Dauerbrenner “Therme”: StadtMitGestalter bezweifeln Wirtschaftlichkeit

Andreas Schauer: "Als Betreiber von vier vergleichbaren Thermen gehen wir von einer entsprechenden Expertise für Bau und Einschätzung zur Wirtschaftlichkeit der Therme aus."

Werder (Havel), 15. Februar 2019 – Ja, da steht sie … und wartet auf viele Prinzen in Form von Baumaschinen, Baggern, Radladern und Handwerkern, die sie endlich wach küssen.

Während sich der Großteil der Werderaner darauf freut, zu schwimmen und zu saunieren, machen sich Werders StadtMitGestalter (SMG) immer noch Sorgen um die Wirtschaftlichkeit des Thermen-Projekts und bezweifeln sogar, dass eine Wirtschaftlichkeitsprüfung seitens der Stadt jemals statt gefunden hat. In einer Pressemitteilung der SMG vom 12. Februar heißt es: „Die Akten zur Wirtschaftlichkeit der Havel-Therme sind entweder nicht vorhanden oder unter Verschluss. Der Vereinsvorsitzende Elmar Schlenke kritisiert dies scharf: ‘Entweder wird das Bürgerrecht auf Akteneinsicht missachtet, oder es gab keine Wirtschaftlichkeitsuntersuchung, obwohl dies bei solch großen Projekten üblich sein sollte. Wir verlangen endlich Aufklärung.'”

Die Stadt weist die Anschuldigen der StadtMitGestalter entschieden zurück. „Hier wird erneut versucht, die Öffentlichkeit mit Unwahrheiten und Halbwahrheiten zu verunsichern“, so Bürgermeisterin Manuela Saß. So sei es schon ziemlich dreist, am 7. Februar 2019 Akteneinsicht zu den Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen des Projektes zu beantragen, und in einer Pressemitteilung eine Woche später zu behaupten, die Akten zur Wirtschaftlichkeit seien „entweder nicht vorhanden oder unter Verschluss“. Für die Beantwortung von Akteneinsichtsanträgen besteht eine Vierwochenfrist.

Davon abgesehen sei aus den umfassenden Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen zu dem Projekt nie ein Geheimnis gemacht worden. Die Wirtschaftlichkeit sei in einer den StadtMitGestaltern bereits zugestellten Machbarkeitsstudie und einer Markterkundung vor der Ausschreibung umfassend betrachtet worden. Sie sei wichtigster Gegenstand der europaweiten Ausschreibung gewesen. Bevor das Schauer-Projekt den Zuschlag bekommen hatte, habe die Stadt extern untersuchen lassen, ob dessen Darstellungen zur Wirtschaftlichkeit plausibel sind. Das wurde durch das Bäderberatungsbüro PROFUND bestätigt.

Zudem war eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung des Badprojektes Voraussetzung zur Genehmigung des Doppelhaushaltes durch die Kommunalaufsicht. Die StadtMitGestalter zielen nun mit neuen Anträgen auf diese Informationen. Der erste Antrag an den Landkreis wurde jedoch bereits abgelehnt. Weitere Akteneinsichtsanträge der StadtMitGestalter werden im Rathaus ordnungsgemäß bearbeitet, über die Bearbeitungsstände seien die StadtMitGestalter in Kenntnis gesetzt worden.

Über das Thema Wirtschaftlichkeit sei im Badausschuss und in der Stadtverordnetenversammlung intensiv beraten sowie auf einer Bürgerversammlung, in einer Informationsbroschüre und in Pressemitteilungen umfassend informiert worden, so Manuela Saß. „Interessierte Werderaner hatten und haben viele Möglichkeiten, sich zur Therme zu informieren.“

„Auch Gutachten zum Bauzustand der Therme werden geheim gehalten“ heißt es in der Pressemitteilung der StadtMitGestalter weiter. Dass der Bau nach knapp vier Jahren Stillstand leide, sei völlig klar. Natürlich haben sich alle an der europaweiten Ausschreibung beteiligten Unternehmen ein umfassendes Bild vom Zustand des Baus gemacht und die gewonnen Erkenntnisse in die Planungen einfließen lassen.

Auch Andreas Schauer betonte auf Anfrage, dass die Schäden bekannt und entsprechend einkalkuliert sind: “Als Betreiber von vier vergleichbaren Thermen gehen wir von einer entsprechenden Expertise für Bau und Einschätzung zur Wirtschaftlichkeit der Therme aus.”

„Die Entscheidung für die Umsetzung eines solchen Projekts fällt man nicht so eben zwischen Tür und Angel“, so Andreas Schauer gegenüber Wirsindwerder. Würden er und sein Team nicht an den Erfolg der Haveltherme glauben, wäre es wohl kaum zu einer Beteiligung an der Ausschreibung gekommen und seine Einschätzungen und Kalkulationen sind laut externem Bäderberatungsbüro PROFUND auch realistisch.

Die von der schauer & co. GmbH eingereichte Wirtschaftlichkeitsberechnung sowie Besuchsprognose von 285.000 Besuchern im ersten Jahr seien realistisch. „Sollten keine unvorhergesehenen Ereignisse eintreten, wird die schauer & co. GmbH die Havel-Therme erfolgreich am Markt etablieren“, hieß es in der Expertise.

Das sei schauer & co. auch an anderen Standorten gelungen: Liegt der durchschnittliche Kostendeckungsgrad der Freizeitbäder und Thermen in Deutschland bei 74,3 Prozent, so wiesen alle vier Anlagen der schauer & co. GmbH  einen Kostendeckungsgrad von durchweg über 100 Prozent auf, so PROFUND in der Analyse. Teilweise werden die 100 Prozent sogar deutlich überschritten. PROFUND weiter: „Die von der schauer & co. GmbH geführten Anlagen weisen alle eine hohe bis sehr hohe Attraktivität auf und benötigen für den Betrieb allesamt keine Betriebskostenzuschüsse.“ (wsw)