„Das ist eine Schweinerei!“

Bürgermeisterin Manuela Saß fand bei einer Pressekonferenz am 22. November deutliche Worte für die Schmierereien in unserer Blütenstadt.

v.l.: Polizeidirektor Sven Mutschischk, Bürgermeisterin Manuela Saß und Polizeihauptkommissar Stefan Wetzel, Foto: wsw

Werder (Havel), 24. November 2021 – Die Täter auf frischer Tat zu ertappen, ist schwierig: Sie agieren meist im Schutz der Dunkelheit, sprühen mit flinken Handgriffen ihre Tags an die Wände und sind blitzschnell wieder verschwunden. Was bleibt, ist der riesige Ärger bei den Betroffenen.

Illegale Graffitis sind kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat, die bei erfolgreichem Greifen des Täters empfindliche Strafen nach sich zieht. Ermittelte Täter haben neben dem strafrechtlichen Verfahren auch die Schadensersatzansprüche des/der Geschädigten zu tragen. Bei mehreren Schmierereien von einem Sprayer kommt so schnell eine fünfstellige Summe zusammen. Der Schadensersatzanspruch hat insgesamt 30 Jahre Gültigkeit. Und wenn zum Beispiel aus einer Gruppe von Tätern nur eine Person ermittelt werden kann, haftet diese ganz alleine für den gesamt angerichteten Schaden.

Um die Bevölkerung für das Thema zu sensibilisieren, haben die Stadt Werder (Havel) und die Polizeidirektion West unter dem Motto „Stopp den Schmierereien“ einen Faltflyer herausgegeben. Er wird in dieser Woche durch die Post in die Haushalte der Stadt Werder (Havel) verteilt. Auf dem Flyer gibt es u.a. Informationen und Kontakte zum Umgang und Vermeidung von Graffiti. Auch an die ständige Belohnung von 1000 Euro wird erinnert. Sie ist von der Stadt für Hinweise ausgesetzt worden, die zur Ergreifung von Tätern führen, die städtische Einrichtungen beschmiert haben. Ziel ist es, mehr Werderaner für den Einsatz gegen die Schmierereien zu gewinnen.

Polizeidirektor Sven Mutschischk (Leiter des Direktionsstabes der Polizeidirektion West) erläutert bei dem Pressetermin, dass trotz vermehrtem Auftreten von illegalem Graffiti die Anzeigen rückläufig sind: „Die Polizei kann bei Schmierereien nur dann aktiv werden und Ermittlungen sowie unterstützende operative Maßnahmen einleiten, wenn es eine Anzeige gibt. Wenn Betroffene ein illegales Graffiti also nicht anzeigen, können unsere Ermittler weder Spuren sichern noch auf die Suche nach möglichen Tatverdächtigen gehen. Deshalb sagen wir ganz deutlich: Wenn Sie Farbschmierereien an ihrem Eigentum feststellen, dann erstatten Sie umgehend Anzeige bei der Polizei. Das geht auch ganz bequem online. Und wenn Sie Farbschmierer auf frischer Tat beobachten, dann wählen Sie den Notruf der Polizei 110!“

Die Polizeidirektion macht deutlich, dass Stadt und Polizei bei der Bekämpfung der Graffiti-Schmierereien eng zusammenarbeiten und empfiehlt auch privaten Eigentümern, vorzubeugen und im Schadensfall schnell aktiv zu werden. Polizeihauptkommissar Stefan Wetzel (Leiter des Polizeireviers Werder (Havel) ergänzt: „Wir als Revierpolizei stehen bezüglich der Sachbeschädigungen an öffentlichem bzw. städtischem Eigentum immer in engem Austausch mit der Stadt Werder. Unsere Revierpolizistinnen und Revierpolizisten achten natürlich auch auf Beschädigungen an privaten Gebäuden und sprechen betroffene Eigentümer auch gezielt an. Wenn jemand an seinem Eigentum, z.B. der Hausfassade, ein illegales Graffiti feststellt, dann sollte es nach der Anzeige bei der Polizei und der Dokumentation des Schadens vor allem zeitnah entfernt werden. So können Betroffene verhindern, dass weitere Schmierereien dazu kommen und signalisieren – hier werden Graffitis nicht geduldet!“

Bürgermeisterin Manuela Saß appelliert an die Werderanerinnen und Werderaner: „Der Prozess der Stadtverschönerung wird durch wenige, im Dunkel der Nacht agierende Serien-Sprayer leider sehr erschwert. Wir werden die Aufmerksamkeit der gesamten Stadtgesellschaft benötigen, wenn wir daran etwas ändern wollen. Mit dem Flyer möchten wir einige Hinweise zur Vorbeugung und zum Umgang mit den Schmierereien geben. Niemand sollte vor einer Anzeige zurückschrecken. Die Beseitigung solcher Sachbeschädigungen kostet sehr viel Geld, das sind keine Kavaliersdelikte.“

Die Stadt selbst bemüht sich, Schmierereien an öffentlichen Einrichtungen innerhalb von 48 Stunden zu beseitigen. Regelmäßig gibt es dazu Kontrollfahrten. In diesem Jahr hat die Stadt bereits rund 35.000 Euro zur Graffitibeseitigung aufgewendet, im Vorjahr waren es 16.000 Euro. Neu ist, dass seit einiger Zeit auch Einrichtungen beschmiert werden, die laut ungeschriebenem Codex der Szene verschont bleiben: etwa Denkmäler wie im Park Petzow, Straßenflächen, Baumstämme im Stadtwald und am Plessower See oder Wände von WC- oder Trafohäuschen, die von Künstlern mit regionalen Motiven gestaltet wurden.

In den nächsten Wochen soll am neuen Familienzentrum in der Adolf-Damaschke-Straße eine öffentliche Sprayerwand in Betrieb genommen werden. Künstlerinnen und Künstler können dort ganz legal ihr Können mit den Spraydosen unter Beweis stellen. Es bleibt zu hoffen, dass sich dort auch die Sprayer austoben werden, die sonst öffentliches oder privates Eigentum beschädigen. (wsw)