Das junge Kanutalent aus Werder (Havel)

Hannes Müller hat mit 15 Jahren sportlich das erreicht, wovon viele andere Athleten nur träumen können. Der junge Werderaner ist fünffacher Deutscher Meister im Kanurennsport!

Werder (Havel), 14. September 2020 – Seit fünf Jahren betreibt Hannes aktiv den Kanurennsport, die dynamischste Wettkampfdisziplin des Kanusports. Ziel hierbei ist es, so schnell wie möglich eine festgelegte Strecke auf einem stehenden Gewässer mit einem Kanu zurückzulegen. Hannes gebraucht hierfür den Bootstyp Canadier, in dem man sich kniend mit Hilfe eines Stechpaddels fortbewegt. Mit einem speziellen Steuerschlag wird die Richtung des Bootes bestimmt, damit laufen die weitgehend offenen Boote auch ohne Steueranlage geradeaus. „Ich habe bis zur sechsten Klasse Fußball gespielt, erst bei Glindow, dann in Deetz und zum Schluss in Werder. Aber so richtig war es nicht das passende für mich“, erinnert sich der Zehntklässler. „Durch einen Freund der Familie, Thomas Hanisch, bin ich dann auf das Kanufahren aufmerksam geworden und nach dem ersten Training war meine Leidenschaft für diesen Sport auch schon entfacht.“


Nach dem Besuch der Karl-Hagemeister-Grundschule zog es Hannes dann an die Sportschule Potsdam „Friedrich Ludwig Jahn“ und er wurde Mitglied im Kanu-Club Potsdam im Olympischen Sportclub Luftschiffhafen e. V. Seitdem dreht sich bei dem 15-Jährigen alles ums Paddeln. Zweimal die Woche trainiert der Schüler vormittags eine Stunde, an vier Tagen zudem noch nachmittags zwei Stunden. „Mein Wecker klingelt früh um 6 Uhr und meist bin ich erst gegen 17.30 Uhr zu Hause, manchmal auch später“, verrät Hannes. Dass dabei nicht viel Zeit für Freunde und Freizeit bleibt, war dem jungen Mann aber von vornherein klar. „Wenn man erfolgreich Leistungssport betreiben möchte, muss man hierfür auch einiges investieren. Und der Kanusport ist sehr zeit- und materialintensiv“, erklärt Papa Eckhard Müller.

Neben dem täglichen Training fordern auch die regelmäßig stattfindenden Trainingslager und Wettkämpfe ihren zeitlichen Tribut. „Meist gehen die Wettkämpfe von Donnerstag bis Sonntag, die Trainingslager finden oft auch in den Ferien statt. Ich hatte zum Beispiel nur 14 Tage Sommerferien.“ Doch Hannes ist deswegen nicht betrübt oder bereut seine Entscheidung für den Leistungssport. Sobald er über seine große Leidenschaft spricht, flackern die Augen des 15-Jährigen voller Ehrgeiz und Herzblut. Man spürt schnell: Hannes nimmt an Wettkämpfen teil, um am Ende auch zu gewinnen.

Bei den diesjährigen Deutschen Meisterschaften der Jugend beim WSV Mannheim-Sandhofen konnte er vom 14. bis 17. August dann auch sein ganzes Talent unter Beweis stellen. Wie es sich für eine Deutsche Meisterschaft gehört, kamen die besten Kanuten und Kanutinnen aus ganz Deutschland zusammen, um sich miteinander zu messen. Insgesamt waren ca. 270 Sportler und Sportlerinnen gemeldet. Hannes trat in sechs Disziplinen an, vom 200m Rennen im Einer-Canadier (C1) über 500m im Zwei-Canadier (C2) bis hin zum 5000m Massenstart. „Ich habe zum Glück einige Vorläufe gewonnen, sodass ich direkt in die Endrunde vorgerückt bin. Insgesamt bin ich 14 Mal zu einem Rennen angetreten, zehn Mal im Einer- und vier Mal im Zweier-Canadier“, so der junge Sportler.

Und das mit großem Erfolg! Fünf Mal durfte der 15-Jährige den Meistertitel entgegennehmen: im Einer-Canadier über die 200m, 500m und 5000m sowie im Zweier-Canadier über die 500m und die 1000m. Das ist wirklich unglaublich beeindruckend! „Bei meiner ersten Meisterschaft vor zwei Jahren in Hamburg sind wir im Vierer-Canadier zweiter geworden und im letzten Jahr habe ich nur knapp den dritten Platz verpasst. Das war für mich schon ein unglaublicher Erfolg! Und jetzt darf ich mich fünffacher Deutscher Meister nennen“, freut sich der erfolgreiche Paddler. Insgesamt haben die Potsdamer Paddeltalente mit 13 Goldmedaillen allein 50 Prozent aller vergebenen Meistertitel erhalten – eine einmalige Bilanz.

Mama Andrea und Papa Eckhard sind natürlich bei jedem Wettkampf dabei, auch wenn sie durch die Corona-Bestimmungen in diesem Jahr aus der Ferne anfeuern und mitjubeln mussten. „Wir haben es uns in Mannheim auf Klappstühlen bequem gemacht und die Rennen voller Spannung verfolgt. Wir geben als Fans wirklich immer alles“, erinnert sich Andrea Müller schmunzelnd. Und Eckhard Müller ergänzt: „Wir haben uns extra ein Wohnmobil gekauft, um unseren Sohn bei seinen Wettkämpfen begleiten zu können. Die jungen Leute schlafen dann meist in Zelten, aber wir mögen es dann doch gerne etwas komfortabler.“

Einen kleinen Wermutstropfen gab es trotz des großartigen Erfolges leider trotzdem: Durch seinen Sieg über die 500m im C1 hat sich Hannes für die Olympic Hope Games in Szeged, Ungarn, qualifiziert. Doch leider gelten seit dem 1. September für Ungarn neue Einreisebestimmungen. Eine Einreise ist u.a. für Deutsche grundsätzlich nicht mehr möglich. „Das ist wirklich schade. Hannes hätte sich in Ungarn erstmals auch mit Sportlern aus anderen Ländern messen können“, bedauert Eckhard Müller. Aber der nächste Wettkampf kommt bestimmt und wenn der junge Werderaner sein Leistungslevel hält, wird er bestimmt schon bald auch international erste Erfolge feiern können.

Dass bei all dem Sport das Lernen nicht zu kurz kommt, beweisen die sehr guten Noten des Zehntklässlers. Mit einem Durchschnitt von 1,5 ist er sogar 0,2 Punkte besser als der Klassendurchschnitt. Nach dem Abitur möchte Hannes, dessen Lieblingsfächer neben Sport auch Mathe und Chemie sind, vielleicht ein Ingenieurstudium beginnen. Doch vorerst fokussiert er sich weiterhin aufs Paddeln. Und auch wenn die kalte Jahreszeit so langsam Einzug hält, ist mit dem Training nicht Schluss: „Wir sind so lange auf dem Wasser bis es gefriert. Und zusätzlich zum Kanurennen mache ich viel Ausdauersport wie Laufen und im Winter Langlauf“, so Hannes.

Sein großes Vorbild ist natürlich der dreifache Olympiasieger Sebastian Brendel, der ebenfalls im KC Potsdam aktiv ist. Wenn Hannes weiterhin mit viel Fleiß und Disziplin auf der Erfolgswelle paddelt, wird er vielleicht schon bald in die Fußstapfen seines Idols treten können. Wir wünschen ihm hierfür ganz viel Erfolg! (wsw)