Der Wasserwanderstützpunkt Werder

Auf den Spuren der ehemaligen Vulkan-Fiber-Fabrik

Blick auf die Terrasse des Restaurants Filterhaus, Foto: wsw

Werder (Havel), 15. Juli 2019 – Vor etwa 100 Jahren wurde die Vulkan-Fiber-Fabrik in der Adolf-Damaschke-Straße in Werder (Havel) errichtet. Wo einst der Verbundstoff Vulkanfiber hergestellt wurde und zuletzt 150 Mitarbeiter beschäftigt waren, befindet sich heute ein attraktiver Wasserwanderstützpunkt mit einem stilvollen Restaurant in historischen Gemäuern. 

Der Standort im Innenbereich der Stadt Werder (Havel) befindet sich mit seiner 120m langen Wasserfront unmittelbar an der Havel, direkt neben dem Personenschifffahrtsanleger und dem Bahnhof Werder (Havel). Diese Lage bietet eine einmalige infrastrukturelle Anbindung des Wasserwanderstützpunktes.

Die Fabrikanlage direkt an der Havel zählt zu den bedeutendsten Zeugnissen für den Industriebau der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Früher wurde der Verbundstoff Vulkanfiber unter anderem für die Herstellung von Koffern und Knöpfen genutzt als Ersatz für Leder und Gummi. Vulkanfiber ist relativ leicht, zeichnet sich durch eine hohe Stabilität aus, ist elastisch und unempfindlich gegen Öle und Fette. Seinen Namen verdankt der Verbundstoff der Vulkanisation von Naturkautschuk zu Hartgummi. Oberflächlich betrachtet, ähneln sich die Produktionen, sodass der Name Vulkanfiber entstand. Hierbei werden als Rohstoff jedoch Bahnen aus Baumwoll- und/oder Zellulosefasern verwendet. Vulkanfiber zählt zu den ältesten Kunststoffen und ist auch heute noch aufgrund seiner besonderen Eigenschaften hervorragend als moderner Verbundstoff geeignet. Dass er auf Basis nachwachsender Rohstoffe hergestellt wird, ist ein weiteres Plus. 

Die ehemalige Bottichfreifläche

Errichtet wurde die Vulkan-Fiber-Fabrik 1916 auf einem 34.000 Quadratmeter großen Areal, das im Jahr 1926 hinzugekommene Filterhaus diente dazu, das Wasser aus der Havel für den weiteren Produktionsprozess der Fabrik mittels großer Sandfilter zu filtern. In den alten Industriegebäuden der Werderaner Vulkan-Fiber-Fabrik wird bereits seit 25 Jahren kein Vulkanfiber mehr produziert. In den insgesamt zum Ensemble der Fabrik gehörigen 31 Gebäuden stand seit 1994 die Arbeit still. 

Doch dann kam eines Tages Jörg Maywald nach Werder, sah die denkmalgeschützten Gebäude und verliebte sich sofort in dieses geschichtsträchtige Fleckchen Erde. 1998 erwarb Maywald, der bis 1994 an der Berliner Charité praktizierte, das sanierungsbedürftige Anwesen von der Treuhand. 

„Wir waren sofort von der Lage und der Architektur begeistert und hatten eine Vision“, erinnert sich Jörg Maywald. „Gemeinsam mit meiner Frau und meinem Sohn erstellten wir ein Rahmenkonzept für 20 Jahre und setzten dieses schrittweise um. Darin wurde vor 20 Jahren zum Beispiel der Ausbau des Filterhauses zum Restaurant festgeschrieben.“

Für die Umsetzung dieses Rahmenkonzeptes, gründete sich im Jahr 2000 der Verein „Freunde der Vulkan-Fiber-Fabrik Werder/Havel e.V.“, der auch Träger des Vorhabens ist. Der Verein ist gewerblich tätig und bezweckt die Förderung und Durchführung von Aktivitäten, die dem Erhalt der Baulichkeiten der ehemaligen Vulkanfiberfabrik dienen oder darauf gerichtet sind, diese der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. 

