Der Obstbau und Fontane

Keiner kommt in diesem Jahr an Fontane vorbei

Obstverschiffung zu Werder

Werder (Havel), 10. Juli 2019 – Auch unsere Stadt Werder (Havel) nicht! Hat der Dichter doch einiges zu unserem Städtchen und seinen Einwohnern notiert, was man gerne in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ nachlesen kann.
Aber warum wanderte er eigentlich nach Werder, was hat ihn besonders interessiert an der kleinen Insel inmitten der Havel und was hat er auf seinem Weg hier vorgefunden? Die Gilde der Stadtführer Werder (Havel) e.V. hat sich für uns auf Spurensuche begeben:

Beim Nachschlagen werden wir schnell fündig: das Interesse am Obstbau beginnt schon in seiner frühesten Jugend und hängt mit den Werderschen zusammen, die er beobachten konnte, wenn sie im Sommer täglich auf dem Berliner Markt ihre Ware verkauften.
„Jeden Morgen, auf unserem Schulwege, hatten wir ihren Stand zwischen Herkules- und Friedrichsbrücke zu passieren, und wir können uns nicht entsinnen, je anders als mit ‚Augen rechts‘ an ihrer langen Front vorübergegangen zu sein. … Welche Pfirsiche im Weinblatt! Die Luft schwamm in einem erfrischenden Duft, und der Kuppelbau der umgestülpten und übereinander getürmten Holztienen interessierte uns mehr als der Kommodenbau von Monbijou und, traurig zu sagen, auch als der Säulenwald des Schinkelschen Neuen Museums.“

Markt an der Friedrichsbrücke, Berlin

Es war also die alte Sehnsucht, die ihn antrieb. Die Neugier darauf, was er hier im Zusammenhang mit Obstbau, Obsternte und dem Transport nach Berlin erfahren würde. Die Werderschen erleben, wenn sie am Nachmittag ihre Tienen auf das Schiff nach Berlin brachten. Was waren das für Menschen, die hier lebten und aus dem kleinen Fischerdorf eine bedeutsame Obst- und Gartenbaustadt gemacht hatten?

Fontane kam im Jahr 1869. Werder war zu dieser Zeit eine Stadt mit ca. 4.500 Einwohnern. Seit 1852 gab es eine Eisenbahnstation und seit drei Jahren Gasbeleuchtung auf der Insel. 1858 war der Umbau der Heilig-Geist-Kirche von einem eher unscheinbaren Gotteshaus zu einer „Kleinstadtkathedrale von besonderer Schönheit“ – wie es auch einmal treffend formuliert wurde – abgeschlossen. Der Weinbau, der über lange Zeit große wirtschaftliche Bedeutung hatte, war nur noch in kleinen Resten vorhanden, der Obstanbau war bereits gut etabliert. Im Jahr 1861 wurde die erste Werdersche Obstzüchtergenossenschaft gegründet: Werder hatte sich zur Obstkammer Berlins entwickelt.

Das Leben spielte sich zu dieser Zeit vor allem auf unserer kleinen Insel ab. Dort wohnten die Menschen, dort gingen sie zur Schule, kauften ein und trafen sich abends im Gasthaus um die Ecke. Dort war alles, was man zum Leben brauchte: Post, Kirche, Apotheke, Bäcker und Schuster. Die Vorstadt, wie wir sie heute kennen, gab es in dieser Form noch nicht. Hier sah man nur wenig Bebauung (ca. 50 Häuser), dafür aber an den Hängen von der Eisenbahnstraße zur Bismarckhöhe viele Obstplantagen – vornehmlich Süßkirschen.

Fontane kam mit dem Zug. Es war heiß und windstill an diesem Tag und der Fußmarsch in die Stadt – wie er es beschrieb – kein reines Vergnügen. Auf seinem Weg vom Bahnhof in den Ort bewunderte er die großen Plantagen, die an dieser Wegstrecke lagen: „… Gärten und Obstbaumplantagen zu beiden Seiten; links bis zur Havel hinunter, rechts bis zu den Kuppen der Berge hinauf. Keine Spur von Unkraut; alles rein geharkt; der weiße Sand des Bodens liegt oben auf. Große Beete mit Erdbeeren und ganze Kirschbaumwälder breiten sich aus.“

Was liegt im Fontanejahr also näher, als das Thema „Fontane und der Obstbau“ aufzugreifen und seinem Weg durch die Stadt und über die Insel zu folgen. Werders Gilde der Stadtführer tut genau das an folgenden Terminen in diesem Sommer: 13. Juli, 20. Juli und 17. August.
Die Führungen beginnen immer 16 Uhr an der neuen Tourismusinformation am Plantagenplatz 9 und enden nach ca. 90 min. an der Anlegestelle der „MS Bismarckhöhe“. Dank der Unterstützung durch die Stadt Werder (Havel) und den Landkreis können diese Führungen kostenlos angeboten werden. (gds)