CDU will Zukunft des Scala-Kulturpalastes sichern

Bei Kultur ist die öffentliche Hand gefragt: Die Stadt soll mit dem Kino-Eigentümer über einen Verkauf an die Stadt Werder (Havel) verhandeln

Baldur Martin im Dezember 2018 bei einem seiner letzten großen Vorträge im Scala. Baldur Martin spendete die Erlöse des Abends für den Erhalt der Einrichtung. Foto: wsw

Werder (Havel), 21. Februar 2019 – Um die weitere Nutzung als kulturellen Ort zu sichern, soll die Bürgermeisterin nach dem Willen der CDU-Fraktion beauftragt werden, Kaufverhandlungen zum Erwerb des Scala-Kinos aufzunehmen. Einen entsprechenden Antrag wird die Fraktion am 21. März in die Stadtverordnetenversammlung einbringen. Die Ergebnisse der Verhandlungen sollen dem Antrag zufolge den Ausschüssen bis zum 30. Juni vorgelegt werden.

Das Kino in Werder wurde 1940 errichtet und bis zum Jahr 2000 unter dem Namen „Fontane Lichtspiele“ betrieben. Das Scala gehört inzwischen dem einstigen Betreiber Knuth Steenwerth. Mit einem möglichen Kauf könne dem jetzigen Pächter Gösta Oelstrom Planungssicherheit gegeben werden. Es soll, wie es in dem Antrag heißt, ein „Anstoß gesetzt werden, der “zum einen die Sicherung des Eigentums im Blick hat und zum anderen die weitere Nutzung als kulturellen Ort sichert“. In jüngster Vergangenheit hat sich schon Werders Ortschronist Baldur Martin für den Erhalt des Kinos ausgesprochen. Er sei ein großer Freund dieses Ortes und bewundere den Elan und das Engagement des Pächters Gösta Oelstrom, sagte er bei einem seiner Vorträge im Scala gegenüber Wir sind Werder. Er spendete die Erlöse des Abends für den Erhalt des Kinos. Auch die Gilde der Stadtführer hatte zum Jahresabschluss 2018 Geld für das Scala gesammelt und gespendet. Gösta Oelstrom hat inzwischen ein vielfältiges Programm für das Scala auf die Beine gestellt – Kino, Konzerte, „Tatort“ am Sonntag, Brunch am Wochenende – bei den Werderanern kommt das gut an.

„Das Scala leistet einen wertvollen Beitrag zum kulturellen Leben und als Veranstaltungsort auch zur Stadtgesellschaft von Werder ganz allgemein. Das soll erhalten bleiben“, fordert der Fraktionsvorsitzende Hermann Bobka. Wie er heute vormittag in einer Pressekonferenz sagte, gebe es Dinge, „die man besser dem freien Markt überlässt“. Kultur gehöre nicht dazu, hier sei die öffentliche Hand gefragt. „Wir haben in der Fraktion beraten und zu dem Entschluss gekommen“, berichtet Bobka. „Wir sind eine wachsende Stadt, wir sind mit Beelitz ein Mittelzentrum – die Aufgabe der Kultur in der Stadt ist wichtig“. Gösta Oelstrom hätte sich ja bereits intensiv um eine Finanzierung bemüht, eine Unterstützung wäre ihm willkommen.

Die CDU wünsche sich einen Erwerb durch die Stadt, fordere aber nur entsprechende Verhandlungen in dem Antrag. „Ob der Erwerb tatsächlich stattfindet, hängt maßgeblich von dem aktuellen Eigentümer ab“, so Fraktionsvize Peter Kreilinger. „Dessen Forderungen müssen die Tatsachen realistisch widerspiegeln“. Neben dem Umstand, so Kreilinger, dass es für die denkmalgeschützte Immobilie keiner Perspektive zu einer wesentlichen Umgestaltung gebe und dem Umstand, dass der Ertragswert bei so einer Immobilie bei Null liege, sei auch der bauliche Zustand zu beachten. „Hier werden erhebliche Investitionen fällig“, so Kreilinger. Das hieße nicht, dass man eine Schenkung an die Stadt erwarte. Aber der Preis müsse schon realistisch bleiben, die zuletzt öffentlichen kolportierten Forderungen des Eigentümers seien das noch nicht.

Man sehe zudem die Gefahr, dass die anstehenden Investitionen vom Eigentümer nicht getätigt werden und ein Weiterbetrieb dadurch unmöglich würde. „Ein geschlossenes Scala, das der Denkmalschutz mit Zwangsmaßnahmen vor dem Verfall bewahren muss, kann nicht das Ziel sein“, so Kreilinger. „Wir haben nicht wirklich Angst, dass ein ‚böser‘ Investor das Scala kauft und etwas ganz anderes daraus macht.” Zudem könne man nicht davon ausgehen, dass die Stadt jemandem „rote Rosen“ ausstreue, der hier einen Kulturstandort zerstören möchte. “Nennenswerte bauliche Veränderungen gehen denkmalrechtlich nicht und für das, was es ist – ein Kino- und Veranstaltungssaal – gibt es schlicht kein plausibles wirtschaftliches Geschäftsmodell“.  (wsw)