Der Werderaner FC Viktoria 1920 e.V. sucht Schiedsrichternachwuchs

Wir haben Werders Schiedsrichter Sven Lange zum Gespräch getroffen.

Werder (Havel), 5. Mai 2021 – „Ich war wahrscheinlich der talentfreiste Torwart, den es je gab“, schmunzelt Sven Lange. „Aber es hat mir Spaß gemacht.“ Heute steht der 44-Jährige schon lange nicht mehr im Tor, doch der Fußball spielt bei dem Brandenburger immer noch eine große Rolle. Seit 1996 ist Sven Lange als Schiedsrichter aktiv und gehört seit vier Jahren dem Werderaner FC Viktoria 1920 e.V. an. Zuvor war er viele Jahre selbst aktiver Spieler, nur eben – nach eigenen Angaben – ein nicht besonders guter. Als die Frage an ihn herangetragen wurde, ob er nicht Schiedsrichter werden möchte, fiel im die Entscheidung nicht schwer.

„Angefangen mit dem Pfeifen habe ich in der Stadtklasse Potsdam (Freizeitliga) und mich in den vielen Jahren bis zur Landesklasse emporgepfiffen. Zudem bin ich im Schiedsrichterausschuss verantwortlich für das Beobachtungswesen. Vor etwa zehn Jahren habe ich die Spielklasse gewechselt. In der Landesklasse sind die Wege doch recht weit und die Zeit möchte ich lieber mit meiner Familie verbringen“, so Sven Lange. Er lebt gemeinsam mit seiner Frau und seiner Tochter in Brandenburg an der Havel. 

Derzeit gibt es acht Schiedsrichter beim Werderaner FC. „Jeder Verein muss je nach Anzahl der Mannschaftsstärke eine bestimmte Anzahl von Schiedsrichtern vorweisen können. In Werder müssen wir mindestens sieben Schiedsrichter sein. Sollte unsere Frauenmannschaft den Spielbetrieb aufnehmen, wären wir zu wenige Schiedsrichter. So etwas kann für den Verein weitreichende Folgen haben und von Geldstrafen bis hin zum Punktabzug reichen, was schlimmstenfalls für die klassenhöchste Mannschaft des Vereins zum Abstieg führen kann.“

Um dem entgegenzuwirken, hat der Werderaner FC in Kooperation mit der BARMER eine Kampagne zur Suche von Schiedsrichtern gestartet. In einer Zeit, wo coronabedingt der Fußball in Werder (Havel) eine eher untergeordnete Rolle spielt, möchte der stärkste Verein unserer Blütenstadt engagierte Werderaner*innen dazu aufrufen, sich als Schiedsrichter zu bewerben. „Vielleicht ist ja die Tätigkeit als Schiedsrichter für Vereinsmitglieder interessant, die selbst zuvor aktive Spieler waren. Ab einem Alter von 13 Jahren kann man Schiedsrichter werden, unsere Schiri-Gruppe reicht von 18 bis 60 Jahren. Wichtig ist, dass man natürlich über eine gewisse Kondition verfügt und auf Höhe des Spielgeschehens agieren kann. Eine Grundfitness sollte bei zu erwartenden 9000 Schritten pro Spiel vorhanden sein“, so Sven Lange. 

Was gibt es denn sonst noch zu beachten? „Während des Spiels muss der Schiedsrichter authentisch bleiben und als Autoritätsperson auf dem Spielfeld stehen, jedoch nicht unnahbar sein. Ich zum Beispiel suche vor jedem Spiel den Kontakt zu den Mannschaften und richte ein paar Worte an sie. Ich bin der Meinung, dass die Spieler spielen sollen und ich pfeife das Spiel. Und wenn man pfeift, muss man seine Wahrnehmung auch erläutern können, allerdings sind Diskussionen fehl auf dem Platz. Meist regelt das Spielgeschehen vermeintliche Ungerechtigkeiten von selbst.“

Als Schiedsrichter vom Werderaner FC Viktoria 1920 e.V. darf Sven Lange natürlich nicht die Spiele „seines“ Vereines pfeifen. „Ich pfeife die Spiele in der Kreisoberliga und nur bei den Vorbereitungsspielen stehe ich auch mal in Werder auf dem Platz. Ein Schiedsrichter muss mindestens zwei Spiele im Monat pfeifen, um als einsatzfähig zu gelten. Da die Termine nur bedingt im Vorfeld planbar sind, ist natürlich eine gewisse Flexibilität als Schiri von Vorteil.“

Der Spielbetrieb soll voraussichtlich im August wieder losgehen. Die Spielklassen werden wohl aus der Vorsaison unverändert bleiben. Der 44-jährige Brandenburger freut sich schon sehr darauf, wenn der Ball endlich wieder rollt. Und wir sind uns sicher, dass er nicht der einzige ist. (wsw)