„Das Chaos am Bahnübergang muss ein Ende haben“

Wann kommt endlich der Tunnel an der Bahnstrecke? Es ist eine Frage, die viele Werderaner bewegt. Zum aktuellen Stand äußerte sich Bürgermeisterin Manuela Saß.

Lange Schließzeiten am Bahnübergang Werder (Havel) sorgen für Unmut. Foto: Stadt Werder

Werder (Havel), 31. August 2018 – Die Stadt kämpft seit über zehn Jahren um den Tunnel zum nördlichen Quartier Havelauen, dessen Einwohnerzahl sich in zehn Jahren auf 2400 Einwohner verfünffacht hat. Die Schranke trennt beide Stadtbereiche und führt regelmäßig zu massiven Staus. Sie sind gerade im Berufsverkehr häufig so lang, dass es nicht gelingt, zwischen zwei Schließzeiten den Bahnübergang zu passieren. Es gibt unter den politischen Kräften in Werder (Havel) Konsens, dass der Tunnel aktuell das wichtigste Verkehrsinfrastrukturprojekt der Stadt ist.
Wann kommt endlich der Tunnel an der Bahnstrecke? Es ist eine Frage, die viele Werderaner bewegt. Zum aktuellen Stand hat sich Werders Bürgermeisterin Manuela Saß bereits Anfang August sowie folgt geäußert:

Das Problem: Die Stadt hat selbst keinen Einfluss auf den Projektstart.

Der Tunnel wird laut Eisenbahnkreuzungsgesetz von Bund, Bahn und dem Land Brandenburg als Straßenbaulastträger finanziert, das Land muss den Tunnel zunächst planen. Einen Planungsstart sagte der damalige Verkehrsminister Dellmann erstmals im Jahr 2008 zu, danach gab es mehrere weitere solcher Zusagen vom Land. Ein Planfeststellungsverfahren hat allerdings bis zum heutigen Zeitpunkt nicht begonnen.

Der Bahnübergang in Werder ist laut Landesangaben der am stärksten frequentierte Bahnübergang im Landesstraßenbereich. Die Schrankenanlage ist täglich bis zu elf Stunden geschlossen. Da sowohl auf der Bahnstrecke als auch auf der Landesstraße die Frequenz zum Berufsverkehr am höchsten ist, kommt es in diesen Zeitfenstern zu Schließzeiten von mehr als 30 Minuten pro Stunde, auch diese Angaben stammen vom Land.

Hilfsfristen für lebensrettende Einsätze können nicht mehr eingehalten werden, Verabredungen verschieben und Geschäftstermine verzögern sich, weil die Schranken einen Gutteil des Tages geschlossen sind. So entsteht seit Jahren ein erheblicher volkswirtschaftlicher und womöglich gesundheitlicher Schaden. Der Landkreis als Träger des Rettungsdienstes prüft derzeit sogar eine zweite Rettungswache auf der anderen Bahnseite.

Die Sicherheit und die Abwicklung des Verkehrs sind längst nicht mehr gewährleistet.

Das Land Brandenburg hat die Notwendigkeit des Tunnels wiederholt bestätigt, zu Ergebnissen hat das bislang nicht geführt. Bereits im Jahr 2009 wurden mit der Vorstellung von Bauvarianten begonnen, seinerzeit ging das Land von einem Baustart 2012 aus. Es wurde sich wegen der städtebaulichen Verträglichkeit für eine Tunnelvariante entschieden. Danach gab es wiederholt Angaben des Landes zum Planungsstart, die dann nicht eingehalten wurden, das Jahr 2015 als Beginn des Planfeststellung wurde wiederholt genannt.

Im Juni 2017 – bei einer Veranstaltung mit Landesvertretern auf Einladung der Stadtverordneten – hat das brandenburgische Verkehrsministerium einen Start des Planfeststellungsverfahrens für Ende 2018 angekündigt. Wegen des Bebauungsdrucks und der zu erwartenden Widerstände habe man sich im Januar 2016 von der Idee verabschiedet, die Unterführung in einer Kurve durch die Hausgärten auf die Elsastraße und von dort auf den neuen Kreisel zu führen. Die Unterführung soll nun in der bestehenden Straßenachse der L90 entstehen.

Die anliegenden Grundstücke sollen durch Einbahnstraßen seitlich vom Tunnel erschlossen werden. Durch die neue Troglage der L90 werde es für die Anlieger erheblich leiser werden. Platz für Rad- und Gehwege in der Unterführung werde es wegen der engen Grundstückssituation nicht geben. Vielmehr sollen Fußgänger und Radfahrer entlang der Eisenbahnstraße zum Bahnhof geführt werden, wo neben dem vorhanden ein neuer und breiterer Tunnel mit Rampen entstehen soll, der sowohl als Unterführung als auch zur Anbindung der Bahnsteige dienen wird.

Es gibt damit aus Sicht der Stadt Werder (Havel) eine gute und für alle Beteiligten tragbare Lösung für die Eisenbahnkreuzung.

Allerdings hat nun wiederum die Deutsche Bahn AG nach anfänglicher Zustimmung Diskussionsbedarf angemeldet. Gespräche mit der Bahn ziehen sich seit Monaten in die Länge. Für weitere Diskussionen bleibt angesichts der jahrelangen Verzögerungen, der Tatsachen am Bahnübergang und der Zeichen der Stadtentwicklung allerdings keine Zeit mehr.

Am Bahnübergang Werder herrscht ein entsetzliches Chaos. Eine weitere Verzögerung des Planfeststellungsverfahrens ist aus Sicht der Bürger und der Stadt nicht hinnehmbar. Der städtebauliche Spielraum wurde mehr als gründlich ausgelotet. Anpassungen der vorliegenden Planung sind möglich, wenn sie das Projekt nicht noch weiter verzögern. Wir setzen auf einen Start des Planfeststellungsverfahrens in diesem Jahr und darauf, dass sich die Einsicht in diese dringende Notwendigkeit auch beim Bahnvorstand einstellen wird.

Bund, Bahn und Land stehen in der Verantwortung, das Chaos an unserem Bahnübergang endlich zu beenden.