss ergebnisoffen sein. Um das zu gewährleisten, erhalten alle bei einer deutschen Krankenversicherung versicherten Menschen ab dem vollendeten 16. Lebensjahr alle zwei Jahre Informationsmaterialien sowie den Organspendeausweis kostenfrei zugeschickt.” (www.organspende-info.de)

Nach jahrelangen Diskussionen über die Organspendenpraxis und vor dem Hintergrund des eklatanten Mangels an Spenderorganen hat der Bundestag gestern die gesetzliche Grundlage geändert. In einer fraktionsoffenen namentlichen Abstimmung stimmten 432 Abgeordnete in dritter Beratung für die sogenannte Entscheidungslösung. Der Gegenentwurf von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU/CSU) und Prof. Dr. Karl Lauterbach (SPD) wurde abgelehnt. Dieser sah vor, dass jeder Bürger als möglicher Organspender gilt, der zu Lebzeiten keinen Widerspruch erklärt hat.

Der gestern beschlossene Gesetzesentwurf hält an der geltenden Zustimmungsregelung fest. Zusätzlich soll jeder Bürger regelmäßig über das Thema Organspende informiert und befragt werden. Zukünftig wird die Abgabe einer Erklärung zur Organ- und Gewebespende auch in Ausweisstellen möglich sein. Zudem soll ein bundesweites Online-Register eingerichtet werden, wo Bürger die Möglichkeit bekommen, ihre Entscheidung einfach zu dokumentieren, jederzeit zu ändern und zu widerrufen.

Die Bundestagsabgeordnete Dr. Saskia Ludwig (CDU) äußert sich wie folgt zu dem Abstimmungsergebnis

„Solche Voten sind zutiefst individuelle Einzelentscheidungen. Ich habe mich für die Zustimmungslösung entschieden.

Die Würde des Menschen ist unantastbar, so heißt es schon im Grundgesetz. Diese jedem Menschen innenwohnende Würde ist weit mehr als die bloße Selbstachtung.
Diese Würde macht aus dem Menschen nach dessen Tod keine ‘Masse’, über die andere grundsätzlich und ohne Zustimmung des Betroffenen verfügen können. Dies gilt gerade auch für den hochsensiblen Bereich der Organspende.

Nach meiner Auffassung ist es richtig, dass eine ausdrückliche Er- klärung nötig ist, wenn man sich FÜR eine Organspende entschei- det. Der Verzicht auf eine solche Erklärung kann niemals die Zustimmung zu einer Organentnahme sein.

Es ist richtig, wenn sich Menschen zu Lebzeiten mit diesem Thema befassen und ihre Zustimmung erklären, wenn sie zu einer Organ- spende entschlossen sind. Genauso richtig ist es, wenn Menschen nach reiflicher Überlegung zu einer anderen Entscheidung kommen.

Es gibt viele Dinge, die man zu Lebzeiten regeln muss, damit sie nach dem Tod Bestand haben. Deshalb ist es nicht zuviel verlangt, wenn sich Menschen mit diesem Thema auseinandersetzen und eine ‘erwachsene’ Entscheidung treffen, und zwar ohne moralischen Druck und ohne staatliche Betreuung. Ich ignoriere nicht, dass es viele Patienten gibt, die dringend auf eine Organspende angewiesen sind. Die Zustimmungslösung ist kein Vorbehalt gegen eine Organ- spende. Um die Bereitschaft zur Organspende zu fördern, sind Transparenz und Aufklärung wichtig. Es ist Aufgabe der Hausärzte, im vertraulichen Gespräch mit ihren Patienten auch dieses Thema anzusprechen, sie intensiv zu informieren und so die Grundlage für eine begründete individuelle Entscheidung jedes Einzelnen in Sachen Organspende zu schaffen.“

(BZgA, s.l., wsw)