Als Hauptziel setzte sich der Verein die Schaffung eines attraktiven Wasserwanderstützpunktes. „2011 begannen die Planungen für das ehrgeizige Projekt, die Bauarbeiten starteten 2014. Rund 3,6 Millionen Euro haben wir investiert, davon waren 1,1 Millionen öffentliche Zuschüsse von der Investitionsbank des Landes Brandenburg“, erklärt der Berliner.  

Das Hauptangebot des Wasserwanderstützpunktes reicht von Bootsunterkünften, ganzjährigen Serviceleistungen an Booten, einem Verleih von muskelbetriebenen Sportbooten und Fahrrädern, einer Gastronomie im historischen Filterhaus direkt an der Havel, einer attraktiven Havelterrasse mit Überdachung über barrierefreie sanitäre Einrichtungen bis hin zu PKW- und Bus-Parkplätzen. In diesem Zusammenhang wurden auch Erholungsmöglichkeiten für Wasserwanderer auf dem Festplatz wie ein Kinderspielplatz, Ruhebänke und ein Grillplatz im Uferzonenbereich geschaffen. 

Im Ergebnis entstand aus den alten Gebäuden eine attraktive Anlaufstelle für Wasserwanderer, an der Tourismus und bestehende Kleingewerbe miteinander in Harmonie nachhaltig bestehen können und sich gegenseitig nicht stören. Die nächsten Wasserwanderstützpunkte mit einem vergleichbaren Angebot sind in Potsdam und Brandenburg an der Havel.

Am 11. April 2019 konnte nach fünf Jahren Bauzeit der Wasserwanderstützpunkt Werder (Havel) feierlich eröffnet werden. „Wir bedanken uns bei allen, die dazu beigetragen haben, insbesondere bei den Bauschaffenden, beim Landrat Wolfgang Blasing, bei der Bürgermeisterin Manuela Saß, beim Wirtschaftsminister, beim ehemaligen Bürgermeister Werner Große, und bei den Mitarbeitern der Denkmalpflege“, verkündete Jörg Maywald zur Eröffnung. 

Den krönenden Abschluss des Projektes bildete der Ausbau des denkmalgeschützten Filterhauses zum Restaurant mit Havelterrasse. Im Filterhaus ist die freitragende, hölzerne Dachkonstruktion von besonderer Bedeutung. Die alte Konstruktion wurde mit bauzeitlichem alten Holz instand gesetzt und statisch ertüchtigt. Dann wurde die Oberfläche geschliffen.

Die Zielgruppe des Restaurants Filterhaus umfasst neben Touristen vor allem Einwohner aus Werder, Potsdam und Umgebung. Am Freitag wird Abendessen geboten und am Samstag, Sonntag und an Feiertagen Mittagessen, Kaffee und selbst gebackener Kuchen auf der Terrasse sowie Abendessen. Die Speisekarte beinhaltet Gerichte aus der deutschen Küche, die alle hausgemacht sind. Als besonderes Highlight ist der X-Oven Holzkohlegrill zu erwähnen. Bei Temperaturen zwischen 270 und 370 Grad wird nicht nur das Fleisch auf den Punkt gegart, sondern Fisch, Fleisch und Gemüse bilden eine leckere Kruste und behalten ihre Saftigkeit. 

Der Verein „Freunde der Vulkan-Fiber-Fabrik Werder/Havel e.V.“ rechnet damit, dass sich der Wasserwanderstützpunkt zu einem überregionalen Magneten entwickelt. Doch nicht nur Wassertouristen sind hier herzlich willkommen. Auf dem Grundstück verläuft der beliebte Havel-Radweg, der auch zahlreiche Fahrradfahrer auf das Gelände lockt. Und auch Tagestouristen, die zwischen dem Werderaner Bahnhof und dem Schifffahrtsanleger auf der Insel an der Fabrik vorbeikommen, werden hier Halt machen. (wsw)