Der Amputierten Treffpunkt e.V. bedankt sich für die großzügige Spende

Neue Spendenbox für den kleinen Michel - Ziel: Delfintherapie

v.l.: Ulla Heinrich, Sylvia Wehde und Claudia d‘Ottilie, Foto: wsw

Werder (Havel), 16. Dezember 2019 – An seine Mitmenschen denken, Mitgefühl zeigen und von dem eigenen Besitz ein klein wenig abgeben, zeichnet die Bewohner unserer Stadt aus. Nicht nur in der Vorweihnachtszeit haben die Werderanerinnen und Werderaner ein Herz für Menschen, die ein schlimmes Schicksal ereilt hat.


Bereitwillig und vor allem gerne werfen die Kundinnen und Kunden der Linden-Apotheke ein paar Münzen in die Spendenbox, die bereits zum festen Inventar der Apotheke mitten im Herzen der Stadt gehört. Und so füllt sich die Spendenbox immer schnell. Nachdem sich im vergangenen Jahr der Mukoviszidose-Verband über eine Spende freuen durfte, sammelte die Linden-Apotheke zuletzt für den Amputierten Treffpunkt Berlin-Brandenburg e.V. Gut 250 Euro sind für die medizinische Selbsthilfegruppe zusammengekommen. Die Summe hat Apotheken-Leiterin Ulla Heinrich verdoppelt und so nahmen Claudia d’Ottilie und Sylvia Wehde glücklich den Scheck in Höhe von 500 Euro entgegen.

“Ohne die Unterstützung in Form von Spenden können wir viele Projekte bzw. gesteckte Ziele für die Hilfe von Betroffenen nicht verwirklichen”, ist Sylvia Wehde dankbar. Die Glindowerin ist selbst beidseitig beinamputiert und hat vor knapp sechs Jahren die Selbsthilfegruppe ins Leben gerufen. Die Idee, Ulla Heinrich wegen der Sammelbox anzusprechen, hatte Claudia d’Ottilie. “Ich wohne auf der Insel und die Linden-Apotheke ist meine Hausapotheke. Ich bin selbst beinamputiert und habe demzufolge einen entsprechenden Medikamentenbedarf. Und so kommt man einfach irgendwann ins Gespräch.”

Mit den 500 Euro möchte der Amputierten Treffpunkt Berlin-Brandenburg e.V. bestimmte Projekte verwirklichen. Ideen gibt es hier viele. Als medizinische Selbsthilfegruppe erhält der Verein zwar die eine oder andere finanzielle Zuwendung, z.B. von Krankenkassen oder staatlichen Stellen, doch ohne Spendengelder funktioniert auch hier die Arbeit nicht. “Wir können uns zum Beispiel vorstellen, dass die 500 Euro in einen Gehschul-Workshop investiert werden”, überlegt Sylvia Wehde. Beinamputierte müssen das Gehen erst wieder mühsam neu erlernen und da sind solche Workshops, in denen das Laufen auf verschiedenen Untergründen erprobt wird, unglaublich wichtig. “Bei unseren monatlichen Treffen, die immer am zweiten Freitag in der Villa Donnersmarck in Berlin-Zehlendorf stattfinden, bieten wir unseren Mitgliedern neben einem äußerst informativen Erfahrungsaustausch auch immer Fachvorträge zu verschiedenen Themen wie Patientenverfügung, Prothesenversorgung oder Medizinrecht an”, ergänzt Claudia d’Ottilie. “Und auch wenn die Experten größtenteils kostenfrei referieren, entstehen uns hier ab und an Kosten in Form von Fahrtkosten. Da können wir einen Teil des Geldes auch investieren.”

Zur Zeit hat der Amputierten Treffpunkt Berlin-Brandenburg e.V. 70 Mitglieder zwischen 18 und 92 Jahren. Die Gründe für Amputationen sind vielseitig. Doch ob das Bein oder der Arm nach einer Krebserkrankung, in Folge von Diabetes oder nach Unfällen amputiert werden muss – die Betroffenen eint die anfängliche Verzweiflung. Die Sorgen und Ängste sind ebenso unterschiedlich wie die Gründe für die Amputationen. “Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer im Krankenhaus nach einer Amputation beträgt zehn Tage. Das ist viel zu kurz. Die Betroffenen werden viel zu früh in ihre altes Leben zurückgeschickt”, beklagt Sylvia Wehde. “Hier greift unser Peer-Projekt. Sechs Mitglieder unseres Vereins nehmen hierfür an speziellen Schulungen teil. Die Peers gehen auf Anfrage ans Krankenbett und beraten auf Augenhöhe frisch Amputierte. Es ist erwiesen, dass diese Betroffenen-Beratung dabei hilft, das Trauma der Amputation besser zu verarbeiten.”

Dass ein selbstbestimmtes Leben auch nach einer Amputation möglich ist, möchten die Ehrenamtlichen des Amputierten Treffpunkts Berlin-Brandenburg e.V. allen Betroffenen mit auf den Weg geben. “Ich hätte zum Beispiel nie gedacht, dass ich nach meiner Beinamputation jemals wieder Fahrrad fahren kann”, erinnert sich Claudia d’Ottilie. “Eine Amputation bedeutet nicht das Ende, sondern einen neuen Anfang. Alle Menschen, die in unseren Treffpunkt kommen, möchten sich auch aktiv helfen lassen und wollen lernen, das Bestmögliche aus ihrer Situation zu machen.”

Apotheken-Leiterin Ulla Heinrich freut sich sehr, dass sie immer wieder so tolle Vereine dank der großzügigen Spendenbereitschaft ihrer Kundinnen und Kunden unterstützen kann. “Uns ist es wichtig, dass wir hier vor Ort gucken, wo Hilfe benötigt wird. Und so liegt mir auch unsere neue Spendenbox sehr am Herzen. Wir sammeln für den zehnjährigen Michel aus Werder, der mit der seltenen Diagnose Angelmann Syndrom zur Welt kam. Ein Wunsch von ihm ist eine Delfintherapie. Wir hoffen sehr, dass wir dem kleinen Michel diesen besonderen Wunsch mit unserer Spendenbox erfüllen können. Alle Werderaner sind herzlich eingeladen, uns hier zu unterstützen. Und natürlich möchten wir als Apotheke auch unseren Beitrag leisten. Für jeden ‘Like’ unserer Facebook-Seite packen wir einen Euro in die Spendenbox – bis 1000 Likes erreicht sind.” (wsw)